Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1879)
- Date
- 1879-04-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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428 i' . % « die Gefängnisse würden nicht überfüllt, die Richter würden mit Arbeit nicht überbürdet sein! Ueberhebung kann uns aus der genannten Bezeichnung nicht entspringen, Verantwortlichkeit erwächst uns daraus und Ursache des Dankes wird er uns gegen Gott, daß er uns ein Gesetz offenbart hat, aus dem die erhabenen Religionen, die den einig einzigen Gott verehren, hervorgegangen sind. Aber auch der Begriff eines „Gottes Israels" ist dem Vers, ein ungeheuerlicher. Der Vers, muß sich unter dem bibl. Ausdruck „Gott Israels" etwas ganz merkwürdig Apartes denken, so eine Art Privalgotrheit mit ihren besondern Launen und Neigungen. Erinnern wir uns, daß das Judenthum zuerst den Begriff der Nationalgottheit aufgehoben hat, daß in dem Scheidungsproceß, der sich zwischen Polytheismus und Monotheismus durch die Sendung Mosis vollzog als gegensätzlich gegen die Anschauung der Aegypter hervorgehoben Wird: „Denn mir gehört die ganze Erde"; „Du sollst erkennen, daß ich Goit bin auf Erden" u. s. w.: so wird uns die Bedeutung des Ausdrucks „Gott Israels" nicht zweifelhaft bleiben. Nicht als ob Israel einen besondern Gott besäße, an dem andere Kreise keinen Antheil hätten, sondern (ist der Ausdruck ja entstanden und nur gebraucht zu einer Zeit, da die Juden allein den einzigen Gott verehrten, während die übrigen Völker noch alle Götzendiener waren) der Gott, der zuerst und damals nur allein vop Israel angebetet worden ist. Der Vers, würde aber vielleicht nicht so streng mit den Juden wegen ihres von ihm erfundenen exclusiven Gottes ins Gericht gegangen sein, wenn dieser nicht ein solcher wäre, „der kein Herz für dir Gojim" hat. Wir lassen dem Verf. sein Vergnügen, den Juden hier unter Anderm noch einen kleinen Rippenstoß zu versetzen, denn die Bezeichnung der Nichtjuden als „Gojim", die der Verf. als im Sinne der Juden gegeben, wählt, soll doch nichts anderes bezwecken, als bei den Juden eine feindselige Gesinnung gegen ihre christliche Mitbürger voraussetzen zu lassen. Was läßt sich nicht alles unter einem fremdsprachlichen Namen denken. Zur Beruhigung ängstlicher Gemüther wollen wir aber hier nur bemerken, daß das Wort Goi, nichts anders als Volk bezeichnet, eine Bezeichnung, die in den bibl. Schriften sehr oft für die Juden selbst gebraucht wird, also nichts Ehrenrühriges enthält.' Wie es aber mit der Wahrheit des Ausspruchs des Culturhistorikers Am-Rhyn aussieht, die Juden dächten sich ihren Gott als fühllos gegen die „Gojim" möge folgende kleine Parabel des Talmud beweisen. „Äls die Egypter, so lesen wir in Megillah 10a., in den Wellen des Schilfmeers den Tod gefunden hatten, wollten die Engel ein Loblied anstimmen, Gott aber wehrt es ihnen und spricht: Meine Menschenkinder versinken im Meere, und ihr wollt ein Jubellied anstimmen?" Der Leser messe an dieser kleinen Erzählung die Wahrheit der Am-Rhynschen Behauptung. Eine Conseguenz dieser gehässigen Denkart, welche absolut die I «den als Fremde hinzustellen trachtet, ist es nun auch, auf den Juden hinzuweisen, wenn dem Verf. in seinem kulturhistorischen Werke sich eine Gelegenheit bietet, eine Persönlichkeit zu besprechen, die anscheinlich, vorgeblich oder auch wirklich einen schädlichen Einfluß' geübt oder sittliche Mängel zeigt, zufällig zugleich auch Jude ist. Gilt es ja dem Verf., Material zu sammeln, um zu beweisen, daß die Juden nicht in die Europäische Gesellschaft hineingehören, da darf es doch gewiß nicht versäumt werden, die Gemeinschäblichkeit der Juden an Beispielen nachzuweisen. So spricht er über die Telegraphen mit ihrer „tendenziösen Nachrichtenmache", worin sich „der Jude Wolff in Berlin" auszeichnete. Ebenso werden diejenigen jüdischen Tonkünstler, an deren Werken zu tadeln ist, gewissenhaft als Juden registrirt. So wird bei Meyerbeer, den der Verf. als „weder originell noch genial" bezeichnet und als Einen, der nur nach Effect hascht und aufzuregen sucht, ein früherer Kritiker citirt, welcher sich über ihn äußert: „als Opern-Componist die Karrikatur des universellen Mozart, der kosmopolitische von allen Nationen profitirende Jude". Offenbach wird uns näher bekannt gemacht als „französirter deutscher Jude" und bei „Jakob Levy, genannt Halevy," dessen „Jüdin" „langweilig und überladen" i't, wird auch nicht hinzuzufügen vergessen, daß er „ebenfalls Jude" ist. Bei Felix Mendelssohn - Bartholdy vergißt der Vers, die Confes, sion hinzuzufügen, an diesem konnte ja selbst ein Richard Wagner nichts aussetzen, sein hervorragendes Talent mußte ja selbst dieser anerkennen. Dieses Verschweigen sagt noch mehr als das frühere Bezeichnen der Religion. Man sieht, der Vers, verfährt systematisch. Wir sind mit unserer Revue zu Ende; wir glauben, genug bewiesen zu haben und können uns nun zu den Schlußfolgerungen wenden, die sich aus dem bisher Gesagten ergeben.