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Der Israelit · 1879-04-16 · Heft 16 (16.4.1879) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 16 (16.4.1879)
Date
1879-04-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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403 Ae« i 11 < t » «. Uaööi Joselmann von Aosheim. Eine historische Erzählung. XXXIX. Wenn man heutzutage von Frankfurt am Main nach Kaufbeuren reisen will, so setzt man sich bequem in den Eisenbahnwagen — möglichst in einen „durchgehenden Wagen", damit man auch die Mühe des UmsteigenS erspare — und ist, wenn man den Courierzug benutzt, nach zehn bis zwölf Stunden an Ort und Steile. Umständlicher war es noch zu unsrer Väter Zeit; da gebrauchte man, wenn man mit der Post fuhr, wohl eine Woche und mehr, um die hundert Wegstunden zurückzulegen. Anders war es zu Rabbi Joselmann's Zeit. Zwar gab es damals schon eine Postverbindung — Kaiser Maximilian hatte sie eingerichtet —; aber diese Post war nur eine reitende, durch welche lediglich Briefe und kleine Paquete beför-! dert werden konnten. Und doch hatte auch diese primitive Posteinrichtung eine große Erleichterung des Reifens gebracht. Man konnte die Postreiter (Chevalier, im Volksmunde Schwaiger, woraus später Schwager wurde, wie man \a heute noch den Postillon zu nennen pflegt) zu Pferde begleiten . und so wenigstens, da die kaiserlichen! Postreiter stets gut bewaffnet waren, mit ziemlicher Sicherheit reisen. Auch Rabbi Joselmann beschloß, sich den Postreitern, die von Frankfurt nach Augsburg die Briefpost beförderten, anzuschließen. Eine Schwierigkeit lag aber in dem Sabbat. Die Postreiter ritten Donnerstags von Frankfurt ab und hielten Sonntags in Würzburg einen Ruhetag. Rabbi Joselmann gab den Männern ein reichliches Trinkgeld, so daß sie ihm versprachen, diesmal statt am Sonntage für den Samstag ihren Ritt zu unterbrechen. So ging es denn fort, Donnersj tags in der Frühe, über Hanau nach Aschaffen-! bürg. Freitags ritt man durch den Spessart bis! Lohr und Sonntags bis Würzburg. Dann ging j es weiter über Rothenburg an der Tauber, L 't= | tingen una Nördlingen bis Donauwörth. Am Freitag kamen die Poftreiter und mit ihnen Rabbi > Joselmann in Augsburg an. Da aber die Post- > reiter, welche die Post für den Kaiser nach Kauf-! beuren zu bringen hatten, schon Samstags ihren Weg dahin fortsetzen mußten, so beschloß Rabbi Joselmann sich von ihnen zu trennen und den > Sabbat in dem benachbarten Kriegshaber zuzubringen. Am Sonntag ritt er in aller Frühe von! dort fort und kam Dienstags glücklich in Kaufbeuren an. Hier aber bemühte er sich vergeblich i um Einlaß in die kaiserliche Burg. Der Kaiser war leidend und hatte befohlen, Niemanden vorzulassen. Die reichlich gespendeten Goldmünzen verfehlten ihre Wirkung. Rabbi Joselmann wollte die Vermittelung seines alten Freundes Kunz von der Rosen nachsuchen; allein der lustige Rath Maximilians weilte nicht mehr unter den Lebenden. Dann wollte er sich an dev Grafen Cyprian Sernteimer von Nordheim, des Kaisers Hofkanzler wenden; aber auch dieser schlummerte schon im Schooße der Erde. Es hatte sich in den sechs Jahren, in welchen Rabbi Joselmann des Kaisers Hoflager nicht aufgesucht, gar Vieles in der Umgebung Maximilians verändert. Neue, dem jüdischen Befehlshaber ganz unbekannte Leute umgaben des Kaisers Person. Berzweiflungsvoll lief Rabbi Joselmann in den Straßen der freien Reichsstadt Kaufbeuern umher; er wußte nicht, wie er zu dem Kaiser Vordringen sollte. „O, Gott", betete er in seinem Herzen, „Du hast mir schon so oft geholfen in dLr höchsten Noth. Sende mir auch heute einen hilfreichen Engel, daß es mir gelinge, das drohende Verderben von meinen Brüdern abzuwenden!" Da trat ein Hauptmann der Landsknechte auf ihn zu. „Siehe da, Herr Jude", rief er, ..sehe ich Euch einmal wieder nach dreizehn langen Jahren!" Rabbi Joselmann ergriff die dargebotene Hand und betrachtete den Sprecher. „Ah", rief er, „seid Ihr doch der tapfere Fähndrich von anno drei, der die Fahne nicht schwenken wollte über die raubsüchtigen Landsknechte. Ich sehe, Ihr;eid avancirt und seid sicherlich ein ebenso wackerer Hauptmann wie Ihr ein biederer Fähndrich ward. Mir aber seid Ihr wie ein Engel Gottes. Ich muß zum Kaiser, Hauptmann. ' Verschafft mir Zutritt, und ich will es Euch reichlich lohnen." „„Dazu kann Rath werden. Kommt morgen in die Burg; ich habe dann die Wache und führe Euch selber bis in das Vorzimmer des Kaisers."" „Habet Dank, edler Mann! Ihr seid schon einmal unser Beschützer gewesen, dazumal, als Euer Haufe die Juden in Rosheim plündern wollte." „„Ja, Herr, ich habe oft genug daran gedacht. Sie alle, die damals mit mir waren, der Hauptmann, die Doppeltsöldner, selbst die jungen Knechte — es lebt nicht einer mehr von ihnen. Sie alle sind entweder in der Schlacht gefallen, von Seuchen hingerafft oder wegen Meuterei gehenkt worden. Mich aber hat in all den vielen Schlachten, in denen ich gekämpft, keine Kugel getroffen, kein Schwerthieb verwundet; ich stand

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