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Der Israelit · 1879-04-16 · Heft 16 (16.4.1879) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 16 (16.4.1879)
Date
1879-04-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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402 nähme und den Leitern und Lehrern Dank aussprechend ein. Von einem blinden Mädchen nahm die hohe Frau ein von diesem geflochtenes, mit Blumen gefülltes Körbchen freundlichst an und sprach mit dem Kinde in herzlichster Weise. Während der Absingung der Volkshymne durch die im Vestibüle aufgestellten Zöglinge entfernte sich die Kaiserin nach anderthalbstündigem Aufenthalte. Prag, 30. März. Die bisher in den Kreisen der hiesigen Cultusgemeinde - Repräsentanz, man könnte sagen nur akademisch behandelte Frage der definitiven Rabbinatsdesetzung nach einem mehr als 12jährigen Provisorium hat infolge des den geschätzten Lesern Ihres Blattes bereits bekannten Hinscheiden des Gemeinderabbiners Hrn. Herschm. Teweles s. A. einen äußerst dringlichen Charakter angenommen. In richtiger Erkenntniß der Situation hat * der Präses Hr. Dr. Todesko, nachdem er in einem warmen Nachrufe die seltene Berufstreue und Selbstlosigkeit, die Bescheidenheit, den richtigen Takt des Verblichenen in der Behandlung öffentlicher Angelegenheit, so wie seine immense Gelehrsamkeit betont hatte, die bereits bestehende Commission für Rabbinatsangelegenheiten beauftragt, die Besetzungsfrage einem raschen gedeihlichen Abschlüsse zuzuführen. Die Commission besteht unter dem Vorsitze des Präses, aus 7 Repräfentanzmitgliedern und zwar aus den Herren Georg Feigl, Vorstand des hiesigen Tempels, Salomon Kohn, Schriftsteller, den Advokaten vr. K. Lasch, vr. Arnold Rosenbacher, vr. M. Raudnitz, vr. Ritter von Wiener und M. Ungar, Kaufmann. Schon die Zusammensetzung der Commission zeigt, daß die Repräsentanz der Stimmung der Gemeinde Rechnung tragend, keineswegs die Gemeinde durch die Wahl des Rabbiners in eine neue Richtung drängen will. In der That ist auch, nach den mir gewordenen Mittheilungen, in der Commission die Ansicht vorherrschend, daß bei der vorzunehmenden Wahl in erster Linie auf einen streng religiösen und sittlichen Charakter und auf talmudische Gelehrsamkeit Gewicht gelegt werden, weil diese zwei Eigenschaften vor Allem geeignet sind, die Stellung und den Einfluß deZ neuen Rabbiners in der Gemeinde zu sichern. Wir können uns mit dieser Auffassung der Commission nur einverstanden erklären, glauben jedoch darauf aufmerksam machen zu müssen, daß eine dritte Eigenschaft, die Gewandtheit in der Entscheidung religiöser und Ritusfragen, welche hier noch häufig Vorkommen, nicht außer Acht gelassen werden darf. So viel wir wissen, liegt es in den Intentionen der Commission, mit Persönlichkeiten, welche diese Stelle ambirioniren, in Verbindung zu treten und können sich daher diese an die einzelnen Commissionsmitglieder wegen näherer Auskünfte wende«. Rumänien.! Vor einigen Tagen berichtete die „Polit. Corr." j von einem Krawall in Jassy, welcher angeblich durch einige jüdische Fanatiker hervorgerufen wurde. Wie sich nun herausstellt, handelte es sich bei dieser Darstellung um ein Manöver, durch welches gegen die Juden Stimmung gemacht werden sollte Nach der „Nordd^ Allg. Ztg " — dieselbe stützt sich auf einen Bericht des Jassy'er Journals „Stafette ereignete sich in der genannten Stadt folgendes: Am 23. Mürz fand das Leichenbegängniß des Rabbiners Schorr unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung der jüdischen Einwohnerschaft statt. Als der Kondukt in der Nähe des jüdischen Spitals anlangte, flog plötzlich aus dem Hofe eines, dem Spital gegenüberliegenden Hauses eines Priesters ein förmlicher Hagel von Steinen und Koth auf den Sarg und die Menge. Diese, ob der vor ihren Augen geschehenen Profanation entrüstet, drang in den Hof und zertrümmerte hier einige Fensterscheiben, beruhigte sich aber auf Intervention eines einzigen Polizeibeamten sofort und der Leichenzug konnte sich ungestört wieder in Bewegung fetzen Das Gerücht, als sei die Frau des Priesters schwer vermundet worden, widerlegte sich von selbst dadurch, daß die Betreffende Tags darauf gesund und wohlbehalten behufs Zeugnißabgabe vor Gericht erschien. Gleichwohl konnte die Behörde es sich nicht versagen, die Verhaftung zahlreicher, vom Friedhofe zurückkehrender, an dem Krawall unbetheiligt gewesener Juden anzuordnen, so daß nunmehr über 30 Persoen arretirt und unter die Anklage des Landfriedenbruches gestellt sind. Nach dieser Darstellung kann es nicht zweifelhaft sein, von welcher Seite die Provokation ausging. P a l ä ft i n a. Jerusalem. Wir können die freudige Mittheilung machen, daß uns Gott in Seiner Gnade wieder bedacht hat. Ein sechs Tage lang anhaltender befruchtender Regen, den wir gehabt, läßt die Hoffnung in uns aufsteigen, daß wir einer, wenn auch nur mittelmäßigen Ernte entgegenfehen können. Die Missionäre wollen dahier eine Schule für jüdische Kinder errichten, in der sie von jüdischen Lehrern im Hebräischen, Schreiben und in der Landessprache unterrichtet werden sollen. Die Spitzen der Sephardischen Gemeinde haben die nöthigen Schritte dagegen gethan. (Schaare Zion.)

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