Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1879)
- Date
- 1879-01-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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116 Farbe. wovon erst das Sprithebräische der Mischnah Verbalformen bildet, (vrgl. Richters, 30). Demnach übersetzt Peschito: „Daß sich färbe dein Fuß mit Blut." Desgleichen die LXX: o7X(og eil' ßcceprj 6 Trovg Gov er ciiiicui; denn das Hauptw. -) ßctyi) bedeutet Farbe und daher das abgeleitete Zeitwort ßctmeiv, färben. Gerade dies aber bedeutet auch das Wort pnon nach der Erklärung Jbn Esra's, daß pno durch Metathesis aus pon (vgl. Jes. 63, 1, oh« pon) entstanden sei, welche auch Kimchi in seinem Wörterbuch als die richtige adoptirt. Auffällig erscheint dem Verf. die Uebersetzung der Peschito zl.m 23. Vers, woselbst twh ]t£QD durch pfiN fror n'2 jen wiedergeben, als ob im Text es □'Wri hieße. Doch wir haben es hier mit einer midraschischen Erklärung zu thun, deren es in der Peschito so viele gibt und ist diese lieber-. setzung einer Stelle im Talmud entnommen, woselbst ir2v hagadisch als nin« or jhd erklärt wird. (Gittin 57b.) Dle beifällige Aufnahme, denen sich diese Erstlingsschrift gewiß bei allen denkenden Lesern erfreuen wird, möge der Verfasser zu weiterem rüstigen Forschen ermuntern. S. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Der dreizehnte Jahresbericht des Vereins Ahabath Jerusalem rnsriN rmn in Breslau weist eine Einnahme von 1540 M. auf, von welcher Summe 1065 M. an die Armen in Jerusalem vertheilt wurden. Die 4. Jahresrechnung des israel. Asyls in Hegenheim ergibt eine Einnahme von 33.114 Frs. und eine Ausgabe von 7668 Frs. Dasselbe hat ein reines Vermögen von 35,810 Frs. und zählte im September 1878 13 Pfründner. Fettilleton. Iakoöine. Ein Lebensbild. Von Iriedrich Itott. V. sorgenvoll betrachtete Bertha oft den überprudelnd'en Lebensmuth, den allerdings jetzt noch I durch ihre Jugend zu entschuldigenden Leichtsinn! ihres Kindes. So, grade so mußte ihr Gatte in diesem Alter gewesen sein, und diesen Leichtsinn hatte der sonst brave, gute, für jeden Unglücklichen mit Freude sich aufopfernde Mann sein ganzes Leben hindurch bewahrt, und dieser Leichtsinn war die Quelle all' seines und ihres Unglückes geworden, war die Ursache seines vorzeitigen Endes. Zwar glaubte sie nicht, daß Verzweiflung ihn zum Selbstmord getrieben, ja sie ahnte nicht einmal, daß die Welt diese Vermuthung hegte. Aber sie hatte viel, unendlich viel darüber gedacht und gegrübelt und war zu der Ueberzeugung gekommen, daß Leichtsinn die Ursache alles Uebels. Wie rechtschaffen, wie edel waren die Grundsätze ihres Gatten stets gewesen, und doch hatte sein Leichtsinn ihn einen Meineid schwören lassen! Sein Leichtsinn hatte ihn dazu gebracht, sie zu verlassen und dem Tod in die Arme zu eilen. — Sein Leichtsinn, sein unglückseliger Leichtsinn, über den sein verstorbener Vater geklagt, der war die Ursache alles Uebels geworden. Sie hatte sich in diesem Sinne gegen Niemanden, nicht einmal gegen ihren Schwager geäußert, aber gedacht hatte sie es nur all zu oft. Und wenn sie so darüber sann, dann mußte sie stets einer Aeußerung ihres verstorbenen Schwieger- Vaters gedenken, die sie wiederholt von ihm vernommen über den bis zuletzt allerdings harmlosen Leichtsinn seines Sohnes. Dein Leichtsinn klagt mich an, pflegte der Vater halb im Scherz, halb im Ernst dem Sohn vorzuhalten, ich hätte in Deiner Jugend den Stock weniger schonen sollen. Und diese Aeußerung warf einen oft recht düsteren Schatten auf Jakobinens heitern Sinn. — Bertha liebte ihr Kind, wie bereits erwähnt, mit leidenschaftlicher Zärtlichkeit. Mit vollständiger Aufopferung des eigenen Wohles, des ganzen eigenen Selbst hätte sie es schützen mögen vor jedem Unheil, jeder Unannehmlichkeit. Aber eben deßhalb glaubte sie, es vor Allem schirmen zu müssen gegen die Folgen des eigenen Leichtsinns. Sie wähnte sich daher verpflichtet, so schwer es ihr zuweilen werden mochte, mit unnachsichtiger Strenge jeden Ausbruch kindlichen Leichtsinnes zu ahnden und entfremdete sich hiedurch des Kindes offenes Herz. Wohl liebte die Kleine ihre Mutter aus vollem warmen Herzen, aber es war oft gar zu hart, wenn sie, nichts Arges ahnend und keines bösen Gedankens sich bewußt, in's Zimmer zu der Mutter hüpfte und mit Scheltworten und Schlägen empfangen ward. Zwar waren derartige Züchtigungen nicht allzu empfindlich, aber die Kleine wurde größer und der Stolz des Heranwachsenden Mädchens empörte sich. i