Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1879)
- Date
- 1879-03-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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278 England. London, 4. März. Die vereinigten Comitßs des anglo-jüdischen Vereins und des Deputirten-Büreaus haben gesten unter dem Vorsitz des Baron Henry de Worms eine Versammlung abgehalten, um sich über die Schritte zu verständigen, welche Angesichts des Widerwillens der rumänischen Regierung, die Bestimmungen des Berliner Vertrags, in Bezug auf die bürgerlichen und religiösen Rechte der rumänischen Juden, zur Ausführung zu bringen, sich als nothwendig erweisen dürften. Baron H. de Worms theilte mit, daß er vom Marquis de Salisbury einen Brief erhalten habe, aus welchem sich klar ergebe, daß die Regierung fest entschlossen sei, den Berliner Vertrag in seiner Totalität zur Ausführung zu bringen. Besagter Brief lautet: „20 Arlington Street 2. März 79. Mein lieber Baron H. de Worms! Ich habe soeben Ihren Brief erhalten und beantworte denselben unverzüglich. Die Politik Ihrer Majestät Regierung bezüglich der religiösen Freiheit in Rumänien ist dieselbe geblieben, die sie in Berlin war. Wir werden alles in unserer Macht thun, um die volle Ausführung des Vertrags in dieser wie jeder andern Hinsicht zu sichern. Ich verbleibe rc. Salisbury." Das Meeting drückte seine hohe Befriedigung über diese erleuchtete Politik aus, welche das Prinzip bürgerlicher und religiöser Freiheit gegen fanatische Intoleranz hoch halte. Amerika. Newiyork, 13. Febr. Unter dem Titel „Jüdische Colonien" schreibt der „Louisviller Anzeiger": „Erwähnenswerth ist eine besondere Auswanderungsbewegung, welche sich den Zweck gesetzt hat, den namentlich im Osten und Süden Europas in sehr gedrückter Lage lebenden Juden den Weg nach den Ver. Staaten zu bahnen und dieselben womöglich in großen Colonien im Westen und Süden anzusiedeln. Die Sache kam zuerst im vorigen Juli in der Jahresversammlung der isr. Religionsgemeinden in Cincinnati zur Sprache. Es wurde ein Comits zur Prüfung dieser Fra^e ernannt, und dasselbe hat einen Bericht an das Executiv-Comiiö der Union eingereicht, in welchem es heißt: „Nach unserer Ansicht besteht die wahre Emancipation der Juden in der lebhafteren Einflößung des Geistes der Mannhaftigkeit und der Selbstständigkeit, welche dadurch am besten erzielt werden kann, daß man die große Masse der Israeliten in Ost- und Süd -Europa veranlaßt, Ackerbauer und Handwerker zu werden. Die Millionen von Aeckern, die noch immer in unserem Lande unbebaut liegen, bergen unzählige Reichthümer für den fleißigen Landmann in ihrem Schooße, und für Millionen von Juden würde die Unabhängigkeit des Ackermanns die wahre Emancipation aus alter Knechtschaft sein. Für unser Land, für unsere Brüder in der ganzen Welt und für die menschliche Gesellschaft im Allgemeinen würde es höchst vortheilhafl sein, wenn sich willige Hände und tapfere Herzen zu einer Unternehmung verbänden, welche wesentlich die großen socialen Fragen der Gegenwart berühren würde. Ein solches Werk kann mit Leichtigkeit durch Zusammenwirken mit unseren Schwester-Gesellschaften in Europa — der isr. Alliance und ihrer deutschen Zweigvereine, dem Board der englischen Deputirten und anderen ausgeführt werden. Der Board der Delegaten für bürgerliche und religiöse Freiheit soll beauftragt werden, über diese Vorschläge zu berathen, um unter den Juden in Europa die Ansiedlung als Ackerbauer im amerikanischen Süden und Westen zu agitiren und die Executive der Union soll ermächtigt sein, Schenkungen von Land und Geldern für diesen Zweck anzunehmen und zu verwalten." Feuilleton. Aabbi Ioselmann von Uosheim. Eine historische Erzählung. XXXIV. Pfefferkorn war nach Cöln zurückgckehrt und war von seinen Brodherren, den Dominicanern, nicht eben freundlich empfangen worden. Der Anschlag gegen Rabbi Ioselmann war mißglückt, und die Briefe der Dunkelmänner hatten das Ansehen der Dominicaner in ganz Europa untergraben. In erster Linie richtete sich ihr Zorn gegen Reuchlin, der aber in dem Kurfürsten von Mainz einen zu mächtigen Beschützer hatte. Da ersann Pfefferkorn einen teuflischen Plan. Er hatte erfahren, daß Kurfürst Uriel sehr jähzorniger Natur war, daß ihm sein Arzt jede Aufregung aufs Strengste untersagt habe, weil sie dem Leben des hohen Herrn ein plötzliches Ende bereiten könne. Auf diesen Umstand hin unternahm er es, den verhaßten Kirchenfürsten zu beseitigen. War einmal das Kurfürstenthum von Mainz erledigt, so konnte es leichtlich mit einem den Dominicanern ergebenen Fürsten besetzt werden; dann konnte man Reuchlin und seinen Freunden den Proceß machen und sie zum Feuertode verdammen; dann konnte man jede