Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1879)
- Date
- 1879-01-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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111 in warmen herzlichen Worten auseinandersetzte, wurde dem Jubilar das Ehrenbürger - Diplom überreicht. — Ein sehr gediegener Vortrag deS Enkelsobnes des Jubilars, des Herrn Dr. Auerbach aus Berlin, in welchem er seinen Dank für all die Auszeichnung, die dem Hause „Oppenheim" zu Theil geworden, ausdrückte, beschloß die so schöne und denkwürdige Feier.) Ich schließe diesen Bericht mit den Bibelworten: s*sen npns *)vd mw rmm müy C. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Ans Böhmen. Von zuverlässiger Seite wird uns berichtet, daß dem ursn über den in der Zuckerraffinerie des Herrn Karl Stummer in Daudleb (Böhmen) fabricirten Zucker nosn jn 'v'v kein Vertrau-n zu schenken ist. Da dieser Zucker viel nach Ungarn, Galizien und Rumänien verkauft wird, halten wir es als Pflicht, auf Obiges aufmerksam zu machen. Rußland. Petersburg. Herr Ludwig Feigenblatt (Israelit) wurde zum General-Secretär des Statthalters von Warschau, Grafen Kotzebue, ernannt, und wird sich dieser speciell mit den Angelegenheiten der Juden in Russisch-Polen zu beschäftigen haben. (Hamelitz). Feuilleton. Wabbi Zoselmann von Mosheim. Eine historische Erzählung. XXVIII. In einem verfallenen Häuschen, nicht weit vom Stadtthore, wohnte Pheiwel, den man den Triefäugigen nannte. Wer am ersten der Selichoth-Tage zum Jahre 5271 (1510) dort vorübergegangen wäre, hätte schon aus der Ferne die Stimme eines keifenden Weibes gehört. „Du Lump, Du schlechter Kerl, Du Taugenichts!" Mit diesen Bezeichnungen der Liebe und Zärtlichkeit redete Kränchen ihren theuren Gatten Pheiwel an. „Alle Welt", schrie sie, „fastet heute, und Du, elender Mensch, kömmst halb betrunken nach Hause, betrunken von der Bauern trephenen Wein! Die Kinder schreien nach Brod, die heiligen Feiertage sind vor der Thüre! O, wie bin ich doch so unglücklich!" „„Meine Krone, mein Gold, mein Juwel, mein liebes, sanftes Weibele"", lallte der halbtrunkene Gatte, „„was kann ich dafür, daß ich so starken Durst habe? Und wenn man Durst hat, muß man trinken, trinken!"" „Ja, ich will lieb und sanft sein, ich will es zum tausendsten Male versuchen, Dir zu Herzen zu reden. Sieh*, da ist der große, heilige Mann, der Rabbi Joselmann von RoSheim hier. Er ist ein Engel Gottes an Güte, und er hilft Allen, die Hilfe brauchen. Geh zu ihm und bitte ihn, daß er Dir eine Kemeo*) gebe gegen die Trunksucht. Vielleicht wird noch ein ordentlicher Mensch aus Dir." Pheiwel war, bis auf die Trunksucht, ein folgsamer Ehemann; er suchte sofort Rabbi Joselmann in dessen Wohnung auf. Als der Kaiserliche Befehlshaber den Halbtrunkenen sah, blickte er ihn finster an. Schämt Ihr Euch nicht", sagte er, „am ersten Selichoß-Tage betrunken! Wohnt denn gar keine Gottesfurcht in Eurem Herzen?" „„Ebendeßhald komme ich zu Euch. Ich weiß nicht, unwiderstehlich plagt mich der Durst. Es müssen Schvdim, böse Geister sein, die sich an mich heften und mich zum Trinken zwingen! Deßhalb bitte ich Euch, gebt mir eine Kemea gegen den Durst!"" „Ihr seid ein Thor, Pheiwel, dagegen gibts keine Kemea. Ihr müßt ein Mann sein und Eure Leidenschaft beherrschen." „„Das möchte ich schon gern, allein ich kann nicht. Meine Frau und meine Kinder schreien nach Brod, während ich betrunken auf der Straße liege."" „Es bedarf nur des festen Willens, des unwiderruflichen Entschlusses Eurerseits." „.Aber davon bekommen meine Frau und meine Kinder kein Brod!"" „Hier habt Ihr fünf Gulden. Kauft Euch Waaren, geht hausiren und ernährt Eure Frau und Eure Kinder." Gierig nahm Pheiwel die fünf Gulden und eilte damit ins Wirthshaus, um aufs Neue zu trinken. Als Rabbi Joselmann gegen Abend in die Synagoge ging, stieß er auf einen Haufen Kinder, welche den total betrunkenen Pheiwel neckten uud mit Koth bewarfen. In jenen Zeiten hatte jede israelitische Gemeinde ihre eigene Jurisdiction und war auch im Besitze eines eigenen Gefängnisses, das manKatzel, eine Entstellung des lateinischen Wortes carcer, nannte. Rabbi Joselmann ließ den Trunkenen ergreifen und in das Gefängniß bringen. *) Amulet.