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Der Israelit · 1879-02-19 · Heft 8 (19.2.1879) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 8 (19.2.1879)
Date
1879-02-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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194 den Umsturz der ländlichen Besitzverhältnisse befürchtet. Zeppa's Antrag verlangte die Versagung der Anerkennung, so lange nicht den Bestimmungen des Berliner Vertrages Genüge geschehen sei. Von den späteren Rednern rechtfertigte Cairoli, welcher mehr den Gesichtspunkt der Religionsfreiheit hervorkehrte, das Verhalten seines Ministeriums in der Frage. Die rumänische Regierung habe seinerzeit eine italienische Aufforderung, über ihre Absichten in der Emancipationsfrage sich zu äußern, ausweichend beantwortet. Infolge dessen sei die Uebergabe der Beglaubigungsschreiben von Seiten des italienischen Bevollmächtigen vertagt worden. Sobald genügende Erklärungen vorliegen, sei kein Grund vorhanden, die Anerkennung zu verzögern. Rußland und Oesterreich hätten dieselbe wegen ihrer besonderen Interessen in Rumänien anticipirt. Daß Oesterreich dies wegen seiner rumänischen Bevölkerung in Siebenbürgen gethan habe, war Wohl eine bloße Ve/muthung des Redners. Die Erklärungen des Ministerpräsidenten Depretis lauteten, da sie sich wesentlich auf die künftig zu beobachtende Haltung bezogen, etwas weniger bestimmt. Er erklärt, in dieser wichtigen Frage daran festzuhalten, daß die Unabhängigkeit Rumäniens durch das Aufhören der türkischen Oberhoheit Thatsache geworden sei. Die italienischen Congreßbevollmächtigten hätten den die Gewissensfreiheit statuirenden Beschlüssen ihre Zustimmung ertheilt. Jndeß verdiene Rumänien besondere Rücksichten, schon wegen der Namensverwandtschaft mit Italien. Er werde die von dem vorigen Cabinet eingegangenen Verbindlichkeiten seinerseits aufrechterhalten, aber man müsse doch mit der Sache zu Ende kommen, da Rußland und Oesterreichs bereits Gesandte in Rumänien hätten. Nachrichten aus Bukarest berichteten über die Willfährigkeit der dortigen Regierung. die Congreßforderungen zu erfüllen. Infolge der Erklärungen des Ministerpräsidenten zog Herr Zeppa seinen Antrag, der nicht mehr nothwendig sei, zurück. Etwas bestimmter, als es der Ministerpräsident selbst im Stande war. äußert sich der dem gegenwärtigen Ministerium zur Verfügung stehende „Popolo romano" über die Frage; fein Artikel kann als ein authentischer Commentar der Rede des Ministers gelten. Man könne, sagt das Blatt, nicht ohne Weiteres dem Lobe zustimmen, welches dem betreffenden Congreßbeschlusse gezollt werde. Der Congreß habe über eine Frage, welche nicht religiöser, sondern socialer Natur sei, ohne jedes reifere Studium entschieden, indem er sich einseitig an den religiösen Gesichtspunkt gehalten und jede Prüfung der historischen Rechtsverhältnisse unterlassen habe. Rumänien zögere mit der Ausführung dieser Beschlüsse, weil es sicher sei, daß seine Unabhängigkeit eine Thatsache sei. Befinde sich doch die Türkei selbst unter den Mächten, welche in Bukarest bereits durch Gesandte vertreten seien. Die nämliche Stellung hätten Rußland und Oesterreich eingenommen und Italien scheine willens gewesen zu sein, das Gleiche zu thun, aber das Cabinet Cairoli's sei auf halbem Wege stehen geblieben und seitdem sei die Haltung Italiens an die der Westmächte und Deutschlands gebunden. Zum Lobe dürfe man diese Situation dem vorigen Ministerium nicht anrechnen. Auch könne die Zurückhaltung der vier Mächte nichts an der Unabhängigkeit Rumäniens ändern, sondern nur die diplomatischen Beziehungen beeinträchtigen. Gleichwohl könne man die vier Mächte nicht deswegen tadeln, daß sie die Aenderung des Titels ihrer Agenten in Bukarest von der Ausführung jener Congreßbestimmungen abhängig machten , denn man nähere sich dem Augenblicke, in welchem man auf der Einhaltung weit wichtigerer Beschlüsse des Congresses bestehen müsse; 'dies würde man nicht mit dem nöthigen Nachdruck thun können, wenn man die Verletzung des Vertrages in einem, wenn auch untergeordneten Punkte zugestanden hätte. Herr Depretis werde in Folge dessen nicht anders thun können, als sich der Interpretation der Westmächte und Deutschlands anzuschließen. Frankreich. Paris Ein unerhörtes Attentat auf die Gewissensfreiheit wurde dahier begangen: Vor circa l1/* Jahr wurde ein ungefähr 16 Jahre altes israel. Mädchen von seiner Mutter bei Modistinnen ou gros, bei drei mit ihrer Mutter zusammenlebenden Schwestern placirt. Das Mädchen kehrte jeden Abend zur Mutter zurück, alles ging nach Wunsch. Plötzlich hört die Mutter, daß ihre Tochter nicht mehr Jüdin ist. Dieses arme j Mädchen von schwachem Verstände wurde in küh- > ner Weise überrumpelt. Man hat es einem Abbe , zugeführt, welcher es in der kathol. Religion un-! terrichtete und es dann getauft, und dies alles so 1 im Geheimen, daß Niemand davon eine Ahnung i hatte. Man hatte das Mädchen so gut dressirt,! daß es sich während der 15 Monate, wo es regelmäßig jeden Tag seine Mutter gesehen, nicht das Geringste von seinem Vorhaben und verhängnißvollen Schritte merken ließ. (Arch. isr.) Palästina. Jerusalem. Aus der hl. Stadt schreibt man: Von Tag zu Tag wird unsere Lage schlim-

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