Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 14-15 (2.4.1879)
- Date
- 1879-04-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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363 Grresen Herr Rabbiner Dr. N. Ehrenfeld in Prenzlan wurde einstimmig zum Rabbiner der hiesigen Synagogcngemeinde gewählt. Frankreich. Rouen« Der hiesige Municipalrath hat der isr. Gemeinde zur Reparatur ihrer Synagoge eine Subvention von 15,000 Fro. bewilligt. (Arch. isr.) F e « t l l e t o »». Kabbi Joselmann von Kosheim. Eine historische Erzählung. XXX VH. Von heiligen Schauern wurde Rabbi Joselmann ergriffen,' als er die uralte, schon lange verwahrloste Todtenstätte betrat. Es waren damals fast hundert Jahre vergangen, daß die Israeliten aus ihrem uralten Wohnsitze, aus der Stadt Mainz, vertrieben waren. Auf diesem Todtenacker hatten die größten Männer der deutschen Judenheit ihre letzte Ruhestätte-gefunden; hier war, im achten Jahrhundert der gewöhnlichen Zeitrechnung, der erste deutsche Rabbiner, Rabbi Moscheh ha Saken (der Alte) begraben worden, und nach ihm eine große Reihe großer Männer: Rabbenu Kalonimos aus Lucka, dessen Sohn Rabbenu Meschullam, dessen Sohn, Rabbenu KalonimoS, und dessen Sohn Rabbenu Kalonimos ben Rabbenu Kalonimos , der Freund des Rabbenu Amnon, des Verfassers des Uneßannu Tokef; ferner Rabbenu Jakob ben Jakir, der Lehrer Raschi's, Rabbenu Gerschom ben Jehudah, das Licht der Diaspora genannt, Rabbenu Schimeon, der Große, Rabbenu Elieser ben Nathan, Rabbenu Eljakim, Rabbenu Baruch ben Schemuel und viele, viele Andere, welche die Lehrer von ganz Israel gewesen waren. Rabbi Joselmann suchte die Grabstätten der großen Männer auf; aber sie waren verwüstet; die Leichensteine waren geraubt oder zertrümmert. Nur das Grab Rabbi Schimeons, des Großen, fand er unversehrt. Hier warf er sich zur Erde nieder und betete zu Gott, daß er um all der großen und heiligen Männer, um der vielen Märtyrer willen, ' die hier begraben liegen, ihn Gnade finden lasse j vor dem Kurfürsten, damit das schreckliche Verj derben abgewendet werde von den Nachkommen ' Jakobs. I Gestärkt und gehoben, kehrte Rabbi Joselmann! i» die Stadt zurück. Er fand seinen Reisegefährten mißmuthig und verstimmt. Ritter Ulrich hatte den Kanzler Eitelwolf von Stein aufsuchen wollen und zu seiner Betrübniß erfahren, daß dieser im Aufträge des Kurfürsten nach Erfurt abgereist sei. Rabbi Joselmann tröstete den Ritter und forderte ihn auf, mit ihm sich in das Schloß des Kurfürsten zu begeben. Ein Goldstück verschaffte ihnen Zutritt bis in das Vorzimmer des hohen Herrn, von wo aus der dienstthuende Kammerherr, die Beiden dem Kurfürsten melden sollte. Aber, wie erschrak Rabbi Joselmann, als er in das Vorzimmer eintrat und dort Pfefferkorn, einer Audienz harrend, vorfand. Dieser trat auf ihn zu und sprach: „Wenn ich Euch rathen soll, Joselin, so eilt von hinnen, so schnell Ihr könnt. Der Kurfürst liest soeben meinen „Brandspiegel." Nachher soll ich vor Seiner Kurfürstlichen Gnaden erscheinen dürfen. Ihr könnt Euch vorstellen, daß Allerhöchstdieselben, Euch nicht gnädiglich empfangen werden." Rabbi Joselmann antwortete nicht. „Wer ist der freche Mensch?" fragte ihn Ulrich von Hutten. „„Es ist der berüchtigte Pfefferkorn."" „Ha, dieses Geschmeiß! Ich möchte mein neues Schwert nicht gern besudeln, sonst . . . ." „„Pst, bedenkt, wir befinden uns im Vorzimmer des Kurfürsten!"" „Ha", schrie Pfefferkorn, „ich werde dem Kurfürsten erzählen, daß Ihr den Bann gebrochen und mich in seinem Palaste bedroht habt. Man wird Euch Euren Kopf vor die Füße legen." Unterdeß saß Kurfürst Albert in seinem Gemache und las den „Brandspiegel" von Pfefferkorn. Es war dies eine schändliche Schmähschrift gegen die Juden und gegen Reuchlin. Die Ehre des größten deutschen Gelehrten wie seine wissen, schaftliche Bedeutung wurden darin auf das Schrecklichste angegriffen und die ärgsten Schimpfworte wurden gegen den Mann geschleudert, welcher sich der höchsten Achtung aller Wohlgesinnten erfreute. Noch viel heftiger griff Pfefferkorn in diesem seinem Pamphlete die Juden an; er forderte zu den grausamsten Verfolgungen gegen sie auf; man solle sie nicht tödten, über ihnen ihr Gut rauben und sie dann zu den niedrigsten Arbeiten verwenden, zum Straßen-Kehren und Heimlich-Gemach- Fegen; man solle ihnen ihre Kinder rauben und diese taufen lassen. Als der Kurfürst zu Ende gelesen hatte, rief er den dienstthuenden Kammerherrn herbei und sprach: „Schau, was ich jetzt thue!" *