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Der Israelit · 1879-03-19 · Heft 12 (19.3.1879) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 12 (19.3.1879)
Date
1879-03-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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303 muß, bei der die Bildung nicht zur Schwächung desselben hat beitragen können. Im Jahre 1872 erschien bei Teubner in Leipzig eine in vieler Beziehung höchst beachtenswerthe Schrift „Ueber nationale Erziehung" *). Der Tenor des ganzen Buches läßt nicht allein auf einen hochgebildeten Verfasser schließen, sondern auch auf einen Mann feiner Sitte und gesellschaftlicher Tournüre. Die Sprache ist besonnen, edel und gewählt. Nichts ist da von dem Polternden und Verletzenden eines Fanatikers, der für die entgegengesetzte Anschauung Anderer nur Spott und Hohn hat. Ein vornehm freiheitlicher Geist, der mit vielem Hergebrachten und Gewohnten bricht, durchweht das Ganze. Aber dieser freiheitliche Geist weht uns Moderduft in Bezug auf die Freiheit, deren der Jude sich erfreuen soll, entgegen. Hat man es als einen Sieg in Bezug auf die Gewissensfreiheit zu verzeichnen gehabt, daß der Jude auch als Lehrer in die vom Staate gegründeten Schule zugelassen wird, so will der Verfasser jetzt, da Deutschland geeinigt ist, ihn vom Lehramte ausschließen, weil vor allem eine nationale Erziehung angestrebt werden müsse, der national-deutsche Standpunkt aber ein christlicher sei. Denn um national zu erziehen, müsse der Lehrer seine ganze Persönlichkeit einsetzen, daher könne ein Glied „jüdischer Nationalität", das mit den übrigen Gliedern der deutschen Nation infolge seiner konfessionellen Eigenthümlichkeit doch nicht „auf ganz gleichem Boden der Cultur" stehe, nicht als Lehrer in den höheren Schulen wirken. Dürfe man auch Schülern jüdischer Confession die Aufnahme in die höheren Schulen nicht verweigern, so dürfe man doch durch Anstellung jüdischer Lehrer „den fremden Anschauungen in keiner Weise" Eingang in die deutschen Lehranstalten gewähren. Sollte sich aber das Bedürfniß Herausstellen, so sei der Staat oder die Stadt anzuhalten, Gymnasien für die Juden zu errichten, „tn denen die gelammte Bildung der Schüler aus national-jüdischer Grundlage und von Genossen der jüdischen Nationalität durchgeführt" werde. Bündiger kann wohl nicht der Gedanke, der Jude sei ein Fremdling, ausgedrückt werden. Noch fremder wird hier, der in Deutschland geborene, für Deutschland sich materiell und leiblich opfernde Jude angesehen als jeder Andere fremder Nationalität. Man wird sich nicht scheuen, einen Franzosen oder Engländer, wenn sein Wissen und Lehrgeschick ausreicht, als Lehrer an einer deutschen Schule anzustellen — der Verfasser genannten Buches spricht fich nicht * j Ueber nationale Erziehung. Vom Bert, der ./Briete über Berliner Erziehung." Leipzig. Teubner 1872. dagegen aus — aber ein deutscher Jude soll die! Schule als Lehrer nicht betreten dürfen. Der Jude ist fremd, so tönt es aus jeder Zeile, und hat man den Juden erst zum Fremden gestempelt, dann find mit diesen Rijchuß-Gedanken alle Schleusen des Rischuß bis zu dessen erschreckendsten Formen geöffnet. Was hat der Fremde hier zu thun? Was hat der Fremde sich herauszunehmen? Hat er uns Concurrenz zu machen, will er uns Gesetze geben? Soll ein Jude nicht einmal durch seine Geburt und seine Hingebung an das Vaterland nationalisirt werden, so ist es ja ein Leichtes ihn aller der Rechte verlustig zu erklären, die ihm die Neuzeit errungen hat. Wie gern der Verfasser die Ausscheidung der Juden aus der Nationalität sich vollziehen sehen möchte, beweist sein in dem unschuldigen Gewände den Juden Rechte einzuräumen erscheinende Vorschlag, Gymnasien für die jüdischen Schüler auf Siaatskosten zu errichten. Timeo Danaos et dona ferrentes. Als ein Radikaler ersten Ranges tritt Herr Loehnis mit einem zweibändigen Werke vor das lesende Publikum. Auf fast 2000 Seiten wird uns eine Art Encyclopädie alles Wissenswerthen geliefert und gegen Alles zu Felde gezogen, was an Positives im Glauben erinnert*). Bei so vieler Freiheitsbegeisterung und Lobpreisung des reinen Menschenthums sollten wir doch wohl berechtigt sein, auf volle Zustimmung zur Gleichstellung der Juden rechnen zu dürfen. Doch weit gefehlt! Bei Besprechung der Judenfrage excerpirt der Verfasser eine judenfeindliche Schrift, die es als einen Fehler hinstellt, daß man den Juden alle Rechte eingeräumt habe. Und so posaunt denn der Verfasser in die Welt hinaus: „Grundsätzlich feindlich gegen die moderne Staatsidee verhalten sich das Judenthum und der Klerus." Man weiß, was in unserer aufgeregten Zeit des „Culturkampfes" ein solches Wort bedeuten soll. Zwar weiß der Verfasser und mit ihm die Abhandlung, auf welche er sich beruft, nichts Nachtheiliges vom Judenthum zu erzählen; doch wir wollen über diesen Punkt nicht rechten , dem Verfasser war Judenthum und Judenheit eins, denn alle Beweisführung mit ihren Scheingründen läuft darauf hinaus darzuthun, daß die Juden nicht fähig seien den Christen gleichgestellt zu werden, aber hören wir den Verfasser selbst: „Eine unbefangene Würdigung des jüdischen Lebens thut dar, daß die Bekenner des Judenthums andern Staatsbürgern nicht nachstehen und durch ihre Glaubensvorfchrif- * l Unterricht, Erziehung und Fortbildung. Ein Buch für Aeliern. Bon H. Löhnis. 2 Bände. London, siegle. 1875 und 1876.

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