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Der Israelit · 1879-02-26 · Heft 9 (26.2.1879) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 9 (26.2.1879)
Date
1879-02-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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219 europäischen Ministern steht, wird sich in vorkommenden Fällen nicht entziehen können, Untersuchungen anzustellen und über Dinge, die ausschließlich in sein Ressort gehören, Aufklärungen zu geben. Feuilleton. Kabbi Zoseünann von "Mosheim. Eine historische Erzählung. XXXII. Das Neujahrsfest war herangek^mmen; bei Rabbi Joselmann hatten sich zehn jüdische Männer im Gefängnisse eingefunden, um mit dem Gefangenen gemeinsam zu beten. Dieser hatte das Schachariß vorgebetet, aus der Thora vorgelesen und wollte nun auch das Schofar blasen; denn er konnte Alles, wußte Alles, verstand Alles; auch hatte er eine wunderbar schöne Stimme und verstand es, zur Andacht zu erwecken. Bevor er das Schofar ergriff, sprach er zu den Anwesenden: „Meine Freunde, ich bin Euch zu besonderm Dank verpflichtet, daß Ihr zu mir ins Gefängniß gekommen seid. Dadurch aber versäumt Ihr die Deraschah des Rabbinen in der Synagoge; so will ich denn zuvor, ehe ich das Schofar blase, einige angemessene Worte zu Euch sprechen. Meine Lieben, es ist eine gar große, heilige Mizwah, die wir eben ausführen wollen. Wir blasen hier im Thurm das Schofar, und Gott hört's im höchsten Himmel, wie wir ja es aussprechen in der Tephilla: denn Du hörst die Stimme des Schofar und vernimmst die Teruah und Niemand gleichet Dir. Dieser Satz ist sehr schwer zu erklären; bei kaul Schaufar steht schaumea, bei teruah steht maasin — und deßhalb, weil Gott die Stimme des Schofar hört und die Teruah vernimmt, gleicht Ihm Niemand. Warum das Alles und welches ist der Zusammenhang? Seht meine Freunde: schaumea, hören, bedeutet ein Hören aus weiter Ferne, maasin. vernehmen, ist ein Hören in nächster Nähe; deßhalb rief Moscheh, der dem Himmel nahe stand, diesen mit haasinu an, die Erde aber, die ihm schon ferne war, mit weßischma; bei Jeschajah aber war es umgekehrt; den fernen Himmeln rief er „schimmeu!" zu und der nahen Erde: „wehasini!" Und nun höret mir genau zu. Die Chachm« Emmeß, die Kabbalisten, lehren uns, daß es eßer SephirauS, zehn Sphären gibt, und alle Sphären hat David im letzten Psalm aufgefordert Gott zu loben: Lobet Gott in Seinem Heiligthum — das ist die erste Sphäre; lobet Ihn in Seines Himmels Feste — das ist die zweite Spüre, lodet Ihn in Seinen Heldenthaten — das ist die dritte Sphäre; lobet Ihn nach der Fülle Seiner Größe — das ist die vierte Sphäre; lobet Ihn mit Schofar-Blasen — das ist die fünfte Sphäre. Dann werden die andern Sphären aufgefordert, von denen die letzte und zehnte „bezilzle teruah", das Schmettern der Teruah heißt. — Am Neujahrsfeste weilt Gottes Majestät in der Mitte der Sphären, bei der fünften, die da heißt teka Schofar; diese ist also Gott am nächsten, während die letzte, die zehnte, zilzle teruah, am entferntesten ist. Ich habe aber vorhin gesagt, daß schaumea ein Hören aus der Ferne, maasin , ein Hören aus der Nähe bezeichnet. Wir hören ein mächtiges Geräusch aus der Ferne, einen leisen Ton in der Nähe. Bei Gott ist es aber anders; Ihn stört selbst das stärkste Geräusch in nächster Nähe nicht, wie uns der Prophet Jeschajah erzählt, daß vor dem mächtigen „Heilig"-Rufen der Engel an Gottes Thron die Grundpfeiler der Welt erschüttert werden; und Er, der Allgegenwärtige, vernimmt auch unsre Stimme, wenn wir in weitester Ferne flüsternd unsre Gebete sprechen. Daher sagen wir: ki atto schaumea kaul schaufor, wiewohl teka schaufor die Sphäre in der nächsten Nähe Deiner Majestät ist, umaasin theruoh, wiewohl, zilzle teruoh die entfernteste Sphäre ist — und das kannst nur Du allein, in nächster Nähe welterschütternde's Geräusch ertragen, und auS weitester Ferne leises Flüstern vernehmen und deßhalb , weön domeh loch, gleicht Niemand Dir. — O, meine Freunde, selbst aus diesem Thurm, aus diesem Gefängniß, hört Gott unser leise gesprochenes Gebet, steigen die schwachen Töne unseres Schofar zu Ihm empor. Oloh Elohim bitruoh, Gott läßt sich gleichsam zu unsrer Sphäre, die da zilzele teruoh heißt, hernieder, um sich gleichsam mit unserm emporsteigendem Gebete, unsrer aufsteigenden Mizwoh zu erheben, haschem bekal Schaufor, bis Er, der Ewigseiende, der uns Unbegreifliche, wieder Seine Majestät walten läßt inmitten der Sphären, an jener Sphäre, die da teka schauphor heißt. So wollen wir denn hören die Schaufor-Töne mit heißer, ungestörter Andacht; sie sind Malochim, Engel, Boten, die wir emporsenden zu unserm Gotte, daß Er sich unser erbarme, und Er wird uns Seine Engel herniedersenden, uns zu schützen, uns zu befreien aus allen Aengsten und Nöthen!" Da öffnete sich die Thüre, und der Kerkermeister trat herein und sagte, daß er den Herrn

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