Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1879)
- Date
- 1879-04-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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401 Distrikts - und des LokalfchulinspeetorS und des DistrictSrabbinerS von Schnaitt ach in feierlicher Weife überreicht. Nicht nur der isr. Cultusgemeinde, in welcher Herr Lamm bereits 52 Jahre in segensreicher Weife feine Lehrthätigkeit entfaltet, und mit welcher er während dieser langen Zeit in ununterbrochenem Frieden gelebt, sondern fast der gesammten Bevölkerung des Ortes war dieser Tag ein Festtag. Ein festlicher Zug, aus den Mitgliedern der Cultusgemeinde, den Cultusbehörden, den Lehrern des Ortes und der Umgegend bestehend, mit der jüd. und christl. Schuljugend an der Spitze, geleitete den Jubilar aus seiner Wohnung zum geschmückten Festsaale, woselbst nach Worten ehrender Anerkennung für des Jubilars ausgezeichnetes Wirken und Leben von Seiten des Bezirksamtmannes, des Districtsschulinspectors Pfarrer Oltenburger von Schnaittach und des DistrictSrabbinerS vr. Salzer die Ueberreichung des Ordens im Namen des Königs vollzogen wurde. Diese Jubiläumsfeier war eigentlich eine verspätete. Bereits am 20. October v I. waren es 50 Jahre, daß Herr Lamm von der Regierung als ordentlicher Lehrer bestätigt worden. Aber da Herr Lamm der erste israel. Elementarlehrer in Bayern war, der 50 ordentliche Dienstjahre zurückgelegt hatte, und das Ministerium es für fraglich hielt, ob auch israel. Elementarlehrer in den Ludwigs-Orden ausgenommen werden können, wie dies bei christl. in ähnlichen Fällen auf einfachen Vorschlag ohne Weiteres geschieht, so legte dasselbe die Frage dem Könige zur eigenen Entscheidung vor, wodurch die Verleihung sich um Monare verzögerte. Die isr. Gemeinde wartete jedoch die Entscheidung nicht ab und überreichte in oorxore ihrem allseitig geliebten Lehrer schon vorher euren werthvollen silbernen Pokal. Mit^der erfolgten günstigen Entscheidung soll auch einem israel. Lehrer in Unterfranken besagte Auszeichnung verliehen worden sein. Berlin, 24. März. Nach einem Bescheide der Minister der geistlichen Angelegenheiten und des Innern müssen jüdische Mitglieder einer Civilgemeinde zu den Kosten für Unterhaltung oder Vergrößerung des Gemeinde-Friedhofs beitragen, weil es sich hier um eine Gemeindclast handelt, zu welcher sämmtliche Mitglieder der Gemeinde ohne Rücksicht auf die Konfession beizutragen haben Die jüdischen Gemeinde-Mitglieder können sich eines solchen Todtenhofs zur Beerdigung von Leichen bedienen, doch dürfen sie nicht verlangen, daß ihnen dort eine besondere Abtheilung überwiesen wird. Wollen sie dagegen einen eigenen Begräbnißplatz unterhalten, so kann dieser Umstand sie von der Verpflichtung zur Unterhaltung und nothwendigen Vergrößerung des der bürgerlichen Gemeinde gehörigen Friedhofs beizutragen, nicht befreien. Frankfurt a. M. Das israelitische Waisenhaus fährt fort, sich in vielentsprechender Weise zu entwickeln Frau Baronin v. Rothschild läßt auf ihre Kosten dem Gebäude einen weiteren Flügel anbauen und denselben vollständig einrichten. Es wird alsdann Platz zur Unterbringung von 60 Knaben vorhanden sein. Atltoua, den 27. März. Vorgestern verstarb ohne vorhergegangenes Kranksein der in der Kirchenstraße Nr. 14 Hierselbst wohnhafte Seligmann Moses, welcher erst ganz kürzlich noch seinen 105. Geburtstag gefeiert hatte. Der Greis hatte sich bis zu seinem Lebensende eine für sein hohes Alter seltene Rüstigkeit und Geistesfrische bewahrt. Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Wien, 29. März Die „Politische Korrespondenz" meldet aus Bukarest vom 29. März: Seitens einer leitenden Großmacht ging der rumänischen Regierung eine dringliche Note in Betreff der Judenfrage zu. Wien, 31. März. Die Kaiserin erschien gestern, Sonntag, um ‘d/42 Uhr im israelitischen Blinden-Jnstitute auf der Hohen Warte. Die Kaiserin wurde vom Curatoriums-Präses Dr. Ludwig August Frankl und der Curatorin Amalia Benedikt empfangen und in den Prüfungssaal geführt. Hier wurden Director Heller, dessen Gattin als Hausmutter, dann das Lehrpersonal vorgestellt, worauf Ihre Majestät den Wunsch aussprach, daß eine Prüfung der Zöglinge vorgenommen werde. Diese wurden in allen Schulgegenständcn geprüft, wobei die Kaiserin mit besonderer Aufmerksamkeit dem in dieser Anstalt zuerst eingeführten Unterrichte im Modelliren, Stiftzeichnen, Maschinnähcn und Webstuhl-Arbeiten folgte. Auch die weiblichen Arbeiten, dann die Erzeugnisse der Korbflechterei und Bürstenbinderei wurden in den Nebensälen in Augenschein genomen. Wiederholt sprach die Kaiserin ihre volle Anerkennung aus und fragte auch, was die Zöglinge, wenn sic von hier austreten, besonders erwerbsfähig mache. Ein Quintett (4 Violinen und Clavier) schloß die eine Stunde währende Prüfung. Hieraus durchschritt die Kaiserin alle Räume de§ Hauses und verweilte längere Zeit in der Werkstälte, wohin die Zöglinge mittlerweile zu ihren Arbeiten geeilt waren. Zum Schluffe sah die Kaiserin im Turnsaale dem oft kühnen Turnen der Blinden zu. Die Kaiserin fragte wiederholt besorgt, ob denn dadurch die Zöglinge nicht Schaden nehmen könnten, wurde aber über diesen Punkt vollkommen beruhigt. Dann zeichnete sich die Kaiserin in das Gastbuch unter dem Ausdruck wärmster Theil-