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Der Israelit · 1879-02-19 · Heft 8 (19.2.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 8 (19.2.1879)
Date
1879-02-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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196 Stadtschreiber von außen, verzeiht, wenn ich störe! Es ist ein Bote angekommen mit wichtigen, eiligen Depeschen." Der Bürgermeister öffnete, der Stadtschreiber reichte ein Paquet durch die Thüre und entfernte sich wieder. Der Bürgermeister verschloß die Thüre wieder und riß das Paquet auf. „„Ein kaiserliches Schreiben!"" schrie er entsetzt und sank auf einen Stuhl. Herr Sebastian Brand nahm das Paquet an sich und prüfte die einzelnen Schriftstücke. „Seid ruhig, Vetter", sagte er, „das kaiserliche Schreiben bezieht sich nicht auf den Juden Joselin; es ist bereits drei Jahre alt." Der Bürgermeister athmete auf. „Und hier ist", fuhr sein Vetter zu reden fort, „ein Brief vom Magistrat der Stadt Regensburg, welcher die Sache aufklärt. Der Bote, welcher Euch das kaiserliche Schreiben vor drei Jahren bringen sollte, tst von Räubern beraubt und erschlagen worden. Die Räuber sind kürzlich gefangen und in Regensburg hingerichtet; in ihrem Schlupfwinkel hat man das für'Ober-Ehenheim bestimmte kaiserliche Schreiben gefunden und jetzt an Euch befördert." Der Bürgermeister sprang auf und riß das kaiserliche Mandat an sich. „„Richtig"", rief er, „„es ist, wie ich vermuthete. O, wäre dieses Schreiben doch sofort in meine Hände gelangt, wie viel Kummer wäre mir erspart geblieben! Als der Kais/r anno 1507 in Straßburg war, habe ich eine Eingabe gemacht und um die Erlaubniß gebeten, die Juden aus Ober - Ehenheim zu vertreiben. Ich blieb ohne Antwort. Dies ist das kaiserliche Mandat, welches die Austreibung der Juden gestattet."" „Das ist allerdings merkwürdig. Nun, Vetter, da habt Ihr die Gegenleistung. Entweder der Jude verspricht zu schweigen, oder Ihr vertreibt seine Glaubensgenossen aus der Stadt. Les't mir einmal, das Schriftstück vor, damit wir genau wissen, in wie weit es uns nützen kann." Der Bürgermeister nahm das Kaiserliche Schreiben in die Hand und las*). Wir Maximilian von Gottes Gnaden, römischer König, zu allen Zeiten mehrer des Reichs, zu Hungern, Dalmatien, Croatien rc. König Ertzhertzog zu Österreich, hertzog zu burgundt, zu drabandt und phalenntzgrave (Pfalzgraf) rc. bekennen öffentlich mit dieffen brieff undt thun khundt allermanniglichen als die juden undt judin in unsrer undt des Heyligen Reichs statt Ober Ehnheim gesessen undt woh'nhaff den Burger undt einwohnern daselbst zu Ober Ehenheim auch andern auff dem Landt undt daselbst umb aufpfandt und sunst Dargeliehen, daraus manig leychtvertigkeit undt diebstahl undt andern Übelthal enstanden, undt gevolgt, darzue dieselben judisheit einem Rath undt sondern persohnen daselbst sunst in manigfaltig weeg, bisher nachtheilig undt beschwehrlich gewest seyen. Das wir daraüff mit wohlbedachten mut, gutem Rath undt rechter wissen solch übel zufürkommen, auch die gemelten von Ober- Ehenheim undt ander der berurten beschwerungen zu entladen undt aus andern redlichen Ursachen der judisheit daelbs gebotten, sich mit ihren beweglichen haben undt guthern auser derselben statt ziehen undt ferner, daselbst nit zu wohnen und Bürgermeister und Rath der statt daselbs zu Ober Ehnheim zugegeben undt gesetzt undt geordnet das nu hinfür sy noch jr nachkomen daselbs zu Ober Ehnheim ferner keinerly juden noch judin daselbs halten noch wohnen lassen sollen, noch mögen noch derhalben von uns oder unser Nachkommen am Reiche Römischer Kaysern oder Königen noch andern darumb nit angedrungen noch damit beschwehrt werden sollen in keyn weys, getreulich undt ungewarlick, mit Urkundt dies brieffs besigelt mit unserm Königlichen anhangendem jnsigel, geben in unser undt des heiligen Reichs statt zu Strasburg am ein undt zweintzigsten tag des Monaths Marty nach Ehr. gebürt fünfzehnhundert und ein siebenden, unser Reiche in zwey undt zweyntzigsten undt des hungrischen in Siebenzehenden Jahren, per regem Ad mandatum pro 86 Regis p. m. Sernteiner. „ Nun wohl", sagte Herr Sebastian Brand, „dies Decret gibt Euch das Recht, die Juden sofort, ohne Aufschub auszutreiben. Jetzt seid Ihr Meister der Situation, und Joselin von Rosheim muß sich Euren Bedingungen fügen." (Fortsetzung folgt.) *j Das Driginal, auf Pergament geschrieben, mit dem Kaiserlicken Sigel (hängend, in rothem Wachs) versehen, befindet sick im Archiv der Stadt Qber-Ehnheün. Hierzu zwei Beilagen« Verantwortliche Nedaction: Dr. Lehmann. — Verlag der L e Ro ux'schen Hofbuchhandlung. Ä. Boltsleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeigers.

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