Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1879)
- Date
- 1879-01-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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108 ziehirng G s. D. bedeutend günstiger; dem Lehrermangel ist durch die Anstalt ziemlich abgeholfen, da sie durch die Bortheile, die sie den Zöglingen bietet, viele junge Leute für den Beruf gewinnt und heranzieht; sie sendet aber auch den Gemeinden solche Lehrer, die nicht nur ein zeitgemäßes profanes Wissen besitzen, sondern auf dem Gebiete unserer min heimisch und im Stande sind •nmi nwb jopo So erfreulich nun auch die bisherige Betheiligung an diesem großen Werke ist, so läßt sich immerhin bei richtigem Verständniß desselben und Beherzigung seines hohen Zweckes Größeres erwarten. Ich möchte mir daher erlauben, die verehr!. Vorstandschaft mit dem zu bildenden Curatorium auf zwei Faktoren aufmerksam zu machen, die bisher noch nicht genug in Anregung gebracht worden, und doch ist die Betheiligung des einen nichts als Pflicht der Selbsterhaltung, die des andern eine Pflicht der schuldigsten Dankbarkeit. Eine Pflicht der Selbsterhaltung ist es für die Gemeinden als solche, indem sie durch die Erhaltung und Förderung dieser Anstalt den Lebensnerv ihrer Existenz stärken; denn mit der S8rge für richtige und tüchtige Jugendbildner haben sie für ein Geschleckt gesorgt, das Liebe zu den jüdischen Justitutionen, Sinn für die jüdische Zusammengehörigkeit, für Recht und Billigkeit haben wird,'ja sie selbst haben Gelegenheit, aus ihrer Mitte solche Jugendbildner durch die Anstalt heranbilden zu lasse« und so in zweifacher Weise den Genuß ihres Beitrages sich zu sichern, sie hätten damit eine Anlage gemacht, die sich reichlich verzinst. Sicher wird eine überzeugende Darlegung in diesem Sinne ein an- und entsprechender Aufruf zunächst an die Gemeinden Bayerns dieselben bereit finden, einen ihrer Leistungsfähigkeit angemessenen ständigen Beitrag zu bewilligen und sie werden nicht anstehen, denselben für immer in das Jahresbudget einzusetzen. Vorstände und einflußreiche Persönlichkeiten müßten in erster Linie allerdings dafür interefstrt werden. Damit sollte jedoch der Privat- Munificenz keine Schranken gesetzt und werden eS sich einzelne Gönner der Anstalt nicht nehmen lassen, derselben vor wie nach ihre Unterstützung zu widmen. Der zweite Faktor, für den eine begeisterte Thätigkeit für die Anstalt ein Akt der Dankbarkeit wäre, daS sind die bereits in der Anstalt ausgebildeten sich in der Praxis befindenden Lehrer. Diesen soll und wird es gewiß eine Befriedigung, eine Genugthuung gewähren, wenn sie Gelegenheit haben, sich ihrer Wohlthäterin dankbar zu erweisen, an dem Werke mit zu arbeiten, dem sie mit Gottes Hilfe ihre AustellungSfähigkeit, ihre Existenz verdanken und solche Gelegenheiten bieten sich ihnen gewiß oft in ihrem Wirkungskreise, bei freudigen Anlässen rc., überhaupt wenn sie ihren vollen Einfluß zum Besten der Anstalt in Bezug auf Beiträge geltend machen; so mancher dieser Herren würde bei geeigneter Anregung sich zur Aufgabe machen, für eine jährliche Srllnme aufzukommen. Auf diese Weise würden die nunmehr amtirenden Zöglinge der Anstalt für die Vergangenheit und Zukunft arbeiten, und die Anstalt würde gleichsam einen Theil ihrer Erhaltung in sich selber finden. Mögen diese Vorschläge so ausgenommen werden. wie sie gemeint, und möge es gelingen, der Anstalt neue Existenzmittel züzuführen und neue Quellen zu eröffnen, auf daß das schöne Werk sich immer mehr entfalte und Segen verbreite. Sie, geehrtester Herr Redakteur, wollen gütigst entschuldigen, wenn ich in obigem Betreff den Raum Ihres geschätzten Blattes etwa überschritten habe; ick bin überzeugt, daß Sie, wie jeder andern spezifisch jüdischen Angelegenheit, auch der obigen, die nicht blos ein lokales, sondern ein öffentliches Interesse im eminenten Sinne hat, gerne die Spalten Ihrer geschätzten vielgelesenen Zeitschrift öffnen. Würzburg, im Januar. Ich habe Ihnen heute von der ersten Amtshandlung unsrer neuen Cultus-Verwaltung zu berichten. Die kgl. Regierung hat auf den 27. ds. eine Delegirten-Versammlung aus dem RabbinatS-Distrikte anberaumt, bei welcher die Rabbinats-Ängelegenheiten besprochen und über die Wiederbesetzung, sowie Besoldung, endgiltig Beschluß gefaßt werden solle. Zu derselben seien von der hiesigen Gemeinde zwei, von jeder anderen Gemeinde des Distrikts ein Vertreter abzuordnen. In einer Borstandssttzung wurden nun die zwei Vertreter für hiesige Gemeinde designirt; außerdem wurden noch sieben Punkte festgesetzt, welche von unseren Delegirten bei der Versammlung zu beantragen und zu vertreten seien. Diese sieben Punkte wurden einer auf deu 12. dS. berufenen Gemeinde-Versammlung zur Berathuug und Abstimmung vorgelegt. Als erster und wichtigster Punkt stand auf der Tagesordnung, daS Provisorium in der Rabbinats-Berwesung sei auf e i n Jahr auSzudehnen, indem man dadurch erstens Zeit gewinne, sich mit dem Lande über die divergirenden Fragen gütlich auseinanderzusetzen und zweitens sei es ein Act der Pietät gegen dev dahingeschiedenen, unvergeßlichen, theuren Rabbi, die Stelle innerhalb eines Jahres nicht anderweitig definitiv zu besetzen. Als fernere wichtige Punkte sind die Besoldung des künftigen Rabbiners und die Pensionirunz der RabbinerS- Wittwe zu bezeichnen. In ersterer Bezie-Hnag wurden 4000 Mark, für letztere 1400 Mark pro- <*