Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1879-02-19 · Heft 8 (19.2.1879) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 8 (19.2.1879)
Date
1879-02-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447797-2447806--15867-2471832
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

199 anders entscheidet, so daß dieKaräer, welche diese Subjectivität und Willkür in der Gesetzentscheidung ihrer geistigen Führer gewahren, weder den früheren noch den späteren Weisen Vertrauen entgegen bringen. So thut nun jeder Einzelne, was ihm in seinen Augen recht dünkt. Darüber jammert schon einer ihrer eigenen Gelehrten, R. Mordechai Sultanski, welcher, nachdem er sich in seinem Buche (Jalkut Joseph S. 16) sehr lobend über die Bräuche der Rabbaniten ausgesprochen hat, also fortfährt: -„Wir dagegen handeln in verblendeter Thorheit, hören und verlassen uns nicht auf die Entscheidung unserer Meister, sondern handeln Jeder nach Laune und Willkür. Selbst wer unwissend, roh und jeder Einsicht bar ist, gilt als Führer und Gelehrter, maßt sich an zu richten und zu entscheiden in Glaubenssachen- und man hört auf sein Urtheil. Daraus entstehen und erweitern sich die Ungeheuern Schäden, welche unseren religiösen und socialen Verhältnissen anhaften; wir haben keinen Weg, der zu einer Verbesserung unseres Glaubens und überhaupt zu unserer allgemeinen Vollendung führte. Eine Beobachtung unserer rabbinischen Brüder dagegen bestärkt meine Ueberzeugung von ihrer vorzüglichen Führung, selbst das, was bei ihnen nicht in der Ordnung ist, scheint nur vorübergehend und in der Exilirung in fremden Ländern begründet zu sein." Vor mehr als 700 Jahren hat der Verf. des Kusari das hierher gehörige treffliche Wort gesprochen: „Die Thora dringt überall auf eine Thora und ein Recht, die Karäer dagegen haben so viel Thora's wie Meinungen, und Jeder wechselt täglich seine eigene Meinung und mithin auch seine Thora." (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, 3. Febr. Der Nestor der jüdischen Gelehrten, Rabbi Bär Goldberg in Paris (rue des Rosiers 30), hat in Verbindung mit Herrn Adelmann ein höchst verdienstvolles Unternehmen begonnen. Herr Goldberg hat nämlich während seiner langen Gelehrten-Laufbahn viele werthvolle hebräische Manuscripte in Paris, Oxford und London copirt und beginnt nun, dieselben in monatlichen Heften zu ediren. Das erste Heft liegt unS vor. Dasselbe enthält drei sehr werthvolle Piecen; zunächst eine Reisebeschreibung des R. Elija von Pesaro — von Venedig nach Famaguste auf Cypern — aus dem Jahre 1563, nach einem Manuscripte der Pariser Nationalbibliothek; gerade jetzt besonders interessant, da Aller Augen auf Cypern gerichtet sind*). — Die beiden andern Piecen sind eine Response von Raschi, nach einem Oxforder Manuscript, und eine solche von Rabbenu Gerschom, dem Lichte der Diaspora (und n?un), nach einem Pariser Manuscript. — Der Preis für 12 Hefte soll 16 Frs. betragen. Wir wünschen dem jungen Unternehmen die allgemeinste Betheiligung und den besten Fortgang. Oesterr. - Ungarische Monarchie. Wien. Dem 25. Bericht des allgemein österr. isr. Taubstummeninstituts in Wien vom Jahre 1878 entnehmen wir: Die Ungunst der Zeiten hat die Sympathien, deren sich das isr. Taubstummen-Jnstitut seit seinem mehr als dreißigjährigen Bestände erfreut, nur im geringen Maße zu alteriren vermocht. Die Lücken, welche in den Reihen unserer unterstützenden Mitglieder, eine Folge sattsam bekannter Umstände, nicht ausbleiben konnten, wurden rasch durch andere Beitrittserklärungen ausgefüllt und zum großen Theile wieder ergänzt. Uns ist darin eine erfreuliche Genugtuung gewährt, daß die Bedeutsamkeit dieses Institutes, welche weit über diejenigen anderer Werke der Barmherzigkeit und Nächstenliebe hinausgeht, die Anerkennung, die ihm gebührt, auch gefunden hat. Die Taubstummen-Anstalt ist eine Heilanstalt, die vollkommene Genesung schafft, schlummernde Kräfte weckt, und sie gemeinnütziger Thätigkeit zuführt. Im abgelaufenen Schuljahre befanden sich in der Anstalt 110 Zöglinge, davon 69 Knaben und 41 Mädchen. Entlassen wurden 17, neu ausgenommen 14, so daß sich gegenwärtig 107 Zöglinge in der Anstalt befinden. | e n i I l e t o n. Iakobine. Ein Lebensbild. Von Ariedrich Wott VIII. Lange hatte es ihr nicht so ausgezeichnet geschmeckt wie im Pfarrhause; die Chokolade war von der feinsten Sorte und das Backwerk vortreff- *) Daß unter 1" Cyper-Wein verstanden, wie Herr Adelmann apodictisch behauptet, möchte doch nicht so ausgemacht sein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.