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Der Israelit · 1879-02-05 · Heft 6 (5.2.1879) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 6 (5.2.1879)
Date
1879-02-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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145 Raschen Schrittes wanderte Jakobine dem mehrfach erwähnten Dorfe zu. Sie wußte, daß die Drohung der Mutter keine leere war, daß sie in Wirklichkeit keinen neuen Shawl erhalten werde, wenn sie nicht zu rechter Zeit ihr Ziel erreichte. So bezwang sie denn ihren Unmuth, ihren Groll, ja, ihre Erregung schien ihre Schritte zu verdoppeln, denn noch bevor die Bäuerin sie erwartet hatte, stand sie vor ihr und übergab ihr das Verlangte. Die gutmüthige Frau, höchlichst befriedigt von der in der Wirklichkeit tadellosen Arbeit, hatte Mitleid mit dem Kinde, das um ihretwillen in der rauhen Morgenluft so weit hatte wandern müssen. Die Frühstücksuppe stand dampfend auf dem Tische, sie füllte einen Teller und forderte Jakobine auf, davon zu genießen. Mit lüsternen Blicken betrachtete das in der Thal hungrige Kind die so würzig duftende Speise, o, wie gerne wäre sie der Einladung gefolgt — aber wenn die Mutter/es erfahren, wie würde sie sie strafen und auf einen neuen Shawl würde sie wohl nimmer rechnen können. Mit abwehrendem Dank wandte sie sich hastig, der Versuchung zu enteilen, und machte sich auf den Heimweg. Ein scharfer Wind hatte sich erhoben und trieb die in Masse herniederfaüenden Schneeflocken dem jetzt nicht mehr so rasch dahinschreitenden Kinde in das Angesicht. Das geschwollene Auge schmerzte sie und mehr noch der Gedanke, daß die Mutter es gewesen, die ihr, ihrem einzigen Kinde solch' heftigen Schmerz bereitet. Ein Gefühl von Mattigkeit überkam sie, sie war schon so weit gewandert und hatte noch nichts genossen — und zudem die Kälte, der scharfe Wind. — Die Folgen ihres Starrsinns machten sich geltend, eine Schwäche, wie sie sie noch nie empfunden, machte ihr das Gehen nahezu unmöglich; sie sah noch den Wagen, der gerade auf sie zuzukommen schien, sie wollte sich rasch seitwärts wenden, da ward es plötzlich schwarz vor ihren Augen und taumelnd brach sie auf der Landstraße zusammen. (Fortsetzung folgt) Zur Heschichte der Juden im belgischen Lande. Von Carl Brisch. (Fortsetzung.) R. Mose ließ sich in Deutz nieder, während sein Bruder nach Halberstadt wanderte. Beide wurden Stammväter bedeutender Männer.*) R. Joseph ben Moses Koßmann ha Levi aus Deutz, Schwiegersohn des großen und berühmten Landrabbiners R. Juda Mehler von Cöln, ist wohl der Bedeutendste seiner Familie. Er verfaßte einen Commentar zu den Bußgebeten (»ros» oy mrr^D ■vddo sopjn, gedruckt Amsterdam 1712), einen Codex für die religiösen Gebräuche der Juden Deutschlands mit Zugrundelegung desjenigen Frankfurts (*pr sXLI ny gedruckt Hanau 1718), Commentar zu den Psalmen, zu den Turim des R. Jacob ben Ascher, und zu Maimonides. Die drei letztgenannten Werke sind ungedruckt geblieben, „aus Geldmangel," wie er sich selbst ausdrückt. Außerdem hat er mehrere Lieder gedichtet, ebenso sein Sohn Abraham. R. Mose starb im Herbst 1759.**) Wie in anderen Gegenden, so standen auch die Juden von Siegburg, Deutz re. in dem Rufe, Wunder verrichten zn können. Bei auszebrochenen Feuersbrünften wurden sie von der christlichen Bevölkerung überallhin geholt, um ^dcn Brand zu löschen", welches durch Aufschreiben kabbalistischer Zeichen an Thüren und Fenster geschehen sein soll. Wurde Jemand verwundet, so rief man einen Juden oder eine Jüdin, um „die Wunde zu besprechen", indem sie mit der Hand über die Wunde Segens Zeichen machten und Gebete murmelten, bis der Schmerz nachließ. — Beim Anrücken des schwedischen Heeres im Jahre 1631 bat die Judenschaft von Deutz den Kölner Rath um die Erlaubniß, in etlichen gemietheter. Kammern ihr Hab und Gut der Kriegsgefahr wegen in Sicherheit bringen zu dürfen und dasselbe monatlich mit Zuthun eines uniformirten Beamten zu besichtigen, was ihnen gegen eine Leistung von 2.-00 Rkhlr. gestattet würde. — Am 22. Tamus 1665 fand in Deutz eine Judenverfolgung statt. Tin Mitglied der Gemeinde hatte am vorherigen Tage mit einem Cölner Studenten einen Wortwechsel; am folgenden Tage erschienen über tausend Studenten in Deutz, drangen in die Judenhäuser ein und begannen Alles zu verwüsten und zu plündern. Aber die Bürger von Deutz stellten sich auf die Seite der Juden, es kam zum Handgemenge, zwei Studenten sielen und die andern zogen sich nach Cöln zurück. Dieser Tag wurde in Deutz als Fasttag für alle Zeiten bestimmt. ***) *) R. Juda mit dein deutschen-Namen Lehmann war der Vater des königlichen Residenten Behrend Lehmann (Rabbi Bärinann);u Halberstadt. **) Ausführliches über diese ititb andere Gelehrte werde ich an anderer Stellebringen. ***) Das Memorialbuch erwähnt nichts von einem Handgemenge, auch nichts von dem Einschreiten der Bürger, vielmehr habe ein Gelehrter R. Her;, der Vorsteher der Deutzer Gemeinde, die Geistlichkeit gewonnen, die durch ihren Einfluh die Studenten zur Ruhe brachte.

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