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Der Israelit · 1879-03-12 · Heft 11 (12.3.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 11 (12.3.1879)
Date
1879-03-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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280 Die Aufmerksamkeit des Domcapitels lenkte sich auf den jungen Markgrafen Albert von Brandenburg. Die Prinzen aus der in Brandenburg regierenden Linie der Hohenzollern waren in damaliger Zeit sehr kirchlich gesinnt; einer derselben, Domherr zu Bamberg und Domprobst zu Würzburg, lebte als Kämmerling des Pabstes Leo X. am päbstlichen Hofe; der älteste Bruder Alberts, Kurfürst Joachim I. von Brandenburg, hatte vor wenigen Jahren, wie wir bereits oben berichtet, 38 der Hostienschändung beschuldigte Juden auf dem großen Neumarkte zu Berlin verbrennen lassen und die übrigen Juden aus seinen Staaten vertrieben. Diese Thatsache allein gereichte seinem Bruder Albert bei dem von den Cölner Dominicanern beherrschten Mainzer Dom-Capitel zur besten Empfehlung, und als nun Kurfürst Joachim sich erbot, die Palliengelder für seinen Bruder vorzulegen, da unterlag es keinem Zweifel mehr, wie die Wahl ausfallen würde. Am 9. März 1514 wurde Markgraf Albert von Brandenburg einstimmig zum Erzbischof und Kurfürsten von Mainz erwählt. Viele Hindernisse standen seiner Wahl entgegen. Zuerst der Widerstand des Kaisers, der es sehr ungern sah, daß zwei Brüder im Rathe der Kurfürsten Sitz und Stimme haben sollten; zweitens zählte Albert damals 24 Jahre, während er erst zu 30 Jahren zu einer so hohen priefterlichen Würde wäre berechtigt gewesen; drittens durfte nach kanonischem Rechte ein Priester nicht zwei Diöcesen verwalten; Albert war aber nicht allein schon Administrator des Bisthums Halberstadt, er war auch schon Erzbischof von Magdeburg; er erhielt also mit seiner Wahl zum Erzbsichof von Mainz eine Diöcese und zwei Erzdiöcesen — ein bis dahin unerhörter Vorgang. Daß Albert von Brandenburg dennoch Kurfürst von Mainz wurde, war eine sichtbarliche göttliche Fügung, und die zwei geheimen Bedingungen, die er eingegangen, die Zahlung der Palliengelder aus eigenen Mitteln und die Vertreibung der Juden aus den kurfürstlichen Staaten und den benachbarten Ländern, sollten von den Judenfeinden ungeahnte, in die Weltgeschichte mächtig eingreifende Folgen haben. Schon im ersten Jahre seiner Regierung sandte der neue Kurfürst Briefe an die benachbarten Städte und Fürsten, daß sie mit ihm ins Einvernehmen treten möchten, um gemeinsam alle Juden zu vertreiben. Zugleich aber sorgten die Dominicaner für einen Ersatz der durch die Judenvertreibung ausfallenden Steuern, und diesen Ersatz sollten die Ablaßgelder bieten. Der Dominicaner Johann Tetzel wurde von Kurfürst Albert beauftragt, umherzureisen, über den Ablaß zu predigen und die Ablaßgelder einzucassiren; die Hälfte dieser Gelder sollte nach Rom, die Hälfte in die kurfürstliche Kasse abgeliefert werden. Das war der Anlaß, daß Dr. Martin Luther seine so berühmt gewordenen Thesen am 31. Oct. 1517 an die Schloßkirche zu Wittenberg anschlagen ließ, wodurch die große Trennung in der Kirche bewirkt und die Reformation ins Leben gerufen wurde. Unterdeß nahm das Verfahren gegen die Juden eine bedrohliche Gestalt an. Am 6. Januar 1516 versammelten sich in Frankfurt a. M. die Abgesandten des Kurfürsten von der Pfalz, der verwittweten Landgräfin von Hessen-Darmstadt, des Landgrafen von Hessen-Hanau, des Landgrafen von Hessen-Hanau-Babenhausen, des Grafen von Isenburg, des Grafen von Nassau-Wiesbaden, des Grafen von Solms, des Burggrafen von Friedburg (heute Friedberg) und Amtheyem, des Burggrafen von Gelnhausen, der freien Reichsstädte Worms und Frankfurt a. M. (letztere vertreten durch Dr. Adam Conrad Scheydt, Klaus von Ruüingen und Hehler Steynhayner), sowie Graf Michael von Wertheim, in eigener Person, und die Vertreter des Mainzer Domcapitels. Nur Hessen-Hanau und Fulda stimmten für die Beibehaltung der Juden, ersteres ohne Angabe von Gründen, letzteres, weil die Juden aus dem Hennegauischen und andern benachbarten Ländern doch ins Fuldaische kommen würden, ihre Geschäfte zu betreiben, der Abt also nach wie vor Juden im Lande haben würde, ohne die Steuern derselben beziehen zu können. Da demnach die Majorität der Vertreter sich für die Vertreibung der Juden erklärte, so wurde von Kurmainz beantragt, sofort endgiltige Entschließungen zu treffen. Allein viele der Anwesenden wünschten doch zunächst ihren Fürsten über die allgemeine Stimmung Bericht zu erstatten, und man beschloß am Sonntag nach Jnvocavit (8. März) aufs Neue in Frankfurt a. M. zusammen zukommen und dann sich gegenseitig zur Vertreibung der Juden zu verpflichten. (Fortsetzung folgt.) Hierzu vier Beilage«. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. GottSleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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