Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 14-15 (2.4.1879)
- Date
- 1879-04-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447797-2447812--16019-2471990- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
369 „„Gnädigster Herr, ich habe heute die alte jüdische Grabstätte hiesiger Stadt besucht .." „So, befindet sich cine solche hier?" „„In Mainz wohnte noch vor hundert Jahren eine große und berühmte jüdische Gemeinde. Mainz' war seit vielen Jahrhunderten der Stolz und die Freude der deutschen Judenheit. Hier haben unsre größten Lehrer gelebt, unsre größten Männer gewirkt, hier haben Tausende von Märtyrern ihr Leben hingegeben für die Heiligung des göttlichen Namens. Vor 96 Jahren hat der Äainzer Kurfürst, Graf Adolph von Nassau, sie ausgewiesen. Unser Gotteshaus ist verfallen und die heilige Stätte, wo die großen Todten meines Volkes begraben sind, liegt verwüstet. Gnädigster Herr! Wann das Verbot des Kaisers Eurem edlen Herzen gestattet, ein Freund und Beschützer meiner beklagenöwerthen Brüder zu werden, so erlaubt Einem oder dem Andern sich in Mainz niederzulassen. Das goldene Mainz, die erste Stadt in Deutschland, die Residenz eines so erhabenen Fürsten — öffnet es wieder meinen Brüdern, damit die Synagoge erhalten bleibe und der Friedhof Schutz finde, damit fremde Juden, die Geschäfte halber sich hier aufhalten müssen, Herberge finden und Speis und Trank/'" „Ich will das erwägen, Joselin. Vorerst aber muß das Verbot des Kaisers mich meines Versprechens entbinden." „„Gott segne Euch, hoher Herr! Und nun möchte ich noch ein Wort sprechen im Interesse meines hohen Herrn."" „Rede!" „„Der Leibarzt des hochseligen Kurfürsten, Lippmann Beifuß, ist einer der geschicktesten Aerzte. Gott schenke Eurer Kurfürstlichen Gnaden dauernde G-'sundheit, allein . . . ."" „Sollte ich eines Arztes bedürfen, so werde ich des von Dir Empfohlenen gedenken. Lebe wohl, Joselin!" Rabbi Joselmann verneigte sich tief und wollte sich entfernen. Da sprang Ritter Ulrich auf ihn za, ergriff seine Hand und schüttelte sie. „Lebt wohl, edler Mann", sagte er gerührt. „ Gott schütze Euch! Gute Verrichtung beim Kaiser!" Rabbi Joselmann kehrte noch an demselben Tage nach Frankfurt zurück, um sich zur Reise an das kaiserliche Hoflazer zu rüsten. — In Frankfurt erfüllten seine Nachrichten die geängstigten Herzen der dortigen Juden mit freudiger Hoffnung. Man zweifelte nicht einen Augenblick daran, daß der Kaiser dem Wunsche Rabbi Joselmanns willfahren und den Fürsten am Rhein die Ausweisung der Juden verbieten werde. Rabbi Joselmann selbst war keineswegs von freudiger Zuversicht beseelt. Er kannte das wankelmüthige Herz des Kaisers, den im Augenblicke nichts Anderes beschäftigte als das Bestreben, die Nachfolge im Reich seinem Enkel Carl zu sichern, und der voraussichtlich zum Erlaß eines stricten Verbotes an die Fürsten, um deren Gunst er warb, schwer zu bestimmen sein würde. Außerdem war eine Reise mitten im Winter in das Schwäbische Alpenland mit großer Mühe und vielen Gefahren verknüpft in einer Zeit, in der es Landstraßen nur wenige gab und alle Wege durch wilde Thiere und Räuber gefahrvoll waren. Aber das Vertrauen auf Gott und die Liebe zu seinem Volke waren stärker als alle Bedenken. (Fortsetzung folgt.) k N ZEIG E N. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Juserateu-Aunahme für Frankfurt a.M. bei «#. Kauffmann, Buchhandlung , für Hamburg bei A, Goldschmidt, Buchhandlung in H amburg, Kohlhöfen 35, und für C-lN bei Leo Frank, «Dteiufeldergasse 7. /gilt junger Commis, der sich in einem größeren! Reisender unter den bescheidensten Ansprüchen. Of- \2/ Weißwaaren - und Manufacturwaarengeschäft ferten unter U. Nr. 419 werden an Rudolf befindet, sucht Stellung als Lagerist, Dötaillist oder 1 Flosse, Hamburg, erbeten. [1084