Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1879)
- Date
- 1879-04-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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400 heute noch die Grundlage einer jeden Erziehung bildet. Der Sinn für Bildung und Wissen zeichnet auch heute noch die Juden aus, sie bringen die größten Opfer, ihre Kinder etwas lernen zu lassen, und daher ist, wie ftatistisch nachgewiesen, der Procentsatz der die höheren Schulen besuchenden jüdischen Schüler bedeutend höher, als er dem Verhältniß der Bevölkerung nach sein müßte. Hören wir, was Dittes, der Direktor des Lehrerpädagogiums zu Wien, über den Bildungstrieb der Juden sagt: „Noch jetzt zeichn n sich die Juden durch große Regsamkeit auf allen Gebieten des geistigen Lebens aus. Insbesondere ist auch ihre Betheiligung am Schulwesen meist eine sehr eifrige. Die Eltern halten ihre Kiuder nachdrücklich zum Lernen an und bekümmern sich sorgfältig um deren Fortschritte; die Kinder stehen nicht selten an Wißbegierde und zähem Fleiße ihren christlichen Schulgenossen voran". (Geschichte der Erziehung und des Unterr. S- 40 f.) Daher der Mangel an Proletariat unter den Juden; sollten sie aber im Ganzen reicher geworden sein, was wir, solange es nicht durch statistisches Beweismaterial erhärtet ist, bestreiten, so ist das ein Verdienst für dieselben, nicht ein Vorwurf, und man sollte bei ihnen in die Schule gehen und von ihnen lernen, aber sie nicht als Popanz hinstellen, mit dem man die nichtjüdische Menschheit schreckt. Wenn unter Den Juden Reichthum zunimmt, nun so braucht die Welt davor nicht zurückzuschrecken. Da wir dieses niederschreiben, gehen Hilferufe für Szegedin und Nothleidende im Spessart durch die Zeitungen; die Juden folgen nicht mit den kleinsten Beiträgen diesen Aufrufen und sie erscheinen auch nicht als die Minderzahl der Spendenden. Möglich daß ihnen die Bereitwilligkeit, mit welcher sie helfend herbeieilen, wenn es gilt die Noth zu mildern und Thränen zu trocknen, ihnen den Ruf eingebracht hat, über ungeheure Reichthümer zu verfügen — der Jude hilft einmal gern, spendet gern, ohne sich vorher nach dem Glauben des Empfängers zu erkundigen, und dieser Trieb zum Wohlthun läßt ihn oft über seine Verhältnisse hinausgreifen, wenigstens über das, was man sonst als über die Verhältnisse gehend ansehen würde, und dieser Trieb ist so mächtig in ihm, daß selbst auf die Gefahr hin, sich in den „Verruf" eines Reichthums, vor welchem die Welt einst zittern müßte, zu bringen, er doch nicht aufhören wird, in seinem Wohlthun sich wie ein Reicher zu zeigen. Sie werden in ihrem Wohlthun fortfahren, selbst auf die Gefahr hin, daß man ihren Reichthum als Schreckbild hinstellt, wie Am - Rhyn es in den oben citirten Worten thut, die er noch dazu durch gesperrte Schrift auszeichnet. Glaubt der Verf. es wirklich, daß die Juden einmal zu einer Geld-Aristokratie sich heranbilden, der die Uebrigen als Leibeigene dienen? Sollte die Judenidiosynkrasie bei dem Verf. so sehr seinen Geist umnachtet haben, daß er einen solchen Gedanken im Ernst zu produciren vermag? Furchtbare Perspective: Deutschland voll von Leibeigenen: Moltke, Bismarck, alle die großen Herren, die jetzt Geschichte machen, gehen als Leibeigene umher, dieser Minister zieht den Karren, jener den Wagen, ein General müht sich mit Erbsenschälen ab und eine frühere Durchlaucht läßt eine: kleinen Judenknaben Huckepack reiten, und über Allen thront in olympischer Ruhe auf seinem neuerworbenen Rittersitze und theilet vom hohen Altane Befehle aus — Scholem nomine Brühl. Glaubt Herr Am - Rhyn an einen solchen Blocksbergtanz? In Europa wohnen 304 Millionen Menschen, darunter 4,6 Millionen Juden, macht 1,4 Proc. der Gesammtbevölkerung, in Deutschland wohnen 42,760,000 Menschen, darunter 512,000 Juden, macht 1,2 Proc. der Gesammtbevölkerung, und dieser kleine Bruchtheil, und wenn er den Niblungenhort mit allen übrigen Schätzen der Welt besäße, sollte Ursache geben können, daß Europa vor ihm zitterte? So klein hat Herr Am - Rhyn von der Europäischen Christenheit nicht gedacht! Und warum doch ein solches Schreckgespenst an die Wand gemalt? Es ist ein dekorativer Lappen, den man dem Judenteufel anhängt, der auf die Gemüther der Menschen noch etwas zu wirken vermag, da nimmt man es nicht so genau und überlegt nicht, ob der Schritt richtig ist. Denn die Juden aber auch gegenwärtig die Macht noch nicht besitzen, die der Verf. in der Zukunft winkend zu erschauen vorgibt, so ist es doch der Eigendünkel der Juden, wie der Verf. meint, der sich gar nicht mit einer Gleichstellung verträgt. Untersuchen wir auch diesen Punkt. Zeitungsnachrichten & Cvrrefpondenze«. Deutschland. Hüttenbach (Mittelfranken), 7. April. Hrn. Lehrer (Leligmann BaerLamm dahier ist vom Könige die goldene Ehrenmünze des Ludwigordens verliehen worden für in Pflichttreue und Pflichteifer zurückgelegte 50 Dienstjahre. Diese Auszeichnung wurde dem verdienstvollen Greise, Freitag den 4. d., durch den königlichen Bezirksamtmann Thurn von Hers brück unter Hinzuziehung des