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Der Israelit · 1879-01-29 · Heft 5 (29.1.1879) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 5 (29.1.1879)
Date
1879-01-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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107 pro anno; macht auf 20,000 jüdische Seelen etwa 10 Mark für das ganze Jahr!! Wahrllich, eine verlockende Aussicht. Nein, es ist die fromme Sehnsucht, an den heiligen Stätten zu wohnen, an den Trümmern des heiligen Tempels zu beten, in einer echt frommen, vom Geiste der Thora durchtränkten Umgebung zu leben — diese Sehnsucht ist es, welche jene Männer und Frauen nach Palästina geführt hat und sie alle Unbilden freudig und gern ertragen läßt. Und so leben sie ein Leben der Frömmigkeit und Heiligkeit, der Arbeitsamkeit und Entsagung, und beten an den heiligen Stätten für die edlen Spender, die dazu beitragen, ihre in materieller Beziehung so armselige Existenz, wenn auch nur um Weniges, zu verbessern, schätzen wir uns glücklich, daß uns Gott die Gnade zu Theil werden läßt, für diese Armen thätig sein zu können und sie vom Hungertode zu erretten. Ehre und Preis unfern theuren Gesinnungsgenossen in Württemberg, die trotz der traurigen jüdischen Verhältnisse in ihrem engeren Vaterlande ein treues Herz den Armen im heiligen Lande bewahrt haben. Mögen sie endlich auch sich ermannen, und ihre religiöse Selbstständigkeit erringen, damit auch die Württembergischen Israeliten das echte, wahre, unverfälschte Judenthum sich erhalten für alle Ewigkeit.— Zeit,ingsn ach richten <8f Correspondenzen. Deutschland. Würzburg. Nummer 1 Ihres geschätzten Blattes a. c. brachte uns einen Auszug des Jahresberichtes über die hiesige isr. Lehrerbildungs-Anstalt pro 1877/78 von Nathan Bamberger, Rabbinats- Verweser und Vorsteher derselben. Die Resultate, die intellectuellen wie die materiellen, die der Rechenschaftsbericht selbst auch für das abgelaufene Schuljahr uns mittheilt, sind wiederum äußerst erfreulicher Natur und sind ebenso ehrenhaft für die Vorstandschaft und Lehrer der Anstalt als für die Gönner und Förderer derselben. Denn während auf der einen Seite der Beweis geliefert wird, was ein in edelster Absicht gegründetes und geleitetes Werk zu Stande zu bringen und welche günstige Wirksamkeit zu erzielen vermag, beweisen andrerseits die reichen Gaben, die Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen und den Bildungstrieb, der ihnen inne wohnt, indem sie eine Anstalt fördern, deren eigentlichster Beruf es ist, Bildung und Kenntnisse zu verbreiten. Trotz der Ungunst der Zeit ward die Vorirandschaft durch freiwillige Beiträge in den Stand gesetzt, ein Plus zu verzeichnen und das Stammkapital um beinahe 1000 Mark zu vermehren. Soweit hätte der Rechenschaft nur Erfreuliches für uns. Mit Recht hingegen sagt der ehrwürdige Herr Verfasser gleich Eingangs der Vorrede, daß der diesjährige Jahresbericht „die traurigsten Ge- „fühle, die wehmüthigsten Empfindungen bei Jedem „Hervorrufen werde, da der gerechte, edle, thätige, „gelehrte, für alles Gute und Wahre feurige Mann, „der Gründer und Leiter, Erhalter und Führer dieser so segensreichen Lehrerbildungs-Anstalt nicht mehr sei." Ja, es ist ein schmerzlichs Gefühl, so oft wir an diesen schweren Verlust erinnert werden, es ist eine aus dem Tiefinnersten dringende Klage, daß diese Kraft, die noch so viel Heilsames und Segenbringendes hätte schaffen können, nunmehr erlahmt und ihr wohlthätiges Licht erloschen isi. Doch sprechen wir auch hier, wenn auch mit veränderter Wortstellung Dir vp im 'n np“? 'n -)-üd 'n „Gott hat gegeben, Gott hat genommen. Sein heil. Name sei gepriesen!" Ja, Gott hat genommep, aber auch wieder gegeben, indem uns in dem Sohne des Verstorbenen möglichst Ersatz geworden, von dem sich erwarten läßt, daß er mit gleicher Hingabe das Interesse der Anstalt fördern, daß die streng gewissenhafte, uneigennützige Führung traditionell geworden und in dessen Händen die Anstalt mit Gottes Hilfe fortgedeihen und fortblühen wird. Seien wir daher beruhigt; möge das Schmerzgefühl ob des schweren Verlustes unsere Thatkraft nicht erlahmen, mögen wir vielmehr eine um so größere Thätigkeit für das Wohl und die Fortentwickelung dieser so wichtigen wohlthätigen Institutionen entfalten und zwar hauptsächlich der Sache selber wegen, die ja wichtig genug, unser volles Interesse zu fesseln. Es ist noch nicht zu bezweifeln, daß die Opferwilligkeit dieselbe bleiben, daß keiner von den bisherigen Gönnern und Förderern in seiner Thätigkeit ablassen wird; aber die erhöhten Ansprüche, der Zudrang um Aufnahme in die Anstalt, erfordern erhöhte Mittel, demnach auch eine noch größere allgemeinere Betheiligung an der Unterstützung. Um diese zu erregen, ist es wohl am Platze, eine Reminiscenz über die früheren Zustände anzustellen. Der Lehrermangel war so groß, daß die wenigen das kgl. Schull hrer- Seminar absolvirenden Schulamts- Candidaten ein gar zu geringes Maaß von religiösem Wissen mit in die Praxis brachten, um auch nur das Nothwendigste aus unserer Religionswissenschaft gedeihlich zu unterrichten und daß dieser Gegenstand, weil bei ihnen selbst nur schwach vertreten, auch sehr stiefmütterlich behandelt würde. Heute sind die Verhältnisse in dieser Be- # i

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