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Der Israelit · 1879-04-02 · Heft 14-15 (2.4.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 14-15 (2.4.1879)
Date
1879-04-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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364 Dann nahm er das Pamphlet und warf es in daS lodernde Kaminfeuer. „Geh' ins Vorzimmer", sagte er dann, „und sprich zu dem Lästerer: Hebe Dich von hinnen und verlasse sofort die Stadt und meine Staaten, sonst wird es dem Lästerer ergehen, wie seiner Lästerschrift" *). Der Kammerherr that wie ihm geheißen. „Pfefferkorn!" sagte er zu dem im Vorzimmer Harrenden, „der Kurfürst befiehlt Euch, sofort Mainz und die kurfürstlichen Staaten zu verlassen, sonst würde es dem Lästerer ergehen wie seiner Lästerschrift, welche Seine Kurfürstliche Gnaden mit allerhöchst-eigenen Händen soeben dem Feuer überantwortet haben." Pfefferkorn war wie erstarrt, keines Wortes mächtig. Ritter Ulrich lachte und sprach: „Jetzt ist's in der That ein Brandspiegel!" — Rabbi Joselmann aber rief laut und feierlich: „Meoded Anowim Adonoi, maschpil Reschokm ade Orez. Es richtet auf die Bescheidenen der Ewige, erniedrigt die Böfewichter bis zur Erde." Pfefferkorn warf den'Beiden giftige Blicke zu und eilte ohne Gruß von dannen. „Und nun, Herr," redete Ritter Ulrich den Kammerherrn an, „habt die Gewogenheit, mich Seiner Kurfürstlichen Gnaden anzumelden; ich heiße Ulrich von Hutten." Der Kammerherr verneigte sich. „ Seine Kurfürstliche Gnaden," sagte er, „harren schon mit Sehnsucht des Augenblicks, den roßen Dichter, den freimüthigen Kämpfer, den erühmten Gelehrten, der die lateinische Sprache gleich einem Cicero handhabt, kennen zu lernen." Er kehrte in das Gemach des Kurfürsten zurück. Wenige Augenblicke nachher öffnete sich die Thüre desselben, und der Kurfürst eilte, beide Arme ausbreitend, heraus. „Ni Ulrice", rief er, „mein Ulrich, den persönlich kennen zu lernen, ich mich seit lange sehne, komm' in meine Arme, an mein Herz." Hutten stürzte dem Kurfürsten zu Füßen. Dieser aber hob ihn auf, umarmte und küßte ihn. Dann zog er ihn hinein in sein Zimmer. Hier nun mußte Ulrich sich zu dem Kurfürsten setzen, mußte erzählen von seinem Leben, seinen Werken. Es kam auch die Rede auf die Briefe der Dunkelmänner. Da erinnerte sich Hutten sei- *) Wernher, der Mainzer Dom (Geschichte der Kurfürsten von Mainz), Theil II, S. 378. neö WohlthäterS Joselin, der bis dahin, vergessen, im Vorzimmer geharret hatte, und sprach: „Ist es wahr, daß Eure Kurfürstliche Gnaden , die Juden aus Dero Staaten verjagen wollen?" „Ich muß, Ulrice", sagte der Kurfürst, „ich habe es vor meiner Wahl feierlichst versprochen." „„Gnädigster Herr, im Vorzimmer wartet der Kaiserliche Befehlshaber und Regierer der gesammten Judenheit deutscher Nation, der Jude Joselin von Rosheim. Wollen Eure Kurfürstliche Gnaden nicht gestatten, daß derselbe hier erscheine und sein Anliegen vortrage?"" „Nein, Ulrich, ich will den Mann nicht empfangen. Er würde mir das Herz schwer machen, und ich könnte ihm dennoch nicht zu Willen sein. Was ich versprochen, muß ich halten." Da warf sich Ulrich dem Kurfürsten zu Füßen und umklammerte seine Knie. „„Kurfürstliche Gnaden"", bat er, „„schlagt mir die erste Bitte nicht ab, die ich an Euch richte. Dieser Joselin ist mein Freund, mein Wohlthäter. Er hat sich meiner angenommen, da ich von aller Welt verlassen war, hat es durch seine edle Freigebigkeit möglich gemacht, daß ich vor Euch erscheinen konnte; diese Kleider, die ich trage, das Schwert an meiner Seite, er hat mir das Alles erst gegeben. Ich bitte Euch, gnädigster Herr, höret ihn wenigstens."" „Steh aus, Ulrich, und sei nicht thöricht. Und wenn ich nun diesen Juden empfange, was kann das an der Sachlage ändern? Soll ich etwa mein fürstliches, feierlich gegebenes Versprechen nicht halten?" „„Und ich habe versprochen, Alles, was in meinen Kräften steht zu thun, damit Eure Kurfürstliche Gnaden gestatten, daß der Jude vor Eurem Angesicht erscheine und seine Angelegenheit Euch vortrage. Wollt Ihr dann, gnädigster Herr, ihm nicht zu Willen sein, so steht das ja noch immer bei Euch. Ich stehe nicht eher auf, bis Ihr dem Juden gestattet, einzutreten."" „Du bist ein ungestümer Bitter, Ulrich. So mag denn der Jude kommen, und Du magst dabei sein; aber hüte Dich, mich bestimmen zu wollen, daß ich mein fürstliches Wort nicht halte." (Siehe die Fortsetzung in der ersten Beilage.) Hierzu sechs Beilage«. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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