Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1879)
- Date
- 1879-01-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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110 Wolke — das Symbol des Ernstes und der Würde — über ihrem Zelte; wie gesagt — nicht Ausgelassenheit und wilde Munterkeit gab'.s da, aber wo gibt es etwas Gutes und Schönes, etwas Edles und Heiliges, wo gibt es eine Mizwa in der Thora, die in diesem Zelte während der 60 Jahre nicht hundert- und tausendfach geübt wurde. — Die Mischnah: iai jrpnn’B tow oikip onai erwähnend, sagt der Redner: Wer kann sich mit dem Jubelpaar in Bezug auf itnHDn niyrü — Wohlthätigkeit auch nur im Entferntesten messen! Wer mit dem Jubilar in Bezug auf man'a no3»n rvaayi nnrw — wie Bnnn»" in früher Jugend — so besucht der Jubilar auch „rvaay" — am späten Lebensabend als hochbetagter Greis früh' und Abend die Stätten der Thora und Abodah. Und wer kann die Verdienste der Frau Jubilarin schildern um „non n’ibm D’8m -np*a" Kranke, Sterbende und Verstorbene! — die Gäste, die aus weiter Ferne kamen, haben keine Ahnung, was die edle Frau auf diesem Gebiete geleistet. Wir, die Augenzeugen, wissen, daß sie sich da unsterbliche Verdienste erworben. — Und verhält es sich mit p'y n8en nicht ebenso! Der Jubilar hat 58 Jahre hindurch an den hohen Festtagen als td's rr6tff ohne jedes materielle Interesse vorgebetet, und mit welcher Andacht und Innigkeit hat er gebetet! Dt>o Tua mm -no^ni — daß ahn in diesem Hause 6O Jahre hindurch kein Tag ohne mm vorüb rgegangen — daß der Jubilar bis auf den heutigen Tag seine ihm übrig bleibende Zeit den Erforschungen der mm widmet, das überwiezt „Alles", das veranlaßt uns besonders zu dem Rufe: „Wie schön sind deine Zelte Jacob!" — Deine „Zelte" — betont der Redner, denn nicht ein Zelt ist's, das das Gepräge Ihrer gottbegeisterten Thätigkeit an sich trägt — aspr — an tyx apya — aayi dv rttr ima ma — na’JtP und Jacob ist ein frommer Mann — er bewohnt Zelte - nicht eines, sondern zwei — das Beth- Hamidrasch von Schem und von Eber. Das Beth- Hamidrasch! Wie viel Zeit und Kraft, wie viel Tage und Nächte, wie viel Mühe und Plage, wie viel Fleiß und Arbeit haben Sie, Herr Jubilar, unserem Bekh-Hamidrasch gewidmet, bis Sie es zu der Höhe emporgetragen, auf der es sich heute befindet! (Das Belg-Hamidrasch verdankt der Thätigkeit des Jubilars ein Vermögen von 18000 Mark.) Aber auch damit ist die Zahl ihrer „Zelte" nicht erschöpft. — Sie haben Tausende und Tausende von Thalern nach dem heiligen Lande geschickt, damit man dort c^ruv Wohnungen (norm ma) für die Armen und Hilflosen baue, und nicht nur in Europa. sondern auch in Asien — in Jerusalem ertönt heute der Ruf: „Wie schön sind deine Zelte Jacob! Das zweite Segenswort lautet apy ney mo 'v; das Wort erfährt mannigfache Deutungen von Seiten unserer Lehrer, in jeder einzelnen Bedeutung aber gilt das Wort auch vom Jubelpaare. Die erste Deutung ist die des Targum Onkelos: apy maa jopaya hjd m Wer zählt die Kleinen, die Schüler und Jünger des Hauses Jacob! Wer fühlt sich aber nicht klein, nicht als Schüler dem Jubelpaar gegenüber! Können wir nicht Alle von Ihnen lernen wie man seine Zeit nützlich und gottgefällig verwendet! Die zweite Deutung ist die des Talmud: m^ptp i*n asya nmy msto. Also niso! Wie groß ist aber Ihr Verdienst auch in dieser Beziehung — wie viel Hunderte und Hunderte von Neugeborenen haben Sie als mm während der 60 Jahre U’a*« cms« bw mnaa d’Jdd — unserer heiligen Religion geweihet und gewidmet! Auch in diesem Sinn rufen wir begeistert und anerkennend! apy ■'Sy run m. Das dritte Segenswort lautet endlich apya px ü’an Man sieht kein Unrecht in Jrkob! Ihre Redlichkeit und Rechtschaffenheit hervorzuheben halte ich für ganz überflüssig. dafür zeugt ja die Hoch-chtung und Verehrung, deren Sie sich weit über die Grenzen der Stadt hinaus erfreuen, zeugt die Makellosigkeit Ihres Namens, die Ehrfurcht, mit der dieser Namen allenthalben genannt wird, dafür zeugt die Auszeichnung, die Ihnen von unserem gnädigen und erhabenen Herrn und Kaiser vor Jahren geworden, die Auszeichnung, die Ihnen in der nächsten Stunde von Seiten der ganzen Stadt. ohne Unterschied der Religion zu Theil werden wird — (Ehrenbürgerrecht). Sie können mit dem Propheten Samuel — Samuel 1. 12. 2. 3. ausrufen: „Siehe ich bin alt und grau geworden, bin vor Euch gewandelt von meiner Jugend bis auf den heutigen Tag. Zeuget wider mich vor Gott und seinem Gesalbten" und wir müssen alle sagen und antworten a^ya p« Lran ab. Es hat Niemand Unrecht gesehen an Jacob. Da der Rabbiner Hr. Dr. Kohn auch von Seiten des Beth-tzamidrasch mit der Ansprache an den Jubilar betraut wurde, berührte er noch einmal die großen Verdienste des Jubilars um das Beth - Hamidrasch und überreichte anspielend auf das Wort oaKBr onaa rx 'iai ma □’rya D.amrps Paix dem Jubilar eine sehr kostbare Fruchtschale im Namen der Mitglieder des Beth.Hamidrafch als Beweis ihrer Anerkennung und Verehrung. Tiefgerührt antwortete der Jubilar in kurzen aber herzlichen Worten. Hierauf kam der Magistrat, das Stadtverordneten -- Collegium in corpore, und nachdem der Stadtverordneten-Vorsteher, Herr Rechtsanwalt Honiger die Verdienste des greisen Jubelpaares um die Stadt