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Der Israelit · 1879-03-26 · Heft 13 (26.3.1879) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 13 (26.3.1879)
Date
1879-03-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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335 der Burg Steckelberg in Hesse» geboren. Sein Vater sandte ihn nach Fulda in- Kloster; der junge Ulrich sollte Mönch werden. Aber sein Genius streubte sich dagegen. Unerwartet fand er einen Beschützer in dem edlen Eitelwolf von Stein, dem späteren Kurmainzifchen Kanzler. Time hoc ingenium perderes?*) fragte dieser den Abt und rettete den fähigen Knaben. Ulrich ging nach Erfurt, um hier unter ErbanuS HeffuS und Busch zu studiren. In Erfurt wurde der schon obenerwähnte Crotus sein Busenfreund, mit dem er später gemeinsam die Briefe der Dunkelmänner verfaßte. Beide gingen dann nach Cöln, wo sie aus eigener Anschauung die Dominicaner Arnold von Tongern und Hogstraaten verachten und verabscheuen lernten. Nachdem Hutten auf den Universitäten Frankfurt an der Oder, Greifswald, Rostock, Wittenberg und Wien feine Studien fortgesetzt hatte, wanderte er nach Italien, um dem Wunsche seines Vaters entsprechend, in Pavia und Bologna Jurisprudenz zu studiren; allein er fand an der Juristerei kein Gefallen, entzweite sich darob mit seinem Vater und gerieth ins Elend. So hatte ihn in Frankfurt am Main Rabbi Jofelmann gefunden und standesgemäß ausgerüstet. Jetzt ritten die Beiden mitsammen nach Mainz. Auf Rabbi Joselmann hatte die Nennung des Namens „Ulrich von Hutten" keinen Eindruck gemacht, denn der Jüngling war damals noch völlig unbekannt. Die Briefe der Dunkelmänner waren anonym erschienen, und Niemand hatte eine Ahnung davon, daß der junge Ritter Ulrich der hauptsächlichste Autor derselben war. Rabbi Joselmann gedachte daher zunächst, die Wahrheit der Worte seines Begleiters zu erproben. „Ihr habt, Herr Ritter", sagte er, „gestern davon gesprochen, daß Ihr dem jungen Kurfürsten einen Panegyricus." „ „ Panegyricum!" " fiel ihm sein Begleiter inS Wort, „einen Panegyricum gewidmet und übersandt habt. Wäret Ihr wohl so gnädig, mir einige Strophen daraus zu recitiren?" „„Versteht Ihr Latein?"" „Nur wenig." „„So muß ich's wohl, so gut eS geht, ins Deutsche übertragen. Ich will Euch die Strophen sagen, die sich auf das deutsche Vaterland beziehen : Vaterland, sei mir gegrüßt! an Biedermännern so fruchtbar, > Mutter herrlicher Söhne, die durch euere Thaten! Stet» die alten vermehrt, noch von -der Tugend der Vorzeit Je sich gänzlich entfernt — Du wirst in unfern Zeiten Deinen Vätern an Biedermutgleich — so lang Deine wogenden Ströme Ihren Quellen entflieh», so lang der Himmel Gestirne, Fische da» Meer, die Erde das Thiergeschlecht heget, Immer wirst Du stehen. wirst immer verherrlicht werden. Mutter, tapferer Söhne! Vließe liefert der Serer, Ebenholz der Jndierund Elfenbein; seinen Weihrauch Bringt der Sabäer, Balsam der Jude, Golderz der Tagus; Ihrer Smaragde freut sich die röthliche Thetis; der Lesber Lobt seine schäumende Becher, seine Pferde der Thrazer, Eisen liefert der Chaliber; Deutschland tapfere Männer! Nie gebrachs dem Heldenland an muthigen Kämpfern. Stimme den Jubelton an, Du edles Volk, und erhebe Hoch ein Freudengeschrei. Es wall' einher Dein Triumphzug Durch den wimmelnden Heerweg — Hebt das Haupt aus den Dächern! Jauchzet laut auf, Ihr Männer, Ihr Frauen und liebliche Mägdlein. Keinen halte das Alter, keinen die Scham ab! Gepriesen, Will sie werden von uns, die hehre Mutter, gepriesen. Siehe, dort kommt er einher, umschimmert von seinen Begleitern Jene Zierde des Landes, der theure Jüngling. — Die Wollust Seines jauchzenden Volks. — Auch Rhenus kommt und begrüßet Seinen König und Herrn. Nie war das Antlitz des Alten So voll Freude wie heut."" „Ihr seid ein großer Dichter", sagte Rabbi Joselmann, als der Ritter schwieg. „Und Ihr liebt unser schönes Vaterland." „„Unser, sagt Ihr? Betrachtet denn auch der Jude dies deutsche Land als sein Vaterland?"" „Gewiß, Herr Ritter. Sind wir etwa Einwanderer, die wir gestern erst von den Ufern des Jordan herbeigezogen sind? Seit einem Jahrtausend und länger bewohnen unsre Väter dies deutsche Land; hier sind die Gräber unsrer Ahnen. ') Möchtest Du wohl dies ^'eme verderben?

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