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Der Israelit · 1879-03-26 · Heft 13 (26.3.1879) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 13 (26.3.1879)
Date
1879-03-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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333 der Rede des Minister-Präsidenten wurde allgemein der Schluß der Debatte verlangt und die Abstimmung vorgenommen. Zuerst wurde der Antrag der Ausschuß-Minorität mit 71 gegen 33 Stimmen abgelehnt und alsdann der Antrag der Ausschuß-Majorität mit 71 gegen 19 Stimmen angenommen; zwei Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung, darunter N. Docan, welcher sich gegen die Revision des Artikels 7 aussprach. WaS die einzelnen Reden der Abgeordneten betrifft, so wurde in denselben manch interessantes und belehrendes Wort zu Tage gefördert, auch mancher Nonsens und mancher wüthende Ausfall gegen die Israeliten, der umsoweniger am Platze War, als ja selbst die Opposition für die Aufhebung des Artikels 7 der Verfassung stimmte. Ein Gedanke aus der Rede des Abgeordneten Titus Majorescu ist besonders hervorzuheben. MajoreScu machte darauf aufmerksam, daß Rußland den letzten Krieg nicht im Namen des Panslavismus unternommen habe, sondern im Namen der orthodoxen Religion, woraus dasselbe auch das Recht ableitete, den Frieden von San Stefano für Rumänien zu unterzeichnen. Die Anwendung dieses Religions.Prineipes sei in Bezug auf Rumänien ebenso falsch als gefährlich. Die Rumänen bekennen sich zwar zur orthodoxen Religion, aber sie seien in erster Reihe ein lateinisches Volk und kein flavischeS. Auf dem Congreß von Berlin hätten die Völker lateinischer Race — Frankreich und Italien — zuerst auf der Gleichberechtigung aller Religionsbekenntnisse in Rumänien bestanden; Fürst Gortschakow allein sei gegen dieses Verlangen aufgetreten. Rußland habe damit daSReligions - Princip vertreten, während Frankreich, Italien und England das NationalitätS - Princip festhielten. Rumänien aber müsse sich dem letzteren auschließen, wenn seine Nationalität nicht im orthodoxen Slaventhum untergehe» solle. MajoreSeu hat mit diesen Auseinandersetzungen den schlimmsten und gefährlichsten Punkt in der Frage der Juden - Emancipation in Rumänien berührt; aber er hat den Gedanken nicht vollständig ausgesprochen, sonst hätte er geradezu sagen müssen, daß das Cabinet von Petersburg gegenwärtig im Geheimen aus allen Kräften gegen die Emancipation der Israeliten in Rumänien arbeitet, erstens weil es Wlt, daß der Juden-Emancipation in Rumänien die Emancipation der Juden in Rußland folgen muß, wenn letzteres in den Augen Europas nicht als der einzig in der Civilisation zurückgebliebene Staat dastehen will; zweitens weil es nicht mit Unrecht in den Israeliten Rumäniens ein Element erblickt, dessen Eindringen in das Slaventhum ihni bedenklich und gefährlich erscheint; umsomehr, als es den Gedanken nicht aufgegeben hat, Rumänien dem großen orthodoxen Slavenreich bei günstiger Gelegenheit einzuverleiben. Zahlreiche Agenten Rußlands haben bereits begonnen, die rumänische Bevölkerung, besonders in der Moldau, gegen die Emancipation der Juden aufzuhetzen, damit aus ihrem Lande, wie die beliebte Redensart lautet, „kein Palästina werde." Daß solche Wühlereien bei dem ungebildeten Volke aus einen fruchtbaren Boden fallen, kann nicht Wunder nehmen, und es läßt sich voraussehe», daß dieselbe« die Wahlen zur Constituante nicht nur beeinflussen, sondern vielleicht blutige Kämpfe Hervorrufen werden. Aber nicht allein auf die rohe und gedankenlose Masse der Bevölkerung üben die russischen Wühlereien ihren Einfluß aus, sondern auch auf die Classe der Halbgebildeten und der Ehrgeizigen; denn diese erblicken in Rußland einen Rückhalt, welcher ihnen den Muth geben wird, gegen die Conferenzbeschlüsse der übrigen Mächte Opposition zu machen. Europa, so ziehen sie den Schluß aus den Erfahrungen der letzten Jahre, wird es nicht wagen, seine Beschlüffe in Rumänien mit Gewalt durchzusetzen, aus Furcht vor Rußland. e. w. Frankreich PckkiS (Monatsbericht (Februar) der All. Jsr. Univ.) (Fortsetzung.) 1. Vier Israeliten des Dorfes Ostrowo in der Dobrudscha, HH. Joseph Abr. Hillel, Sal. Grünberg, Abr. Sabety und Joseph haben am 4./10. Jan. o. von dem neuen Administrator des Bezirks Silistria-Nona, H. Sonst. PorfiriadeS, die Ordre erhalten, sofort ihre Läden und Häuser zu verlassen und mit ihren Familien fortzuziehen, wohin es beliebe. Um Zeit zu gewinnen, baten dieselben anfänglich um Aufschub wegen der Strenge des Winters (15 Grad Kälte) und wegen der in Folge der Schneemaffen unterbrochenen Verbindungen; da jedoch der Administrator nichts berücksichtigen wollte und ihre sofortige Abreise forderte, verweigerten sie schließlich den Gehorsam, indem sie die Vorzeigung einer ministeriellen Ordre verlangten, worauf H- PorfiriadeS sie als Rebellen erklärte und von Gendarmen ins Gefängniß führen ließ; hier brachten sie die Nacht in Gesellschaft deS Dorfpopen und einiger benachbarten Bauern zu, die ihnen aus Dankbarkeit zugethan sind. Der Zufall wollte, daß in der Nacht der Major Cociutoresco mit seiner Truppe ankam; sofort gingen ihn die jüdischen Frauen an; H. PorfiriadeS wurde vorgeladen und die Verhafteten in Freiheit gesetzt. 2. DaS Gesetz über das Tabaksmonopol wird

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