Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1879)
- Date
- 1879-02-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447797-2447807--15884-2471850- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
215 Literarischer Bericht. Die Angriffe des Heidenthums gegen! Juden und Christen in den ersten Jahr-! hunderten der römischen Cäsaren von vr. Jo öl. Breslau 1879, Schletter'sche Buchhandlung (E. Frank). Die zahlreichen judenfeindlichen Schriften, welche aus bekannten christlichen Kreisen gegenwärtig mit besonderem Eifer colportirt werden, lassen die Wahl eines Themars als eine durchaus glückliche erscheinen, welches das Gedächtniß an eine Zeit belebt. in welcher Juden und Christen noch einen gemeinsamen Gegner in der Literatur des Heidenthums hatten. Der glücklichen Wahl dieses Thema's steht die Behandlung desselben ebenbürtig zur Seite. Die Fülle neuer anregender Gedanken, die Verstrtheit des Autors in der einschlägigen Literatur; die treffliche Ordnung und Gliederung des reichlichen Materials in dem engen Rahmen eines einzigen Vortrags, sowie die gewählte überaus ansprechende Form des Ausdrucks, diese und andere Vorzüge vereinigen sich, um dieser Arbeit einen dauernderen Werth zu sichern, als man sonst Vorträgen dieser Art zuerkennen kann. Dies voll und ganz anerkennen, erfüllt uns mit um so größerer Genugthuung, als wir diese Anerkennung den literarischen Leistungen des Breslauer Rabbiners sonst nur selten so rückhaltlos entgegen bringen können. — Der gesch. Leser erinnert sich noch des vr. Joel'schen Gutachtens über die Sittenlehre des Talmud, das an dieser Stelle die verdiente Abfertigung gefunden ha:. Der Verf. hat es nicht unterlassen können, die extravagante, wahrheitswidrige Behauptung, daß die Sittenlehre des Talmud keine gesetzliche Kraft für uns Juden habe, auch in seiner vorliegenden Arbeit, wenn auch nur nebenher, einfließen zu lassen. (S. 17.) Es ist eine eigentümliche Wahrnehmung, daß ein Rabbiner bei der Besprechung und Beurtheilung lateinischer und griechischer Schriftsteller einen so besonnenen, richtigen Tact an den Tag legt, und für die simpelsten Wahrheiten kein Verständniß hat, sobald es sich um den Talmud handelt. Dem Vortrag sind noch beweisende Anmerkun-! gen beigefügt, die überaus reich sind an anregenden Bemerkungen, und durch ihre reiche Mannigfaltigkeit für die große Belesenheit des Verf. zeugen. —n. Berichtigung. Der „ Israelit" brachte vor einigen Wochen eine Recension des von dem em. Rabb. Des sauer in Budapest verfaßten Buches: nY?sn'? nnsD Obwohl das Buch in jener Recension nicht absolut günstig beurtheilt wurde, so sind doch mit Rücksicht auf die von uns vorausgesetzte löbliche Absicht des Verfassers die gemachten Ausstellungen, Plagiate, grobe Formfehler rc. nur in schonender Weise zur Sprache gebracht worden. Wir werden nun nachträglich auf eine überaus große Anzahl von Verstößen, die sich in dem Dessauer'schen Buche gegen D’pD'S' d"if vorfinden, aufmerksam gemacht. — Gleichzeitig wird uns mitgetheilt, daß in einem gedruckten Prospekt, welchen Herr R. Dessauer versendet, auf das belobende Urlheil des „Israelit" hingewiesen wird. Ja jenem Prosvect werden nrr einzelne, aus dem Zusammenhang gerissene Sätze jener Recension mitgetheilt, die bei dem Leser jedenfalls einen günstige, ren Eindruck erwecken, als es die Besprechung in ihrem vollständigen Zusammenhang thut. Wir sehen uns daher veranlaßt, dem nnso des Herrn R. Dessauer jede Anerkennung, die sich aus der früheren Besprechung etwa ableiten ließe, hiermit so lange abzusprechen, bis dessenJnhalt durch eine etwaige spätere Ausgabe mit unseren maßgebenden religionsgesetzlichen Bestimmungen in Einklang gebracht ist. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Stuttgart, 17. Febr. Einige Herren der Reformpartei haben sich erlaubt, in einem Circulare an ihre Gesinnungsgenossen die in Nr. 7 d. Bl. über Stuttgarter Zustände angeführten Thatsachen als grobe Entstellung zu bezeichnen, die nur den Zweck haben soll, den um das Judenthum hochverdienten (?) Hofrath, unter Hintansetzung der Wahrheit, aus seinem Amt als Kirchenvorsteher zu verdrängen. Daß Leute, die sich gern als die jüd. Elite der Stuttgarter Einwohnerschaft geriren, demHof-! und Gemeinderath so schnell beispringen, kann uns : nicht wundern, Mblosss oblige. Daß dieß aber auf Kosten der Wahrheit geschieht, mag Manchen