Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1879)
- Date
- 1879-03-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XX. Jahrgang. Erke Leilage zu Nr. 12 -es Israelit. Leitendes Artikel. Die Israeliten in der Krim. VII. Die jüdischen Bräuche der Krimtschaken. Wenn für dieselben die rabbinische Lehre auch in allen religionsgesetzlichen Observanzen als Norm dient, so haben sie dennoch viele Bräuche, die eine besondere Aufmerksamkeit verdienen, sowohl wegen ihres hohen Alters als auch wegen ihrer selbst, da sie vielfach unfern anderwärts wohnenden Brüdern zur Beachtung empfohlen zu werden verdienen. Es soll jedoch nicht in Abrede gestellt werden, daß sich auch alberne Gebräuche bei ihnen eingeschlichen haben, doch das kommt auch bei unseren Glaubensgenossen in Rußland, Polen, Galizien, Rumänien und der Türkei vor, und vielleicht in noch höherem Grade als bei den Krimtschaken. Wie alle Juden erziehen sie ihre Kinder schon in zartester Jugend für die Thora und die practische Ausübung ihrer Pflichten. Ihre Lehrer unterrichten 20—30 Schüler durchschnittlich und beginnen den Unterricht mit der Lectüre des Gebetbuches. Obwohl die Lehrer nur ein geringes Wissen haben, so lernen die Knaben doch ihr Pensum in sehr vortrefflicher Weise. Wunderbar ist, daß die Knaben, obwohl ihre Lehrer jedes grammatischen Wissens baar sind, mit einer so präcisen Sorgfalt lesen, daß der Hörer glaubt, es geschähe nach den genauesten grammatischen Regeln. Ebenso lernen sie auch die heiligen Schriften in ihre Sprache übertragen, aber kaum ist der Knabe erwachsen, so muß er eine Profession zu seinem Lebensunterhalte lernen. Die Knaben besuchen meistens nicht v»r dem 13. Jahre die Synagoge, erst wenn sie Tephilin zu legen anfangen, stellen sie sich daselbst ein und hüllen sich von da ab auch in den Talith. Die jungen Leute verheirathen sich nicht allzufrüh, so lange sie nicht die Mittel besitzen, eine Frau zu ernähren, daher kommt es auch, daß wenn sie durchschnittlich auch nicht reich sind, es andererseits auch keine Bettler bei ihnen gibt. Auch beeilen sich die Eltern nicht, ihre Töchter zu verheirathen, bevor sie erwachsen sind und das nöthige | Verständniß für ihre FrauenpflichteR haben. Be-; sonders anzuerkennen ist es, daß sie ihre elterliche! Autorität niemals dazu mißbrauchen, ihre Kinder i zu einer Heirath zu veranlassen ohne deren vollständiges Einverständniß. Die Verlobung gilt bei ihnen bereits als vollständig unauflösbare Verbindung. Jeden Freitag schickt der Bräutigam seiner Braut eine bestimmte Summe, die nicht unter 20 Kopeken betragen darf, für Toilettengegenftände. Dagegen schickt die Braut jeden Freitag warme, mit Fleisch und sonstigen S. eisen gefüllte Kuchen (zur Erinnerung an das Manna) Dem Boten ist hierfür eine kleine Vergütung zu geben. Dieselbe wird auch entrichtet, wenn sonst Jemand einem Anderen am Freitag Nahrungsmittel als Geschenk überschickt, selbst wenn der Ueberbringer ein ganz reicher Mann ist. Die Chuppoh nehmen sie immer in der Frühe mit Tagesanbruch vor. *) Vor der Chuppoh begibt sich die Menge, während es noch dunkle Nacht ist, mit lauter Musik in das Haus des Bräutigams, um izn von da zur Braut abzuholen. Bevor man im Innern des Hauses angelangt ist, läßt man den Bräutigam im Hofe stehen und umtanzt ihn mit aller Lebhaftigkeit, dann erst bringt man ihn in's Haus. Dort verweilt man ungefähr 1—2 Stunden, bis die Braut ihre Hochzeitstoilette beendet hat. Bei dieser Gelegenheit wird der Braut die ganze Stirne mit Kalk bestrichen, um die Haare über den Augenbrauen zu entfernen. Dann wird die Stirn mit Ofenruß geschwärzt und Blumen und Blüthen werden hinein gemalt, während die weiß gebliebenen Stellen mit Goldpapier verklebt werden.2) Alsdann bringt man die Braut in's Haus des Brautpaares und verbringt daselbst den Rest der Nacht mit lauter Heiterkeit, bis der Morgen graut. Jetzt werden beide in den Sy* 1» Ter Vers, weist an anderer Ttelle darauf hin, daß sich bei den ,'i. noch uralte jüdiscbr Titten und Brauche aus der Zeit des Tempels hier erhalten haben. Tollte vielleicht die srühwitige. mit Tagesanbruch stattfindende Chuppoh auch unter diese Bräuche gehören? In diesem Falle würde der Vergleich der ausgehenden Tonne mit einem aus dem Chuppozelte hervortretenden Bräutigam in Ps. IX. v durch eine sehr zutreffende Paralelle bereuüert werdeir. 21 Treffend weist tnn daraus hin, das; das jesaianvck'e -psn DUff1? dieser Procedur entspreche. < Berglauch mrp {wa 'd 3. 52.