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Der Israelit · 1879-04-02 · Heft 14-15 (2.4.1879) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 14-15 (2.4.1879)
Date
1879-04-02
Page
– (sequence 21)
Language
German
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377 Eisenbahnen noch regelmäßige Postverbinduvg. Der Mann übernahm gegen gute Belohnung den Botendienst, und als er wiederkam, war das Fest vorüber. — Red.) Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Aus Szegedin gehen UNS betrübende Berichte zu, über die Roth und das Elend, worin unsere dortigen, so hart heimgesuchten Glaubensgenossen schmachten; die Herzen unserer wohlihätigen Brüder bewähren sich auch bei diesem Nothstande auf das Glänzendste; von überall her fließen reichlich Gaben zu, und so wird es unter göttlichem Beistände gelingen, die entsetzliche Roth und das grauenhafte Elend einigermaßen zu lindern. Frankreich. Paris. Das Judenthum hat durch den Tod des geistvollen Schriftstellers S. Bloch n"y, des Redacteurs des „Ilnivers Israelitv", einen herben, hier wahrhaft unersetzlichen Verlust erliten. Nach den Feiertagen — ich will die Festesfreude der geehrten Leser nicht trüben — Näheres. n'^Wn. Feuilleton. IaKobine. E i n Lebensbild. Von Iriedrich Watt. XXIV. Tie Sommermonate hatte die Gräfin mit ihr in einem eleganten Badeorte verbracht, den Herbst beabsichtigte sie aus ihrem Stammsitz Waldensee, einem alterthümlicken aber prächtigen schlosse in der Nähe der Ostsee znznbringen. Auch Gras Waldensee, ihr Sohn, wollte sie dort treffen; er hatte bereits auf mehrere Monate Urlaub genommen, und die Mutter freute sich unsäglich aus das Zusammenleben mit dem Sohne, das sie schon seit Zähren entbehrt hatte. Aus schloß Waldensee wurden schon seit Wochen Vorbereitungen getroffen zum Empfang der Herrschaft und auch einer größeren (Gesellschaft, denn der Gutsherr wollte während seiner Anwesenheit aus Waldensee mehrere große Jagden dort veranstalten. Tie Dienerschaft war vorausgesandt; die Gräfin und ihre junge Pathe, begleitet nur von dem Kammerdiener der ersteren, folgten; der Gras wurde erst in der folgenden Woche erwartet. Es war ein wundervoller Abend, als die Equipage der Gräfin von der nächsten Eisenbahnstation, wo sie die Herrin erwartet hatte, dem prächtigen Rittergute zurollte. Auf hohem Felsen, die Umgegend weithin beherrschend, erhob sich die stolze Burg, auf deren Zinnen zun: Willkommengruße der Herrin eine mächtige Fahne wehte. Die Strahlen der scheidenden Sonne brachen sich in den zahllosen blinkenden Scheiben und vergoldeten wie mit magischem Glanze das hohe Prachtgebände. „O wie schön, wie wunderschön'." jubelte Jakobine, die Schloß Waldensee zum erstenmal vor sich sah. Tie Gräfin sprach nichts, aber sie drückte die Hand deö jungen Mädchens und ihre Brust hob sich rascher, während der Wagen den in zahlreichen Windungen zum Schlosse hinauf sich schlängelnden Kiesweg hinanrollte. „Ich hatte schon laugst die Absicht, Dir unser Stammschloß zu zeigen" sprach die Gräfilt endlich, „und freut es mich, daß es Dir gefällt. Wenn es uns zusagt, können wir ja öfters hier verweilen. Tie Lust ist rauh, aber frisch und kräftigend." „Das läßt sich denken," entgegnete Jäkobine, „Waldluft und Seeluft vereint —" „Freilich", stimmte die Gräfin bei. „und wie eigenthümlich dieser mächtige und so ganz vereinzelt dastehende Felsen, auf dem unsere Burg sich erhebt — man siebt nicht oft dergleichen. Und mitten in diesem Felsen liegt die Gruft unserer Ahnen. — Wenn es Dich interessirt, kannst Du einmal hinabsteigen und sie Dir anschauensie ist in Wirklichknit interessant, denn die Leichen dorr unten sind sammtlich wohlerhalten, in das Innere der Felsengruft dringt keine zersetzende Luft. Bon der Schloßkapelle führen unzählige Stufen hinunter; wenn der Graf kommt, wird er Dich vielleicht hiuunterbegleiten; ich selbst" — fügte sie seufzend hinzu, „ick gebe nicht mehr hinunter — man wird mich wohl in nickt allzuserner Zeit dorthin tragen." Jakobine küßte und streichelte die Hand ihrer Gönnerin und wußte durch heitere Schcrzreden die so plötzliche trübe Stimmung der alten Dame zu verscheuchen. Endlich war der Gipfel des Felsens erreicht, der Wagen hielt vor dem weit geöffneten ehernen Thorc; Lakaien sprangen herzu, die Herrin aus dem Wagen zu heben und auf den Arm ihres Lieblings gestützt schritt die Gräfin freundlich grüßend durch die Reihe ihrer sie ehrfurchtsvoll bewillkommnenden Dienerschaft. Alle Anordnungen im Schlosse waren aufs Genaueste, den Wünschen der Herrin entsprechend getrosten. Jakobinens Zinnner lag unmittelbar neben dem ihren, eine Verbindungsthür führte dorthin, denn die Gräfin fühlte sich nickt behaglich, wenn sie das junge Mädcken nicht in ihrer unmittelbaren Nähe wußte. Und Jakobine empfand dieses beständige Beisammensein ruck! als Last, sie fühlte sich der alten Tarne nr innigem Tanke verpflichtet und liebte sie daber ausrichtig.

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