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Der Israelit · 1879-04-16 · Heft 16 (16.4.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 16 (16.4.1879)
Date
1879-04-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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404 in den Lazarethen, wo Pest und Fieber ihre Ernte hielten, und habe niemals Ansteckung gespürt. Ich habe diese wunderbaren Erfolge dem Segen zugelchrieben, den Ihr mir damals ertheilt, als ich so energisch die Landsknechte von der Plünderung der Juden in Rosheim abhielt. — Jetzt bin ich schon viele Jahre Hauptmann; unser alter Kaiser, Gott lasse ihn gesund, liebt mich und läßt mich nicht aus seiner Nähe. Er will mich zum Ritter schlagen und zum Kriegsobersten ernennen. Daher darf ich mir schon mehr herausnehmen als mancher Andere. Und wenn auch Max es verboten hat, Jemanden vor ihn zu lassen — ich führe Euch doch zu ihm. Er ist ein guter Herr und wird uns nicht auffressen." Und nun mußte Rabbi Joselmann dem Hauptmanne von sich und den Seinen erzählen. Lange plauderten sie noch mitsammen, der Hauptmann der Landsknechte und der Befehlshaber der Juden. Am andern Tage erschien Rabbi Joselmann zur bestimmten Stunde im Burghofe. Der Hauptmann erwartete ihn schon und führte ihn, ungehindert. bis in das Vorzimmer des Kaisers. „Gnädiger Herr", sagte er hier zu dem dienstthuenden Kammerherrn, „Seine Majestät haben zwar befohlen. Niemanden vor ihn zu lassen. Ihr aber wißt ja am Besten, daß Ausnahmen zugelasscn werden. Hier, der kaiserliche Befehlshaber Joselin, Jude von Rosheim, hat in wichtigen Angelegenheiten mit Seiner Majestät zu reden. Thut mir den Gefallen und meldet ihn dem Kaiser." „Wenn es Euch ein Gefallen ist. Hauptmann Jürgen", antwortete der Kammerherr, „so will ich es thun. trotzdem ich fürchten muß, von unser« Herrn barsch angefahren zu werden. Die Krankheit macht ihn gar verdrießlich." Er ging in das Zimmer des Kaisers; nach wenigen Minuten brachte er den Bescheid, daß der Herr Befehlshaber eintreten solle. Maximilian saß auf einem Lehnstuhle , in Decken eingehüüt, wiewohl das Feuer im Kamin hell brannte und eine große Wärme im Gemache verbreitete. „Willkommen, Joselin, Gottes-Willkommen!" rief er dem Eintretenden entgegen. „Nun, läßt Du Dich auch einmal wieder bei mir sehen? Es sind jetzt sechs Jahre, seitdem Du in Salzburg bei wir gewesen. Gehört habe ich zwar von Dir und Deine Eingaben gelesen und sie alle genehmigt. Dir haben eS Deine Brüder zu verdanken, daß sie noch heute in Colmar und Ober» Ehenheim ungestört wohnen dürfen und daß man in den andern Städten des Elsaß nicht mehr daran zu denken wagt, sie auszutreiben." ,,„O, Majestät, wie habe ich mich seit langer Zeit danach gesehnt, unserm gütigen Schirmherrn persönlich meinen Dank auszusprechen!"" „Schon gut, schon gut. Wie ist es Dir ergangen in der langen, langen Zeit? Ich, ich bin ein hinfälliger Greis geworden, der mehr an das Jenseits als an das Diesseits zu denken hat. — Ich habe oft an Dich gedacht, Joselin, und mich der Unterhaltung mit Dir wohlgefällig erinnert. Du bist ein gelehrter, ein weiser Mann; sag, glaubst Du, daß ich der ewigen Seligkeit werde theilhaftig werden? Aber keine Schmeichelei, keine Heuchelei, sondern die volle Wahrheit. Ich darf voraussetzen, daß du mein Leben, Thun und Treiben kennst. Hat man doch dafür gesorgt, selbst meine geringsten Fehltritte der öffentlichsten Öffentlichkeit zu übergeben." „„Majestät, die guten Thaten der Menschen und die schlimmen werden einst gewogen werden vom höchsten Richter. Ich glaube, die einzige Gutthat, daß Eure Majestät den allgemeinen Landfrieden eingeführt und aufrecht erhalten haben, wird schwer genug wiegen, um Eurer Majestät die ewige Seligkeit zu sichern."" „Ich danke Dir, Joselin, Dein Wort gewährt mir eine große Beruhigung. Ich bin zwar noch nicht alt; allein die Anstrengungen meiner unruhigen und mühevollen Regierung haben meine Gesundheit zerrüttet. Wie lange noch — und ich werde vor meinem ewigen Richter stehen. Jetzt hege ich nur noch den einen Wunsch, meinem Enkel Carl die Nachfolge im deutschen Reich zu sichern. Deßhalb muß ich mir die deutschen Fürsten und namentlich den Kurfürsten von Mainz günstig stimmen. Und Du, Joselin, Du kömmst, um Dich über diese Fürsten zu beklagen. Ich habe schon Nachrichten über die Tagfahrt der rheinischen Fürsten zu Frankfurt. Wenn das der Zweck Deines Kommens ist, Joselin, so spare Deine Worte. Ich kann mich der Juden halber nicht mit den Fürsten entzweien, in diesem Zeitpunkte am allerwenigsten. Ich gedenke einen Reichstag in Augsburg abzuhalten, da hoffe ich, daß Carl züm römischen König wkrd gekürt werdeu. Du selbst wirst einsehen, daß ich mir da die Fürsten zu Freunden erhalten muß." (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen: -—----^ Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit* große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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