Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1879)
- Date
- 1879-01-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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114 die Pflicht hatten, über die Einlieferung der Ab-! gaben zu Wachen. Auch müßte es heißen: nnn ipn, er habe die Suggoth „eingeführt" und nicht tdj/.-i, er habe sie „wieder eingeführt". Fasse man aber das Wort Suggoth in seiner gewöhnlichen Bedeu-! tung der dem Synhedrion Vorsitzenden Duumvirn, j so lösen sich alle Zweifel. Hyrkan hatte die Gunst! der Pharisäer verloren, er wollte sich dieselbe wieder gewinnen und gab durch Wiedereinsetzung des Nässt und Abbethdin dem Sy'hedrion seine Autorität wieder zurück. Die Stelle im Jeruschalmi aber habe den Sinn: „Man brauchte sich wegen des Demai nicht zu erkundigen, denn Hyrkan hatte das Duumvirat wieder eingeführt, welches dafür sorgte, daß die Abgaben regelmäßig gezahlt wurden." Nun aber waren unter Hyrkans Vorgänger, Simon, die Suggoth sistirt worden, plötzlich erschienen jetzt Jehoschuah den Perachjah und Nitai Arbeli, die „wohl" (sie!) Hyrkan in ihre Würden eingesetzt hat, denn sie sungirten noch unter Aristobul und Alexander Janai, also ist erwiesen, daß Hyrkan gegen sein Lebensende wieder Pharisäer geworden, und er sich das verscherzte Vertrauen durch Wiedereinsetzung der Suggoth zurückzugewinnen versuchte. So der Verf. Aus lauter Vermuthungen baut sich hier ein Gebäude auf, welches zu stützen eine neue Erklärung des angezogenen Jeruschalmi als Strebepfeiler aufgeführt wird.! Daß Jose und Joeser, die hier in Simons Zeit gesetzt werden, überhaupt der hasmonäischen oder der nachhasmonäischen Zeit angehören, ist noch eine offene Frage, und wenn auch Ersteres erwiesen wäre, ist es noch fraglich, ob die Erklärung der Mischnah iu Sotah, mb'»Dsc,«n iPüd , „Männer, denen die politische und religiöse Gewalt anvertraut war," richtig ist; es liegt viemehr gar kein Grund vor, von der herkömmlichen Erklärung abzuweichen. Daß Jehoschuah und Nitai von Hyrkan eingesetzt waren, bezeichnet der Verf. selbst als nur eine Möglichkeit, und daß endlich die Suggoth (Nassi und Abbethdin) über die richtige Einlieferung der Abgaben zu wachen hatten oder wachten, ist eine Behauptung, die nirgends erwiesen ist. Womit aber begründet der Verf. seine Auffassung der angezogenen Jeruschalmi-Stelle entgegen derjenigen der alten Erklärer? Es wäre nicht zu verstehen , wie den beiden : ännern Eleasar und Jehuda und auch Hyrkan ein Vorwurf über das Eintreiben der Abgaben hätte gemacht werden können, wenn Liese tue Pflicht über die Einlieferung derselben zu wachen, gehabt hätten. Und doch ist dieses nicht so schwer zu verstehen, denn Hyrkan hatte wohl das Recht, Männer einzusetzen, welche die Leute durch Zureden und Unterweisen zum! Spenden der Gaben anhielten, nicht aber diese mit Gewalt den Besitzern zu entreißen, da auf diese Abgaben Keinem ein Rechtsanspruch zustand nach dem Grundsätze: '\xm i'Vy nuno n'sid.i. j Nach der alten Erklärung, meint der Verf., j müßte es heißen: nm jpn, er hat die Suggoth! eingeführt, diese Behörde geschaffen und nicht nU'i Tsyn. er hat diese Behörde von Neuem wieder eingeführt, er hat sie wieder aufgerichtet. Doch ist dieses durchaus falsch. n'.v: sind Personen, bei welchen der Ausdruck ]pn ganz unpassend wäre, nur Tcyn ist das richtige Wort, das hier gebraucht werden darf und es heißt nicht, er hat sie wieder aufgerichtet, sondern aufgestellt, gerade wie: 'rnoyn /im %''n“w onP vnDyn irr Div yhejm '01 '21 rva vib (Meg. 11a.) Demnach ist der Beweis dafür, daß Hyrkan nicht bis ans Ende seines Lebens Sadducäer geblieben, nicht geführt. Wir erkennen an, daß der Verf. bei seiner Darstellung von einem guten Motiv geleitet ist, dem, eine Ehrenrettung des sonst so hoch und geachtet dastehenden Hyrkan zu versuchen, und so löblich ein solches Bestreben ist, darf doch nicht die historische Wahrheit unter solchen Bestrebungen leiden. Ueberdies aber involvirt diese Ehrenrettung andererseits, wenn auch vom Verf. nicht beabsichtigt, eine Verunglimpfung der Berichterstatter des Talmud. j Der Talmud geizt nicht mit Ehrenrettungen; wo an Einem nur eine gute Seite aufzufinden ist, da wird diese gute Seite gezeigt, es wird nichts verschwiegen, was irgendwie auf den Charakter eines Menschen, und sei es auch des größten Bösewichts, ein gutes Licht werfen könnte. An Esau, der als Typus der Nationalscindschaft gilt, wird die Kindesliebe gegen den Vater rühmend hervorgchobcn, Isabel, dieses grausame, verfolgungssüchtige Weib, werden zeitweilige edleHerzensreguugen zugeschrieben, und von Hyrkan, dem edlen und weisen Fürsten, dessen Anordnungen Gesetzeskraft erlangt haben, sollte es der Talmud verschweigen, wenn er vor seinem Tode seinen Abfall durch Rückkehr wieder gutgemacht hätte. Er sollte uns in dem Glauben gelassen haben, Hyrkan wäre ein Abtrünniger geblieben, wenn dies nicht der Fall gewesen wäre? Kann es deutlicher gesagt werden, daß Hyrkan Sadducäer geblieben, als wenn die Worte pxn ix >*vd dt ip ->DLp2 illustrirt werden durch y'.Ya pm’ ’pns nwyj -pOili uty 's r6na rmiss pcp? (Berach. i;9a.) Das wäre ja eine verbissene Feindschaft, die Einem einen Makel anheftet, ohne ihn von diesem zu befreien, wenn er selbst ihn vergessen zu machen gesucht hat. Sind unsere großen Weisen so ungerecht gewesen? Wäre es ja üherdies ganz unpolitisch gewesen, die Rückkehr Hyrkans nicht zu