Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 14-15 (2.4.1879)
- Date
- 1879-04-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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368 Feuilleton. Kaööi Joselmann von Kosheim. Eine historische Erzählung. XXXVIII. „Tritt näher, Joselin", sagte der Kurfürst, als der Kommerherr den Angeredeten hereingeführt hatte, „Freund Ulrich hat mir viel Gutes von Dir erzählt. Du bist vom Kaiser zum Befehlshaber der deutschen Judenheit eingesetzt? Weißt Du w»hl, daß das früher eine Prärogative der Mainzer Kurfürsten war? Ich könnte Dir diese Würde streitig machen! ' „„Wollte Gott, Eure Kurfürstliche Gnaden wären statt meiner ein Schützer und Vertheidiger der Juden. Tann stünden meine Brüder unter einem mächtigeren und wirksameren Schutze. Dann würden Eure Kurfürstliche Gnaden nicht meine armen, unglücklichen Brüder aus Hochdero Staaten vertreiben wollen. Gnädigster Herr! Seine Majestät, der Kaiser hat mich dazu ausersehen, daß ich die Angelegenheit meiner Brüder an den Höfen der Fürsten vertrete. Ich habe zu meinem Schmerze vernommen, daß Eure Kurfürstliche Gnaden in Verbindung mit Hochdero Nachbaren die Juden auStreiben wollen. Wie man mir gesagt hat, geht die ganze Agitation von Kur-Mainz aus. Würde Kur-Mainz zurücktreten von diesem unheilvollen Plane, so würden ihn auch die Anderen nicht auSführen wollen. Gnädigster Herr, ich bitte Euch, lasset ab, mein unglückliches Volk zu verfolgen. Was haben Euch meine beklagenswerthen Brüder gethan, daß Ihr sie ihrer Heimath berauben wollt, sie hinauszutreiben in Elend und Armuth, auf daß sie als heimathlose Bettler zu Grunde gehen?" Rabbi Joselmann hatte so ergreifend, so rührend gesprochen! Thränen entströmten seinen Augen; auch der junge Kurfürst war gerührt. „Sagte ich es Dir nicht, Ulrichs, sprach er, „Du verursachst mir unnütze Aufregung. Aendern kann ich's doch nicht. Und Du, Joselin, sage Deinen Brüdern, daß sie sich taufen lassen, so sind sie aller Noth und Verfolgung ledig." „„Gnädigster Herr, Ihr seid ein erhabener Fürst, ein Sohn des ruhmreichen Hauses Brandenburg; aber Ihr seid auch ein Fürst der Kirche. Könnt Ihr als Erzbischof einer solchen Zwangstaufe das Wort reden?"" „Auch mein Bruder, Kurfürst Joachim von Brandenburg, hat die Juden aus seinen Staaten ausgewiesen, nachdem er ihre Falschheit und Treulosigkeit erkannt hat." „ „ Gnädigster Herr, meine Brüder im Brandenburgischen sind auf das Schändlichste verleumdet worden von Menschen wie dieser Pfefferkorn, dessen Lästerschrift mein gnädigster Herr dem Feuer überantwortet hat."" „Joselin", faate Ulrich, „Ihr müßt es anders anfangen. Es hilft Euch nichts, das Herz Seiner Kurfürstlichen Gnaden zu rühren oder die Unschuld der Juden zu erweisen. Unser gnädigster Herr ist durch ein Versprechen gebunden; sein Herz ist nicht dabei." „„Gelobt sei Gott"", rief Joselin, „„das ist eine Engelsbotschaft, die ich vernehme."" „Ich verstehe Dich nicht, Joselin", sagte der Kurfürst. „„Gnädigster Herr, wir haben in Deutschland einen wohlwollenden Herrn und Gebieter; das ist unser allergnädigfter Kaiser. Ich hätte mich gleich an des Kaisers Majestät wenden und bitten können, daß kaiserliche Majestät des Reiches Kammerknechte beschütze. Allein der Kaiser hat mir selbst gesagt, er sei ein Herrscher über Könige; denn die deutschen Fürsten folgten nur dann seinem Befehle, wann es ihnen beliebe, und ich schmeichle mir nicht, daß der Kaiser unseretwegen seinen Befehlen mit den Waffen Nachdruck verleihen würde. Wenn also Euer Kurfürstlichen Gnaden edles Herz uns nicht feindlich gesinnt ist, so wird des Kaisers Verbot genügen, die Ausführung des gegebenen Versprechens zu verhindern."" „Du bist ein kluger Mann, Joselin, und die Angelegenheiten Deiner Brüder befinden sich bei Dir in d-n besten Händen. Reise hin zum Kaiser; ich wünsche Dir den besten Erfolg. Wenn Maximilian mir und meinen Nachbarn verbietet, die Juden auszutreiben, so werde ich diesem Verbote gehorsamen; merke Dir wohl, wenn es der Kaiser verbietet. Es kann nichts nützen, wenn er nur davon abmahnt; denn eine bloße Abmahnung würde mich meines Versprechens nicht entheben. Anders ein strictes Verbot; ich habe als Reichsfürst Kaiserlicher Majestät zu gehorchen." habet Dank, gnädigster Herr! Ich werde mich noch heute auf den Weg machen, das kaiserliche Hoflager aufzusuchen. Wenn ich nur wüßte, wo es gegenwärtig sich befindet!"" „Das kann ich Dir sagen. Maximilian hält gegenwärtig in seiner und des Reiches Stadt Kaufbeuren Hof." Der Kurfürst winkte mit der Hand. Rabbi Joselmann verneigte sich und wollte sich zögernd entfernen. „Du hast noch etwas auf dem Herzen, Joselin?" fragte der Kurfürst.