Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1879)
- Date
- 1879-02-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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, n Jahrgang. Erste Leilage zu tlr. 6 des Israelit. Leitender Artikel. Die Israeliten in der Krim.') i. E. Es gibt vielleicht kaum ein Land auf der Erde, über welches so tief eingreifende, wechselvolle Ereignisse hingegangen sini, als über die Halbinsel Krim, ^cythen und Mongolen, Hunnen und Tataren, Genuesen und Türken, haben über diese glücklich gelegene Halbinsel das Scepter geschwungen, bis die Ereignisse des Jahres 1783 sie dauernd der russischen Monarchie einverleibten. — Aber erst seit den blutiMWKämpfen vor Sebastvpol inder^^^MWEW^und 55, welche die ^MßWDlWWWWlMten Europvs auf diese Halbinsel zogen, ist die Krim Gegenstand vielfacher Aufmerksamkeit geworden. Für das Judenthum und seine Bekenner, kommt aber noch ein Moment hinzu, welches in der That geeignet ist, diesem Landstrich und seiner Bevölkerung ein ganz besonderes Interesse abzugcwinnen. Auf diesem verhältnißmäßig nicht sehr großen und nur dünn bevölkerten Striche, wohnen nämlich drei ganz eigenartige, sonst nirgends auf Erden in Vieser Eigenart auftretende Bekenner des Judenthums, und zwar 1) die Chazaren, 2) die Karäer, 3) die Krimtschaken. Es mögen jetzt etwa 1100, Jahre verflossen sein, daß ein finnischer Volksstamm, die Chazaren, mit ihrem König und seinem Hofe das Judenthum freiwillig annahmen. Sie hatten auf der taurischen Halbinsel und den anstoßenden Landern ein großes Reich gegründet. Die Perser zitterten vor den kriegsmuthigen Chazaren und schützten vergeblich die Grenzen ihres Landes gegen ihre ungestümen Angriffe. Die byzantinischen Kaiser waren ihnen zinspflichtig, ebenso die Bulgaren und Russen. — Man hat lange diese Bekehrung *) Unter dem Titel onp "i£d ist von dem berühmten Reisenden E. Deinard eine überaus interessante Geschichte der isr. Bevölkerung auf der Halbinsel- Jfcrtnt erschienen, der wir einige gedrängte Auszüge in Folgendem ^entnehmen. — Das Werk selbst ist zu beziehen durch den Verfasser: E. Deinard in Berdians k (Krim.) der Chazaren zum Judenthume für eine Fabel gehalten; die jüdischen Nachrichten hierüber haben auch andererseits besonders non arabischen Geschichtsschreibern eine so vielfache Bestätigung erfahren, daß dieses Factum nicht länger bezweifelt werden kann. Nun befinden sich noch heute in der Krim Nachkommen der Chazaren, deren Geschichte und heutige Lebensweise aber erst im dritten Theile des uns vorliegenden Werkes mitgetheilt werden soll. Unsere Aufmerksamkeit wird zunächst durch die Darstellung des KaräismuS, wie er sich in der Krim geltend macht, in sehr anziehender W'ise beschäftigt. Zur richtigen Würdigung dieser Darstellung, mögen ihr einige Bemerkungen über das Wesen und die Bedeutung des Karäerthums im Allgemeinen vorangehen. — Der KaräismuS, dessen Gründung gewöhnlich dem An an zugeschrieben und dessen Haupttendenz in der stritten Anerkennung der geschriebenen Thora und zwar mit Jgnorirung der im Talmud niedergelegten mündlichen Ueberlieferung erblickt wird, der KaräismuS hatte seiner Zeit ein tief eingreifendes Schisma im Schooße der Judenheit zu Folge. Die Bekenner des überlieferten Judenthums sprachen überall die vollständige Trennung zwischen sich und den Anhängern dieses Zwitter-Judenthums aus, das daun in der That längst aufgehört hat den Eindruck eines lebensfähigen religiösen Bekenntnisses zu machen. Die trümmerhaften Reste bilden fast eben so viele Secten als Gemeinden und tragen daher den Todteskeim, das Gift der Zersetzung in»sich. Wie das Reformjudenthum unserer Tage hat der KaräismuS fast nirgends positive, für die Zukunft berechnete Bestimmungen geschaffen, sondern bildet wie jenes nur eine Negation des bestehenden, überlieferten Judenthums 2). — Wie gesunken und verkommen das Karäerthum im Großen auch erscheinen mag, nirgends macht es einen so desolaten Eindruck, als unter den 6000 Karäern, die sich auf der Insel Krim befinden. Das Lffent- 2) Der Vers., der mau';ial Veranlassung nimmt, zwischen Karäern und Resormjuden % rraleüen zu ziehen, überträgt die letzteren mit der Bezeichnung.Wir würden o^p^pon für richtiger und zuverlässiger eichten.