Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 14-15 (2.4.1879)
- Date
- 1879-04-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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360 naix nid na Dn „Wie läßt die Thora den Einfältigen beim Anblicke der festlichen Gebräuche fragen?" nxi na „Was ist das?" sind alle seine Worte, und sie verrathen durchaus kein Bedürfniß durchdringender Erkenntniß, wie es der geistig Beanlagte auch dem unbekanntesten Gegenstände entgegenbringt, es liegt ein Staunen darin, wie es der Einfältige beim Anblicke eines noch nie gesehenen Dinges äußert. Das Wörtchen nx? schließt eine Hinweisung aus das an sich, was er mit seinem leiblichen Auge wahrnimmt, er sieht nur die Mazzoth, das Bitterkraut u. s. w., ohne daran zu denken, daß ein geistiger und geschichtlicher Hintergrund vorhanden sein müsse, denn sein Geist geht nicht weiter, als sein Auge, und dadurch kennzeichnet sich seine Einfalt. Wie sollen wir uns nun dem an gegenüber verhalten? Vielleicht verächtlich über ihn hinwegsehen, weil sein ungeschulter Geist nicht an unsere Gedankentiefe heranrcicht? Nein, auch er hat ein Recht in Israel, er darf seinen Theil vom geistigen Gemeingut der göttlichen Lehre fordern, und wir dürfen uns nicht vornehm zurückziehen. Freuen wir uns vielmehr, daß der Anblick unserer Gebräuche selbst stumpfe Geister anregt und ihnen den Weg zum Lichte bahnt. Und wenn wir ihn nun belehren wollet:, versteigert wir uns nicht höher, als wir seiner Fassungskraft Zutrauen könnelt, werfen wir nicht mit gelehrten Begriffen mn uns, die ihm nicht einleuchtcn. Unsere Antwort sei: D'nsaa 'n nx’sin *p p:rn „Mit starker Hand hat uns der Ewige aus Mizraim geführt." Daran knüpfen wir eine einfache geschichtliche Darlegung der Ereignisse, die dem Feste und seinen Satzungen als Grundlage dienen, und seine Wißbegierde wird befriedigt werden. Das anschauliche Geschichtsbild ohne gelehrte Begrisfstheilung und zeiträumliche Einfächerung wird in feinem für das Einfache empfänglichen Gemüthe einen unauslöschlichen Eindruck zurücklassen, besonders das t ptn im Walten des Höchsten wird ihn zur Bewunderung hinreißen, er wird sich gehobelt fühlen im Bewußtsein, durch dieses Fest und die gewissenhafte Ausübung seiner Gebräuche mit der Allmacht in geistige Verbindung getreten zu sein. Wenden wir uns nun ab von diesem immer noch wohlthuenden Bilde und fragen mit der Hagada: yttn noix xm na „Welche Worte legt die Thora dem in den Mund, der aus böswilliger Absicht forscht?" na aap nxin mnyn „Was soll Euch dieser Dienst?" Wer sieht nicht das höhnische Lachen, das bei den Worten um seine Lippen spielt: „Am Feste Eurer Freiheit", das läßt sich zwischen den Zeilen lesen „am Tage, der an das Weichen der Sclavenfesseln Euch erinnert, lasset ihr Euch die neue Kette dieser nniay auflegen, werdet ihr von lästigen Bestimmungen geknechtet am Tage Eurer Freiheit, erlöst, um nur wieder der Geistesfessel unterjocht zu werden!" moy „Knechtschaft" scheint diesem spöttischen Fragensteller jede berechtigte Anforderung des Judenthumö an seine Bekenner, Freiheit bietet ihm nur eine verdünnte Lehre, die mit erhabenen Redensarten sich begnügt und die „Werkheiligkeit" vom Standpunkte hoher Geistigkeit verachtet. Was gelten ihm Werke, wenn die Gesinnung nur edel und wortreich ist? Was ist in seinen Augen der kleinlich Gewissenhafte, der sich auf Schritt und Tritt erinnert, daß Freiheit ohne Beschränkung eine Unmöglichkeit ist, daß sie sich in'.Schrankenlosigkeit verliert? Wie tief unter sich sieht er nicht den, der mit der großen Vergangenheit seines Stammes nicht zu brechen wagt, damit die Zukunft desselben nicht verloren gehe? Wie bemüht ist er, eine recht weite Kluft zwischen sich und dem unbeugsamen Anhänger des Ueberlieferten zu dehnen, sich entfernt zu halten von den gottesdienstlichen Handlungen seines Volkes, denn wie könnte er es verantworten, wenn er bei Ausübung jüdischer Bräuche ertappt werde? Wo fände er dann einen Vertheidiger seines freien Sinnes gegenüber der Anklage der Dunkelmannssucht? Nichts darf an seine Abstammung erinnern, deren Kennzeichen unglücklicherweise sein Angesicht ist. „Was soll dieser Dienst 0:6 Euch?" Wie ein Außenstehender redet er also seine gesetzestreuen Stammesbrüder an, als ob er nicht zu ihnen gehörte. Und doch will er in entscheidenden Augenblicken Jude sich nennen lassen, doch glaubt er noch inmitten unserer „Haupt- und Stammeslehren" zu stehen, weil der in ihm noch nicht erstorbene sittliche Selbsterhaltungstrieb ihm den Namen „Jude" aufzwingt, dessen Lebensfähigkeit er kennt. Glaubt er mit hohlen Redensarten Jude sein zu können? Weit gefehlt! np'ya na? ^an ]0 jayy nx x’smic' ’DP. Sowie er sich aus der in jüdischem Sinne wirksamen Gemeinschaft durch sein vornehmes aad ausgeschlossen hat, leugnet er schon die „Haupt- und Stammeslehren" desJüdenthums, er verdient den Namen nicht mehr, den er doch nicht ganz ailfgeben möchte. Wie sollen wir uns nun ihm gegenüber verhalten? Sollen wir den durch Gründe zu überzeugen suchen, der in eitler Selbstüberhebung ein Sclave seines Dünkels, jeder Ueberzeugung spottet? Sollen wir eine Frage eingehend und ernsthaft behandeln, die nicht redliche Wißbegierde, sondern Spottlust zum Ursprünge hat? Vergebliche Mühe! Das Judenthum fängt keine Seelen, es begnügt sich mit getreuen Anhängern, seine Lehren stehen uns zu hoch, als daß wir sie zum Gegenstände eiteln Wortgezänkes machen sollten. Keine todten Glieder will Israel in seiner Mitte, die den lebenden nur schaden könnten. nx nnpn nnx P)xi, Stumpfe seinen Spott lieber ab, indem Du aus seinen Gedaltkengang eingehst, indem Du sprichst: 'nxrra 't> 'n ntyy nt noyn onsaa, „Um dieses Dienstes willen, den Du verspottest, hat der Allmächtige mir so Großes angethan, als ich aus Egypten zog." m "loya, um dieses nächtlichen Opfers willen, womit wir dem thierverehrenden Götzen-