Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1879-04-02 · Heft 14-15 (2.4.1879) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 14-15 (2.4.1879)
Date
1879-04-02
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447797-2447812--16025-2471996
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

375 Gedächtniß martern, ohne seinem Geist und Gemüth etwas zu sein. Kann das Einfluß auf das spatere sittliche Leben haben, waS allein die prunkvolle Schaustellung im dreizehnten Lebensjahre zu seinem Ziele hat? WaS soll das verständig zusammengekleisterte Gedankenbauwerk, dessen Fragen, Räthsel und dessen Antworten unverstandene Wahrheiten sind? Damit macht man das Gehirn der Kleinen wirblich, weit entfernt, sie zu erleuchten! Das ist ein verkümmertes, entblättertes Judenthum, dem man die Blüthen geraubt bat und von dem man dennoch Früchte der Sittlichkeit und des Edelsinnes verlangt! Ist das die Verwirklichung des i1? nns nn«? Die Thora hat uns jedoch schon längst ein Mittel zur echtjüdischen Erziehung der Kinder geboten, indem sie in Bezug auf den jnv U'nw dem Vater zuruft: n? maya e«nn cra -pa^ mm „Du mußt es Deinem Kinde verkünden, aber nicht nach der Reihenfolge eines gelehrten Leitfadens, sondern wnn rna wenn der freudige Tag in Dein festliches Haus eingezogen ist und Alles, selbst das Kind unbewußt unter dem heiligenden Eindrücke desselben steht, wenn sein Gemürh sich von selbst öffnet — dann, von dem Einflüsse der weihevollen Feststimmung getragen, ist es im rechten Zustande, Deinen Belehrungen willig Gehör zu leihen, dann sprich: ~j naya, was die Hagada weiterhin erklärt: TJ21? D’njio moi nso v'v nyaa. Weise also auf das Mazzabrot und auf das Bitterkraut hin, damit dem Kinde begreiflich werde, daß damit etwas Höheres verbunden ist, dann sage ihm: ni “»aya onsoD ’riNsra 'b 'n n»y „damit ich diese gottesdienstliche Handlung ausübe, hat der Ewige mir so Großes angethan, als ich aus Egypten zog, damit ich den Weisungen Nachkomme, der Dinge mich erinnere, auf welche die Mazzoth und das Bitterkraut Hinweisen, hat mich der Allmächtige erlöst." So sprich zu Deinem Kinde, aber ennn ora wenn der festliche Eindruck des heiligen Tages auf Deinem Hause ruht, sprich es nt -naya, aber sorge, daß Deinem Kinde die Gegenstände des häuslichen Festgottesdienstes in's Auge fallen. O, ihr Eltern! Wollt ihr ein kraftvolles und menschenliebendes, ein echtjüdisches, vom Geiste der Thora erfülltes Geschlecht heranziehen, so schämt Euch nicht, dem Pesach Euere Häuslichkeit zu öffnen, wenn eS ihm auch lange verschlossen war, schenket Euren zarten Kindern die erfreuenden und veredelnden Eindrücke des JudenthumS, die Euer Leichtsinn ihnen lange geraubt hat — und Ihr werdet den Einfluß der verachteten Gebrauche auf daS unverdorbene, empfängliche Gemüth des yn» erkcnnen, und die verjüngende Kraft, die für Euch selbst darin enthalten ist! Da sind die anschaulichen Eindrücke, die die neuere Erziehungslehre dem Kinde wünscht — die Thora hat sie stets verlangt, sie werden, getragen von der Feierlichkeit des Tages und den festlichen Handlungen, unverwischbare Spuren im Kindesherzen znrücklassen; gegen die Belehrung, die auf den gottesdienstlichen Einklang der jüdischen Häuslichkeit sich gründet, sind die gelehrten Auseinandersetzungen nichtig und farblos. Nur so wird frühe Herz und Geist von Liebe zum Judenthum erfüllt. Nur darauf baut eine spätere Erziehung erfolgreich fort, und das spätere Leben wird die schönste Frucht dieser Bestrebungen sein. Ja, mm mai C’ja nya-ix *uja, alle die vier verschiedenen Richtungen des Judenthums, wie die Jahrhunderte sie entwickelte, hat die Thora berücksichtigt, der Einfältige findet in ihr ebenso Befriedigung, wie das unschuldige, zarte Kind nicht vergessen ist, sie bietet uns günstige Waffen zur Zurückweisung des Böswilligen und unerschöpflichen Entwickelungsstoff dem hohen Geiste des Weisen. Und alle diese Richtungen, wie sie die Thora vorzeichnet, nehmen eine gewisse Stellung zum Grundgedanken des Pesachfestes, der wahren, nicht mißverstandenen, auf den Bestimmungen des göttlichen Geistes sich erbauenden Freiheit ein, weßhalb wir die Hagadastelle in dem Sinne betrachten konnten. Nur eine Bemerkung über die Hagada selbst finde hier noch Platz, die in unfern Tagen sehr oft mit einer gewissen Vornehmheit von oben herab betrachtet wird. Doch der Umstand, daß in einigen kurzen Aussprüchen derselben ohne Deutelei die ganzen Richtungen späterer Zeiten und deren Mängel gezeichnet sich finden, müßte das Urtheil unserer Erleuchteten etwas mildern. Uns scheint, es, als läge in der Hagada derselbe Reiz, wie im Pesachfeste selbst. Ihre einfachen Worte sind die Freude jedes Kindesherzens, und auch der reife Mann kehrt immer wieder und wieder gern zu ihr zurück. Erstaunt findet er hier die tiefste Lebenswahrheit hinter der einfachsten Hülle, ungesucht tritt ihm von hier aus. je nach der Stufe seiner Lebenserfahrung, stets Neues und Bedeutendes entgegen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 30. März. Wir haben heute 2120 M. 58 Pf. — die Erträge verschiedener Sammlungen ~ an die betreffenden Armen und Nothleidenden abgeschickt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.