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Der Israelit · 1879-04-23 · Heft 17 (23.4.1879) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 17 (23.4.1879)
Date
1879-04-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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429! Keinen falls aber sollen Israel. Schüler Zeitungsnachrichten und Corresporrdenzen. oder Schülerinnen beim Schulbesuch an Sabbaten _ und Festen gegen den Willen ihrer Eltern oder! Fürsorger zum Schreiben, Zeichnen oder zur Fer- Deutschland. I tigung von Handarbeiten angehalten wdrden." Badreuth, 16. Avril. Wie sehr die jüdische Mildthätigkstl ausgebeutet wird, zeigt nachstehender Fall, der sich jüngst hier ereignete, wieder recht deutlich. — Ein gewisser Ehrmann aus Mutelkbrenbach ging hier von Haus zu Haus und suchte durch Weinen und Wehklagen über verschiedene Schicksalsschläge, die er erlitten haben will, die Herzen zu erweichen. Da er mehrere Zeugnisse über seine Dürftigkeit, darunter auch ein solches vom Distrikls-Nabbinate Baiersdorf, vorlegte und sich sonst bemessen und anständig benahm, erreichte er bald seinen Zweck und machte eine gute Ernte. Kaum war er aber abgereift, so erfuhr man, daß in Mittelehreribach schon seit vielen Jahren keine Juden wohnen, Laß Ehrmann keine Familie habe und daß er in der Welt herum vagabundire. Dazu kam, daß derselbe in einem Hause, wo man ihn aus Mitleid zu Gast lud, seinen ganz alten Hut mit einem guten, fast neuen vertauschte. Auf geschehene Anfrage beim Districts-Nabbinate Baiersdorf erhielt man nicht nur die Bestätigung, daß man es mit einem Schwindler zu thun hatte, sondern auch die Mittheilung, daß Ehrmann schon im Jahre 1872 in Fulda wegen Fälschung eines Amtssiegels zu einer einjährigen Gefcingnißstrafe verurteilt wurde. Dieses zu veröffentlichen erachte ich um so wehr als Pflicht, da durch solche Vagabunden würdige und bedürftige Arme beeinträchtigt werden. D.e. Aus Baden Sie kennen wahrscheinlich den humanen Erlaß des liberal-gesinnten Großherzogl. Oberschulraths vom 10. Juli 1877 an die Directoren und Vorstände der Mittelschulen, der höheren Mädchenschulen, sowie an die Gr. Kreisschulvisitaturen, also lautend: 1) „Israel. Schüler sind auf Verlangen ihrer Eltern vom Schulbesuch zu befreien: an den beiden Tagen von n"->, am am 1. und 7. Tage NOD, am 1. Tage am l. und 8. Tage roaib. 2) An anderen israel. Festtagen und an Sabbaten sind die israel. Schüler zum regelmäßigen Besuche der Schule anzuhalten; doch sind dieselben, soweit thunlich, an Sabbaten während der Zeit des öffentlichen Gottesdienstes auf Verlangen ihrer Eltern oder Fürsorger von der Verpflichtung zum Schulbesuche zu entbinden. Nun ist es leider! im badischen Lande und auch in anderen deutschen Staaten sehr häufig hier und da vorgekommen, daß ein inhumaner Direktor einer höheren Real - oder Bürgerschule israel. Eltern förmliche Mahn - und Drohbriefe zusandte, in welchen dieselben ernstlich darauf aufmerksam gemacht wurden, welcher erhebliche Schaden und Nachtheil ihren Kindern aus dem Nicht- Schreiben an Sabbaten und Feierragen erwachsen würde; daß sie die an solchen Tagen gegebenen Diktate und Classenarbeiten nicht mitmachen, mit der Clasie also aus diesem Grunde gar nicht gleichen Schritt halten könnten, daß ihre Kinder demnach Gefahr laufen würden, in einer und derselben Classe mehrere Jahre sitzen bleiben zu müssen u. s. w. Manche schwache und kleinmütbige Eltern durch solche heftige Drohungen jener Potentaten eingeschüchtert, haben wirklich hier und dort uachgcgeben und das Seelenheil ihrer Kinder schnöde hingeopfert. Andere dagegen (und deren Zahl ist Gottlob! keine geringe!) ließen sich nicht bange machen; sie hielten fest am göttlichen Gesetze und beriefen sich unerschütterlich aus den Wortlaut der vom Geiste der Gewissensfreiheit eingegebenen Regierungsertasse. Auf die energischen Gegenvorstellungen solcher?ti 'Via, welche ganz entschieden erklärten, daß sie unter keiner Bedingung ihren Kindern das Schreiben am Sabbat und Festtag erlauben würden, und daß sie, falls man dennoch auf das Letztere bestehen sollte, genöthigt wären, ihre Kinder unverzüglich aus der Schule herrauszunehmen, gab endlich die Direktion nach, vielleicht aus Besorgniß. von Oben herab einen derben Verweis zu erhalten. Solche Thatsachen. welche klar und offen beweisen, welchen willkürlichen Launen gewaltzwingerischer Direktoren israel. Eltern trotz aller humanen Regierungserlasse dennoch ausgesetzr sind (die übrigens im großen deutschen Reiche nicht vereinzelt dastehen) veranlassen uns, auf eine Schule aufmerksam zu macken, in welcher israel. Knaben solchen unliebsamen Quälereien nicht ausgesetzt sind. Wir meinen nämlich die wohlrenommirte. mit Pensionat verbundene Handelsschule zu Miltenberg a. M., in welcher Dr. Jos. Fiebermann aus Aachen den Unterricht in den neueren sprachen.

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