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Der Israelit · 1879-01-29 · Heft 5 (29.1.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 5 (29.1.1879)
Date
1879-01-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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112 An demselben Abend erschien ein Laienbruder aus dem Dominicaner-Kloster in Pheiwel'S Behausung , um diesen wegen eines dringenden Geschäftes zum Prior, Pater ValentinuS, zu bescheiden. Als der Bote dem Prior den Bescheid brachte, Rabbi Joselmann habe den Bestellten in dar »Katze!" bringen lassen, rieb dieser sich vergnügt die Hände. »Nur zu", sagte er, „der Jude selbst arbeitet für meine Pläne." Am andern Tage wurde Pheiwel vor. dem jüdischen Gerichtshof, bestehend aus dem Rabbiner und den zwei RabbinatSassessoren, geführt. Rabbi Joselmann trat als Ankläger auf. .Er berichtete, daß er dem Angeklagten fünf Gulden geschenkt, damit, er sich Maaren kaufe, mit diesen Hausire, um Frau und Kinder zu ernähren; „statt dessen sei der leichtsinnige Mensch ins WirthShauS gelaufen und habe sich in verbotenem Weine betrunken, und das am ersten Selichoßtage! Da Ermahnungen bei dem Leichtsinnigen nichts fruchten, so fordere er dessen Bestrafung; vielleicht würde eine Strafe bessernd wirken. Der Gerichtshof verurtheilte den Trunkenbold zu 25 Stockstreichen. Da half kein Bitten, kein Flehen, kein Jammern — die Strafe wurde sogleich cxecutirt. Als Pheiwel, weinend und wehklagend, mit zerfetztem Rücken nach Hause kam, empfing ihn Kränchen mit den bittersten Vorwürfen, mit den heftigsten Scheltworten. ,,Du schändlicher Mensch", schrie sie, „was muß ich an Dir erleben! Mir solche Schande zu machen! Es ist unerhört." „„Und wer ist Schuld daran als Du?"" schrie er entgegen. „Du hast mich veranlaßt, diesen scheinheiligen Joselmann aufzusuchen! Diese Scheinheiligkeit! Gibt mir keine Kemeo und läßt mich durchprügeln." „O, Du garstiger Mensch! Du bist nicht wertb, den Namen Rabbi Joselmanns auSzusprechen! Der fromme Rabbi ermahnt Dich und spricht Dir zu Herzen und schenkt Dir fünf Gulden, und Du gehst sogleich hin und betrinkst Dich aufs Neue!" „„Weib, wenn Du nicht ruhig bist, so vergreife ich mich an Dir." " „Das fehlt auch noch, Du Lump, daß Du Deine Frau schlägst!" „„Warum quälst Du mich? Habe ich nicht Schmerzen genug? Jetzt gib mir zu essen, ich habe Hunger."" „Ich habe nichts im Hause." „„Hier hast Du Geld!"" Er warf den Rest der Geldes, das er von Rabbi Joselmann erhalten hatte, auf den Tisch. Die Frau nahm eS an sich und holte Brod, Butter, Käse und einen Krug Bier. Als die Familie bei Tische saß und eS sich gut schmecken ließ, sagte Kränchen: „Siehst Du, Pheiwel, es ist Rabbi Joselmanns Geld, von dem wir zehren, und Du schiltst ihn!" „„Verflucht sei der Scheinheilige! Warum hat er mir keine Kemeo gegeben, warum hat er mich durchprügeln lassen?"" „Warum hast Du seine Ermahnungen nicht beherzigt, warum hast Du Dich betrunken wie ein Thier? nicht wie ein Thier, schlimmer als ein Thi:r!" „„Hörst Du endlich auf, mich zn quälen!"" „Nein, ich höre nicht auf. Heute bist Du einmal nüchtern, da will ich Dir zu Herzen reden! O, Pheiwel, Du könntest ein geachteter Mann in der Kehilloh sein und ich ein angesehenes Weib, wenn .... „„Ha, ha, sie hassen und verachten mich Alle!"" „Weil Du es verdienst." „„Hör' endlich auf Weib!"" „Nein, ich höre nicht auf, heute will ich reden." „„Wenn Du nicht schweigst, so . . . ."" „So willst Du mich schlagen?" „„Noch ganz was Anderes!"' „So sag', was Du thun willst!" „„Der Prior hat gestern nach mir geschickt."" „Woher weißt Du?" »„Ich hörte es, als ich aus dem Katzel kam. Was wird er von mir wollen?"" „Pheiwel!" rief Kränchen in tiefster Seelenangst . „Du wirst Dich doch nicht schmadden wollen?" „„Du und die Juden Alle und namentlich dieser Joselmann, Ihr könntet mich dazu treiben."" Die Thüre ging auf, und der Bote des Priors trat herein. (Fortsetzung folgt.) ‘ Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Rtdaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottslrben'S Buchdruckern (Mainzer Anzeiger).

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