Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1879)
- Date
- 1879-04-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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407 als ob man die tiefgehenden Schäden, an denen unsere jüdischen Anliegen fast durchgehends leiden, mit organisatorischen Mitteln, Rathschlagen und im günstigsten Falle mit Geld heilen könne. Das Uebel liegt tiefer. Die religiöse Richtung oder vielmehr die antijüdische, welcher die Spitzen des Gemeindebundes angehören, sie hat die Köpfe verwirrt, sie hat die jüdischen Herzen vergiftet, hat mit vollen Händen die Saat des Abfalls , der Gleichgiltigkeit, ja der Geringschätzung und Verachtung unserer heiligsten Heiligthümer in die Geister und Gemüther einer ganzen Generation gestreut, und steht nun verblüfft da vor den Früchten dieser Drachensaat, weil sie die Geister nicht los werden staun, die sie selber heraufbeschworen. Mit solchen Quacksalbereien läßt sich ein derartiges Uebel nicht beseitigen. Daß der Kern des Uebels tiefer liegt, hat übrigens der Gemeindebund selber erkannt,, und nimmt daher oft Veranlassung, über den Mangel an jüdischer Gesinnung, kurz an wahrer Religiösität zu klagen. Dieser Klage hat der Gemeindebund sogar kürzlich einen besonderen „Aufruf" gewidmet, an den wir hiermit einige Bemerkungen zu knüpfen uns erlauben. (Fortsetzung folgt.) Neu mark, sein 50jähriges Dienstjubilänm. Eine große Anzahl seiner während dieser langjährigen Dienstzeit gewesenen Schüler und Schülerinnen sowie die Mitglieder der hiesigen israel. Gemeinde, die Führer der hiesigen städtischen Schulen. die Lehrer der umliegenden Gemeinden, endlich das Vorsteheramt in Hanau erfreuten mit Glückwünschen und passenden Geschenken den wackeren Lehrer. Abends war gesellige Vereinigung im Gasthause „Zur Hochmühle", wo sowohl die städtischen Behörden, die Collegen des Jubilars von Windecken und Umgegend und sonstige Gäste anwesend waren. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pesth. Am 26. März hielt der neugewählte Oberrabbiner der autonomen orthodoxen isr. Gemeinde dahier, Herr Schreiber, bisher in Munkacs, seinen feierlichen Einzug. 30 Deputatioen verschiedener isr. Gemeinden und zahlreiche fremde, Rabbiner hatten denselben am Bahnhofe begrüßt. Die von dem Oberrabbiner gleich bei seiner Ankunft in der Synagoge gehaltene Antrittsrede fand allgemein großen Beifall. I t a l i e u. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Dürkheim a. H., 27. März. Ihre Nachbemerkung zu meiner Correspondenz in der jüngsten Nummer des „Israelit" nöthigt mich zu der Mittheilung: daß „eine einfache Anzeige bei der hohen Militärbehörde" — in der Pfalz wenigstens — noch niemals eine Beurlaubung der jüdischen Soldaten bewirkte, selbst wenn dieselbe noch so leicht möglich" gewesen wäre, — daß ferner niemals noch, selbst ein Gesuch um Dispensation, eine solche über die ganze Festdauer, und wie viel weniger erst eine Beurlaubung auf so lange — und was die letztere beim Feste zu bedeuten hat, braucht Niemanden erst gesagt zu werden — herbeigeführt, und daß letztern auch eine eventuell bewilligte Beurlaubung! niemals noch den nDS> zny und den jn ddn mit! eingeschlossen, und darauf eben wollte ich die Aufmerksamkeit der in ihren Kreisen eine Beurlaubung der jüdischen Soldaten nachsuchenden Collegen hinlenken: Salven di. Windeeken, 26. März. Gestern feierte der; Lehrer der hiesigen israel. Gemeinde, Herr Samuel Rom, 8. April. Die „Reforma" meldet, der rumänische Agent habe am 7. April eine Besprechung mit dem Ministerpräsidenten Depretis über die Anerkennung Rumäniens seitens Italiens gehabt. Depretis habe hierbei wiederholt, das italienische Cabinet beabsichtige in dieser Beziehung im Einklänge mit den Unterzeichnern des Berliner Vertrages vorzugehen. Frankreich. Paris Der Polizeilieutenant Munk, Sohn des verstorbenen weltberühmten jüdischen Gelehrten, Salomon Munk, ist zum Chef der Abtheilung für politische Polizei ernannt worden. R u m ä n i e n. Bukarest, 9. April. Der Termin des Zusammentritts der Revisionskammern ist auf den 5 Juni festgesetzt. Die Wahlagitation der oppositionellen Bojarenpartei, sowie der Moldauer Fraction, welcher Cogalniceanu sich angeschlossen hat, richtet sich entschieden gegen die Judenemancipation und tritt bereits recht lebhaft auf, so daß die Regierung einen schweren Stand bekommen dürfte.