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Der Israelit · 1879-04-02 · Heft 14-15 (2.4.1879) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 14-15 (2.4.1879)
Date
1879-04-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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374 nung nicht mehr räthselhaft scheinen, die die Hagada dem Weisen besonders einzuschärfen unS befiehlt - joip’ö« nosn in« ptüdd j\v. So wenig es gestattet ist, „dem Genüsse des Pesachopfer hinterher noch Speisen hinzuzufügen", so wenig darf der Inhalt des JudenthumS, dieses streng in sich geschlossene Gebäude, durch Hinzufügung neuer Stock- Werke, und sei es auch durch die Hand des geistreichsten Baukünstlers, erweitert werden. Verständniß und Empfänglichkeit verlangt das Bestehende von dem Weisen für sich, Aufgabe des gewissenhaften Forschers ist es, alle Tiefen des Vorhandenen zu durchdringen, und er wird sich nach keinen Ergänzungen sehnen, er wird finden, daß dies unveränderliche Judenthum doch Stoff zu unerschöpflicher, weltumfassender Entwickelung zuläßt, daß Jahrtausende des Forschens es nicht erschöpfen werden. Somit wird der vvn Nichts hinwegnehmen, er wird aber auch im Judenthume ohne einen „Nachtisch" (joipsw) sich völlig befriedigt fühlen. jni' i:\xtcn. „Und das Alter, dem noch die Fähigkeit versagt ist, eingehende Fragen zu stellen?" Sollten wir diejenigen ganz außer Acht lassen, die noch darin sich befinden, sollten wir diesem zarten Alter vielleicht genauere Beachtung versagen, weil es noch die Geistesreife nicht besitzt und uns mit der Zukunft trösten? Sollten wir der Zeit und den Jahren es überlassen, die eigentlichen Kinder in das Allerheiligste des JudenthumS einzuführen? Nein! Das Judenthum begnügt sich nicht damit, es will seine Bekenner in jedem Alter ganz besitzen, es läßt sich nicht vertrösten b nnö nn« „Du mußt das Kind anregen!" so ruft das Judenthum seinen Vertretern zu. DaS Heranwachsende Geschlecht macht ja die Hoffnung unserer Lehre auS, in ihm ruht die Zukunft des JudenthumS. Was Einfluß behalten soll auf das Leben des Gereiften, das muß mit dem ersten Emporkeimen des Verstandes dem Menschen eingehaucht werden, das muß man ihm so vertraut machen, wie seine nächste Umgebung ihm ist. Was in den Jahren versäumt worden ist, das rächt sich verhängnißvoll im späteren selbstständigen Leben, darum £ nns nn« „eröffne ihm bald daS Innere des JudenthumS." Diese Forderung ist so berechtigt und so nothwendig, daß die Gegner des gesetzeSstrengen JudenthumS ihre Bedeutung ebenso einsehen, wie die Anhänger desselben. Wofür ist aber der Geist eines Kindes empfänglich, und in welcher Gestalt muß ihm daS Ernste geboten werden? Wie kommt unsere Zeit der Anforderung ib nns nn« nach? Wollten wir den Redensarten trauen, so wäre die ganze Richtung unserer Zeit nur Opferwilligkeit, um dieses Ziel zu erreichen. Wann ist mehr über die Nothwendigkeit eines echtjüdischen Jugendunterrichtes gesprochen worden, als jetzt? Was aber ist „echtjüdisch"? Hat dieses Wort wirklich einen so allgemeinen Begriff, daß all' die verschiedenen Bestrebungen, die dafür sich ausgeben, mit der Bezeichnung „echtjüdisch" beehrt werden können? Das Judenthum ist eine Lehre des Lebens, der Boden der Wirklichkeit ist ihm unentbehrlich, um die Wirklichkeit rankt es sich empor, jede „Vergeistigung" ohne die Wirklichkeit macht auS der Lehre des JudenthumS einen nichtigen Schein und verwandelt die lebensvolle, ewige Wahrheit desselben in eine geputzte Leiche. Nun, sehen wir heute nicht, besonders dem Kinde gegenüber, das traurige Bestreben, das Judenthum aus dem Leben in das Buch, auS dem Kopf und dem Herzen in das Gedächtniß zu bannen? Nicht die Thora, der man den tödtenden Buchstaben vorgeworfen hat, ist das Buch. welches wir meinen. sie zeigt uns gerade die Wirklichkeit, das n echselvolle Leben, durchzogen und getragen von dem Wirken des Allmächtigen, nur darauf baut sie ihre Lehren und Forderungen. Sie kann auf das Gemüth des Kindes rechnen, das den Eindruck des anschaulichen Lebens begierig in sich aufnimmt. Heute soll sie entbehrlich gemacht werden. Gelehrte Glaubenslehrbücher, denen man auf jeder Seite den mühevollen Schweiß ihrer Verfasser ansieht, wollen das Judenthum in eine bestimmte Anzahl feststehender Formeln und Begriffe fesseln, den lebendigen Geist desselben zu einer unbeweglichen Masse erstarren lassen. WaS sind dem Kinde aber die hochgelehrten Gedankengebäude, die der Glaubenslehrer mit dem Leime aufgesetzter Fragen und mit dem Kitte vorgeschriebener Antworten mühsam aufgethürmt hat? Woher soll es denMuth nehmen, da hinauf zu klettern? Seltsam! Alle Wissenschaften hat die Erziehungslehre der Neuzeit, um sie dem Kinde zugänglich zu machen, losgelöst von der Starrheit der Formeln und der unübersehbaren wissenschaftlichen Entwicklungskette, hat ihnen ein entsprechendes, heiteres Kleid verliehen, Anschaulichkeit zur ersten Forderung gemacht und die Strenge der Begriffe in möglichste Ferne gebannt, um den kindlichen Sinn nicht zurückzuschrecken. Der Lehre des JudenthumS dagegen hat man das Anschauliche genommen, die Eindrücke entfernt, die dazu dienen, dem Inhalte unseres Glaubens unmerklich im Kindesherzen Eingang zu verschaffen — man hat eS aus seiner ursprünglichen Gestalt gerissen und in einen Haufen unerquicklicher wissenschaftlich-trockner Begriffe gebracht, die nun von oben herab steif und unverständlich an daS Kind herantreten, sein

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