Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1879)
- Date
- 1879-03-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XX. Jahrgang. Erstr Seilagt zu tlr. 11 des Israelit. Leitender Artikel. Pie Israeliten in der Krim. VI. Die Krimtschaken. Die ursprünglichen, von den bisher geschilderten Karäern vollständig verschiedenen jüdischen Einwohner der Halbinsel Krim sind die Krimtschaken. Ueber die Zeit ihres Aufenthalts auf der Halbinsel ist nur wenig Zuverlässigebekannt. Aus aufgefundenen Grabsteinen ergibt sich, daß zur Zeit der Chaschmonäer jedenfalls schon Krimtschaken hier sich angesiedelt hatten. Ob dieser Name „Krimtschaken" erst aus der russischen Aera oder noch aus der Zeit stammt, in welcher die Tataren die Herrschaft über die Halbinsel inne hatten, läßt sich nicht ermitteln. Das Wort bedeutet in der tatarischen Sprache: die Alten der Krim. Es ist über diese unsere Glaubensgenossen nur sehr wenig, ja geradezu gar Nichts bekannt, vielfach weiß man sogar von ihrer ganzen Existenz nichts. Der Verfasser des uns vorliegenden Buches ist der Erste, der mit großer Mühe Forschungen über diese unsere Brüder anqestellt, und dieselben zur weiteren Anregung veröffentlicht hat. Herr Deinard schreibt: In -ixt«:nD*os<F, einem inmitten der Halbinsel Krim amKarasu-Fluß gelegenen, allseitig von Bergen umschlossenen Orte, leben ca. 700 jüdische, rabbinische Familien, welche mit ganzem Herzen an der mündlich überlieferten Thora festhangen. Diese Juden sprechen die tatarische Sprache, oder richtiger die Tschagadai»Sprache, wie sie von ihnen genannt wird. Es ist dies nicht das reine Tatarisch. wie eS die Tataren und Karäer sprechen. In ihren häuslichen Verrichtungen, im Essen, Trinken und in allen sonstigen Aeußerungen d*s täglichen Lebens haben diese Juden vollständig die tatarischen Sitten angenommen. was bei einem Aufenthalt von mehreren hundert Jahren unter den Tataren nichts Befremdendes hat. In religiösen Angelegenheiten richten sie sich jedoch vollständig seit ältester Zeit, so weit uns bekannt ist, noch den Aussprüchen der Gaonim und der ältesten PoSkim. Ihre Gebete entsprechen den I von den Gaonim überkommenen und erst im Laufe der Zeit haben sie die rumänische Gcbetordnuug angenommen (rp:on hdu). AuS einem handschriftlichen im Besitze des Herrn Deinard befindlichen Gebetbuche ergibt sich, daß sie Gebete haben, welche von allen heutzutage bekannten verschieden sind. Das Titelblatt lautet: '•Di «cd p"p injos omp 'nb nDcrn no Als jedoch die von Kiew und anderen Gegenden vertriebenen Juden nach der Krim kamen, um sich dort, wo sie sich vor allen Verfolgungen sicher wußten, dauernd anzusiedeln, da kam es in Betreff des GebetrituS zu Meinungsverschiedenheiten. Die Einen wollten die bisherigen alten hergebrachten Formen beibehalten, während die Anderen den aus ihrer Heimath mitgebrachten Ritus einführen wollten, zumal sich hervorragende Gelehrte unter de« Eingewanderten befanden. So machten sich nun drei verschiedene Arten von Ritus geltend, der althergebrachte babylonische, der rumänische und der deutsche, bis man endlich dazu schritt, besondere Bethäuser zu erbauen. Da veranstaltete der miteingewanderte Rabbi Mofcheh (non: -iS-,« -iCD byi npy1 vdd nr£ '-) eine allgemeine Versammlung, in welcher festgestellt wurde, daß für das gesammte Ritualgesetz, sowie für Eheschließungen, Scheidungen, rc. die Decisionen des R. Moses Jsserles (n"d-i) maßgebend sein sollten; hinsichtlich des Gebets jedoch solle es bei dem rumänischen Ritus sein Bewenden haben. Als später t>i<? "-i«n nuio allgemein bekannt wurden, fanden sie auch hier bereitwillige Aufnahme. Auch richteten sie nach Bekanntwerden der Buchdruckerkunst eine hebräische Druckerei ein, aus welcher jedoch größtentheils nur Gebetbücher hervorgegangen sind. Die hier domicilirenden Juden sind durchgehendS gotteSfürchtig und gesetzestreu und erweisen sich als streng rechtliche Charaktere im socialen Verkehr. Apostaten gibt es gar keine bei ihnen, hervorragende Gelehrte ebensowenig, auch im jüdischen Schriftthum Bewanderte sind nur spärlich vertreten. Hohe Anerkennung verdient der feit nun 8 Jahren dort wirkende sephardische Rabbiner, Chiskiah Chaim Medini aus Jerusalem. Die Zeit genau anzugeben, seit welcher Krimtschaken in -wtndidsonp wohnen, ist unmöglich. Auf Grund aufgefundener handschriftlicher Auf-