Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1879)
- Date
- 1879-02-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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142 liche und private Auftreten derselben, ihr ganzes Thun und Lassen macht einen so widerwärtigen Eindruck, daß der Erzähler, welcher sieben Jahre unter ihnen gelebt hat, sich von Zeit zu Zeit unterbricht und versichern zu müssen glaubt, daß er keinen Haß gegen die Karäer habe, und daß er von jeder Unparteilichkeit weit entfernt sei. Es handelt sich nun hier nicht um die Karäer im Allgemeinen, sondern ausschließlich um Diejenigen der Krim. Welches auch der Ursprung der ersteren fein mag, von den Karäern aus der Krim steht es dem Verfasser auf Grund zahlreicher, zwingender Beweise fest, daß sie nicht von jüdischer Abstammung sind. Eie erscheinen vielmehr als Nachkömmlinge von Türken oder Mongolen, die im Laufe der Zeit jüdische Gebräuche angenommen, aber auch ihre bisherigen religiösen Sitten zum großen Theile beibehalten haben. Die zahlreichen Veränderungen, welche der Geist einer neuen Zeit bei sämmtlichen Völkern der Erde hervorgerufen hat, sind an den Karäern der Krim spurlos vorübergegangen. Sie sind heute noch dieselben wie zur Zeit als die Krim unter russische Botmäßigkeit gelangte und erscheinen heute genau gerade so wie vor hundert Jahren. Das tartarische Blut, das in ihren Adern rollt, macht sie für jede Veränderung unfähig und unempfänglich. Wenn sie der Aufklärung auch nicht abhold sind, so kennen sie doch dieselbe nicht, nicht einmal dem Namen nach. Auch ihre derzeitigen Gelehrten könnte ein Kind verzeichnen, so gering ist ihre Zahl. Und die Gelehrten, wer sind sie? Die Rabbinen; ein anderer verfällt nicht daraus sich wissenschaftlich zu bilden. Selbst das Gros ihrer Gelehrten oder Rabbinen besitzt nur ein geringes Wissen; es ist ein Jrrthum, wenn Viele glauben, es befänden sich unter den karäischen Gelehrten Kenner des Talmuds oder fremder Sprachen. Auch Diejenigen, welche die tartarischen Sitten bereits aufgegeben und europäische Kleidung haben, besitzen kein wissenschaftliches Streben. Jeden erfüllt die Sucht nach Gewinn, Geld ist ihr Leben, ist das ausschließliche Ziel ihrer Wünsche. Handwerker finden sich nur sehr wenige bei ihnen, kaum ein einziger in jeder Stadt; Ackerbautreibende gibt es auch nicht einen einzigen, ihr Sinn ist nur auf den Handel gerichtet, und selbst darin reichen sie bei aller Rastlosigkeit den Juden nicht das Wasser. Wenn sie aber trotzdem fast alle reiche Leute sind, so ist daran nicht so sehr ihre Intelligenz, als ihr Aufenthalt und Verkehr mit den stumpfsinnigen indolenten Tataren schuld, mit denen sie eine und dieselbe Sprache sprechen. Nur so gelang es ihnen Reichthum ohne besondere Mühe zu erwerben. Seitdem sich aber Juden aus Polen und Litthauen in der Krim ansässig gemacht haben, ist bei den Karäern ein stetig zunehmender Rückgang eingetreten, während die Juden durch ihren Scharfsinn und ihre Redlichkeit eine immer mehr und mehr geachtete Stellung einnehmen. — So hat man bei den Karäern noch nie einen Kaufmann gefunden, der nach entfernten Ländern hin Geschäftsverbindungen unterhalten, oder gar einen, der überseeischen Geschäfte gemacht hätte. Ihre Hauptforce besteht lediglich darin mit übereinander geschlagenen Beinen in ihren Gewölben hinzusitzen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Schweiz. Solothurn. Ein hiesiger Kaufmann hatte von einem ihm unbekannten Manne ein Paar p'sn gekauft, die prachtvoll gearbeitet waren. Als dieselben bei Gelegenheit der Anwesenheit eines -,ehd geöffnet wurden, fanden sich in den dtü weiter nichts als Lederschnitzel. Möge man daher beim Ankauf von s'>'sri stets die nöthige Vorsicht gebrauchen. Die christliche Gemeinde Bieberstein bei Aarau hat den iörael. Lehrer Hermann Guggenheim als Oberlehrer angestellt. Derselbe ist an israel. Feiertagen vom Schuldienste dispensirt. Wahrlich, ein schöner Act der Toleranz. Belgien. Brüssel. Ueber die traurigen Verhältnisse in Bezug auf die Friedhoffrage dahier haben Sie schon oft berichtet. Die hiesigen Israeliten sind bekanntlich gezwungen, ihre Verstorbenen in Anders zu begraben. Neulich hat aber zum erstenmal ein jüdisches Begräbniß auf dem hiesigen Communalfriedhof stattgefunden. Der Oberrabbiner Astruc hat sich anfänglich geweigert, demselben officiell mitanzuwohnen und die religiösen Zeremonien zu verrichten. Als aber die betreffende Familie mit einer sogenannten Civilbeerdigung drohte, gab er seinen bisherigen principiellen Standpunkt in dieser Frage auf und folgte der Leiche. Wahrlich, der Herr Öberrabbiner hat damit einen verhängnißvollen Schritt gethan; dem gegebenen Beispiele werden aller Voraussicht nach andere folgen. Daß der Oberrabbiner von zwei Uebeln das kleinste gewählt, wie es hierüber im „Un. Jsr." heißt, ist