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Der Israelit · 1879-04-02 · Heft 14-15 (2.4.1879) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 14-15 (2.4.1879)
Date
1879-04-02
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XX. Jahrgang. Zweite Beilage;u Ar. 14 & 15 des Israelit. Leitender Artikel. 2^2 nymN Z)as Wsachfest und die vier fragenden Söhne. Von Ludwig A. Rosenthal in Brilon. (Schluß.) Immer werden wir den als vorurtheilsfrei achten, der bei Allem nach den Ursachen des Bestehens forscht und sein Urtheil so lange zurückhält, bis ihm Alles nach Möglichkeit bekannt ist. Dem Thoren z. B. ist das ihm Lästige und Unangenehme verdammenswerth, der Weife wird Alles nach seiner sittlichen und geistigen Nothwendigkeit schätzen. Ihm ist es unmöglich, nach der falschen Weisheit der umstürzenden Weltbeglücker großartig über etwas den Stab zu brechen, was er als göttliche, bisher ihm unbekannte und unverstandene göttliche Einrichtung verehrt. Nicht am Aburtheilen über das Bestehende erkennt man den wahren, tiefblickenden Weisen, sondern daran, daß er die Oberfläche jedes Dinges zu durchdringen sucht, um aus dem Innern den eigentlichen Werth zu erkennen. Dieser Tiefblick kennzeichnet auch den hier auftretenden Weisen. Er sieht mehr, als die Oberfläche der festlichen Gebräuche, ihm genügt die Anschauung der D’pn nicht, er sucht nach den nny, nach dem dahinter liegenden Zeugnisse, dem geschichtlichen Hintergründe und nach den D’Eßtpc, den eigentlich sittlichen Anforderungen, die als Grundgedanken dieser Bräuche das Judenthum an uns herantreten läßt, nach den eigentlichen Glaubensgefetzen , die für diese gottesdienstlichen Handlungen das nothwendige, unentbehrliche Gewand bilden. Dem, der danach fragt, gebührt genaue Auskunft, und wenn ein so wohl beanlagter Geist an uns herantritt, -ign nn« nDBn mD^nD idann müssen wir unsere Belehrungen auf dem Grunde der Pesachsatzungen aufbauen, ohne nach außen zu schweifen. Lasten wir diesen Tiefblickenden erkennen, wie man inmitten des Judenthums seine geistige Befriedigung finden kann, ohne fremde Quellen aufzusuchen, indem man die eigenen verstopft. Je größer die Anlagen seines Geistes sind, desto mehr wird er befähigt sein, die großen Aufgaben Israels und seinen vorgezeichneten Pfad in Vergangenheit und Zukunft zu begreifen, desto begeisterter wird er die D’pn festhalten, die die Darstellungen solcher nny und D’BStPO sind. Wie sollen ihm nun die Gebräuche des Pesachfestes inhaltlos erscheinen! Sieht er in ihnen doch ein lebendiges Bild unserer erhabenen Vergangenheit, der er sein Auge zuwenden muß, wenn er den vor ihm liegenden Weg nicht verfehlen will! er wird in ihnen einfache und nothwendige Sinnbilder wahrhafter, wohlverstandener Freiheit bewundern, wird in ihnen die höchsten Ziele der Menschheit ausgedrückt sehen, ihm werden sie die stets forttönende, nie verhallende Stimme des Allmächtigen sein. Darum werden sie ihm im Toben des Lebens zur inneren Sammlung seines Wesens und zur Selbstermuthigung so unentbehrlich sein, wie seine leibliche Nahrung. Darum waren die größten Geister unseres Volkes, auf die selbst die Neuerer unserer Zeit mit Stolz zurückblicken, stets die unterschütterlichsten Anhänger des Ueberlieferten, sie waren immer eifrig darauf bedacht, dieses Geistesbelebende im Judenthume zu erhalten, was ihnen Lebensbedürfniß ist, was sie eben so wenig, wie Luft und Licht entbehren können. Sie waren darum weit entfernt von der Richtung aller Halbgebildeten, die aus Mangel an wahrhafter , schöpferischer Geisteskraft im Umstürzen, im wohlfeilen Ruhme des Niederreißens sich gefielen, indem sie den Geist unserer Gebräuche nicht kannten und darum das Gewand derselben verachten zu dürfen glaubten. Nur warne man den oun vor dem entgegengesetzten Fehler. Seine Aufgabe ist es den 'Gedankeninhalt des Judenthums in Brauch und Satzung, in Sittenlehre und Lebensweisheit, soweit es menschlicher Fähigkeit gegeben ist, an'S Licht zu ziehen. Wie schnell könnte ihn aber der Reichthum seines Geistes dazu verführen, nicht nur erklärend zu wirken, nicht nur die Schätze de- Judenthums dem Geiste und Gemüthe klar zu legen, sondern im eigenthümlichen Sinne des Wortes selbstständig mit dem Inhalte des JudenthumS zu verfahren, besonders dadurch, daß er eigene, aus seiner Weltanschauung geschöpfte Gedanken hiozufügt und damit die Lehre des JudeuthumS zu bereichern denkt. Darum kann uns die Mah-

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