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Der Israelit · 1879-03-19 · Heft 12 (19.3.1879) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 12 (19.3.1879)
Date
1879-03-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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311 Tag früher per Postkarte, ihm für den Tag ein Mittag- oder Abendessen zu reserviren. Um zu bewirken, daß derartige freundliche Leute bekannt werden, wende ich mich an Sie, Herr Redacteur, um die Bitte auszusprechen, öffentlich die Aufforderung ergehen zu lassen, daß solche Leute ihre Adressen Ihnen überschicken, die Sie dann unentgeltlich im Annoncentheile Ihres gesch. Blattes veröffentlichen wollen. Ich zweifle keinen Augenblick daran, daß dadurch mancher ~»D'K unterbleiben würde; der Zustimmung des „Israelit" in dieser Sache halte mich im Voraus versichert.*) N. N. England. London, 27. Febr. Im Unterhause antwortet Unterstaatssecretär Bourke Odonnell, die Regierung habe die bulgarische Verfassung noch nicht erhalten, daher noch keine amtliche Kenntniß von deu Bestimmungen. Allein in Betreff der Religionsfreiheit bestimmt Artikel Y. des Berliner Vertrages als Basis die religiöse Freiheit und die Freiheit der ReligionSübung aller Einwohner Bulgariens. Amerika. Gouverneur Vance hat den einzigen Juden im Zuchthause von Nord * Carolina begnadigt. Derselbe war wegen Tvdtschlags zu zehn Jahren verurtheilt worden. Der Gouverneur bemerkte aus dem betreffenden Erlasse: „Es macht mir Freude, aussprechen zu können, daß ich diese Begnadigung als schuldige Anerkennung der guten, mit dem Gesetz fast nie in Conflict gerathenen Aufführung unserer jüdischen Mitbürger unterzeichne, da dies der erste schlimme Fall ist, der von einem aus ihrer Mitte jemals zu meiner Kenntniß gelangt ist." Fe n illeton. Zakobine. Ein Lebensbild. Von Ifriedrich Uott. XXII. Und während die Mutter daheim in unsäglicher Verzweiflung die Hände rang, schlummerte die Tochter sanft und süß in den weichen Flaumen¬ *) Wir empfehlen diesen Vorschlag auf das Angelegentlichste. Die Red. betten und wußte sich zu überreden, daß die Mutter ihr dereinst ihren Leichtsinn danken werde. Jakobine schlief gut und lange; als sie erwachte war es bereits Tag. Daheim bei der Mutter hatte sie rasch daS Bett verlassen müssen, um die Morgenarbeit zu beginnen, und wie oft hatte die Mutter sie gezankt, wenn sie nur noch ein Viertelstündchen nach dem Erwachen hätte ruhen wollen. — Aber hier, wie war hier Alles so schön und so herrlich, und wie angenehm, die schöne Morgenstunde in den schönen Betten zu verträumen. Aber allmählich ward ihr die Zeit doch recht lang im Bette; sie sehnte sich, es zu verlassen, um wieder ihre prächtigen Kleider anzulegen. Heute sollte sie ein hohes schwarzes Cachemir-Kleid tragen; die Gräfln hatte es am gestrigen Abend so bestimmt, aber sie hatte gleichzeitig befohlen , Jakoorne dürfe das Bett nicht verlassen, bevor die Zofe nicht komme, sie anzukleiden. Und so mußte sie denn ihre Ungeduld bezwingen und das Mädchen erwarten. Aber sie ward auch belobt für ihre Geduld; Lisette verstand es doch noch weit besser als sie selbst, ihr die schönen Kleider anzulegen, und ihre heutige Toilette, so einfach sie war, war doch noch eleganter als die Tags zuvor, und wie prächtig das goldene Kreuz auf dem dunkeln Stoffe sich abhob und wie die Steine funkelten und wie die Zofe ihr schönes Haar bewunderte. Aber Jakobine ließ sich nicht verleiten, mit ihr zu plaudern; die Gräfin hatte es verboten, und sie wollte ihr gehorchen in Allem. Als ihre Toilette beendet, ward ihr das Frühstück gebracht; sie fragte nicht, woraus es bestand; es war gut und sie ließ es sich munden. Dann ward sie zur Gräfin gerufen. Schüchtern und doch schon etwas zutraulicher küßte sie der Gräfin die Hand. Die alte Dame streichelte ihr freundlich die Wangen. „Du hast gut geschlafen, das sieht man Dir an; aber liebes Kind, hast Du auch schon gebetet?" Jakobine verneinte erröthend. „Ich dachte es mir und habe Dich deßhalb rufen lassen. Komm', wir wollen gemeinschaftlich die Morgenandacht verrichten." Sie erhob sich, nahm Jakobine an der Hand und führte sie an das entgegengesetzte Ende des Zimmers, wo unter dem Bilde des Stifters der chr. Religion ein Betfchemel sich befand. „Komm' liebes Kind, beuge Dein Knie vor Deinem Schöpfer." Die alte Dame sank in die Knie und zog auch das kleine Judenmädchen mit^sich nieder.

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