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Der Israelit · 1879-01-29 · Heft 5 (29.1.1879) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 5 (29.1.1879)
Date
1879-01-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XX. Jahrgang. Erste Beilage zn tlr. 5 des Israelit. Leitendes Artikel. Literarischer Bericht. Johann Hyrkan. Ein Beitrag zur Geschichte Judäa's im zwölften vorchristlichen Jahrhundert. Von vr. Cossmann Werner. Wernigerode 1877. (Jüttner) 61 u. 28 S. 8°. Ein junger Gelehrter bietet uns seine Erstlingsarbeit, die von vielem Fleiße und Gründlichkeit zeugt und von geistreichen Combinationen durchsetzt ist. Umsomehr ist aber einem so strebsamen Forscher die Warnung nöthig, sich durch seine guten Anlagen nicht zu Combinationen Hinreißen zu lassen, bei denen man die nicht passenden Quellen einfach als unrichtig bezeichnet. Es hat dies Bestreben namentlich unter jüdischen Gelehrten eine Richtung hervorgerufen, die in ihren Consequenzen manches Unheil angerichtet hat. Gs ist ja klar, daß ein historisches Datum im Talmud, die Erklärung eines Fremdwortes, wie alles das, was nicht das religiöse Leben oder die Halacha in irgend einer Beziehung berührt, keinen Anspruch auf dogmalische Verbindlichkeit macht; um sich aber selbst hier zum Schiedsrichter aufzuwerfen, dazu bedarf es einer umfassenden genauen Sachkenntnis welche zu erwägen versteht, inwieweit irgend etwas mit der Halacha zusammenhängt, und die so weit in den Geist der Halacha eingedrungen ist, daß nicht wirkliche Verstöße mehr gegen die richtige Wortauffassuug möglich sind, und sich keine Unsicherheit in der Kenntniß der Verhältnisse, welche der Talmud behandelt, kundgibt. Daß aber dem Verf. bei seinem vielen anerkennenswertyen Wissen diese, umfassende Kenntniß und Sicherheit fehlen, werden wir bald sehen; es würde also von ihm gerathener gewesen fein, wenn er sich in manchem Urtheil mehr Reserve auferlegt hätte. Mit großem Scharfsinn-will der Verf. Licht in das Dunkel über die Lebenszeit Hyrkans bringen, nach gefundenem Resultat sieht er sich dann veranlaßt zu bemerken, daß die Nachricht des Talmud, Hyrkan habe 80 Jahre die Priesterwürde bekleidet, „natürlich" auf Jrrthum beruhe. So „natürlich" ist das denn doch nicht; die Nachricht von dieser langen Amtsdauer tritt an zwei von einander unabhängigen Stellen aus verschiedenen Veranlassungen (Berach. 29 a. und Joma9a.) mit solcher Bestimmtheit auf, daß an einen Jrrthum nicht zu denken ist. Der Verf. verfolgt in seiner Schrift die Tendenz , Hyrkan von all den Vorwürfen zu reinigen, die gegen ihn erhoben worden sind. Sein Leben hindurch ein eifriger Förderer des religiösen Lebens, ein tapferer Vertheidiger seines Landes, ein guter und hochherziger Regent seines Volkes, — drängt sitz am Ende feines Lebens die giftige Verleumdung zwischen ihn und die Partei, die er schützt, und der er angehörte, die Pharisäer, und macht ihn zu einem ungerechten Herrscher. Nach einer Ansicht soll er die Pharisäer verfolgt und ihre Gelehrten getödtet haben bis auf einen, wenn nämlich in der Erzählung Kidduschin 66 a. Jannai und Hyrkan identisch sind, welche Ansicht Abaja in Berachoth 29 a. gegen Raba vertritt. Wir werden also bei so zweifelhafter Lage gewiß nicht anstehen, Hyrkan von dieser Schuld freizusprechen, und selbst, wenn der Inhalt der dort mitgetheilten Erzählung sich auf Hyrkan nothwendig beziehen müßte, hier, was die Tödtung betrifft, die Mischung zweier Berichte annehmen. Nun steht aber fest, daß Hyrkan Sadducäer geworden, und hier will der Verf. beweisen, daß er es nicht bis an sein Lebensende geblieben sei. Wie lautet dieser Beweis? Von Hyrkan rührt eine wichtige Institution her, über welche uns der Jeruschalmi (Maasar Scheni Ende und Sotah IX, 10) berichtet: i'crai nui -roync? \xoin vv b'.xn'? nny j’x. Die Erklärer erkennen in dieser Suggoth Beamten, welche über die richtige Einlieferung des Zehnten zu wachen hatten. weßhalb man nicht mehr sich beim Kauf von Früchten zu vergewissern brauchte, ob von denselben die levitischen Abgaben gespendet worden seien. Eleaser ben Pachurah und Jchuda ben Patirah haben aber diese Abgaben mit Gewalt eingezogen. Hyrkan aber sei ein Vorwurf zu machen, da er diesen Leuten nicht gewehrt habe. Man sollte glauben, daß der. letztangeführte Satz des Talmud durch die obengenannte Erklärung des „Suggoth" recht verständlich sei oder sich diese Erklärung aus dem Tadel über die beiden Steuereintreiber als ganz naturgemäß ergebe. Doch der Verf. hält diese Erklärung für „unhaltbar", weil weder die Männer noch Hyrkan ein Vorwurf treffe, wenn sie

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