Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1879)
- Date
- 1879-01-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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106 chen Einnahmen desselben, die die Ausgaben weitaus übersteigen, gefreut und haben mit Wohlgefallen berichtet, daß es der Anstalt bereits gelungen, sich ein großes Vermögen, 176,770 Mark 61 Pfg., zu erwerben. *) Was veranlaßt aHo jenes kleine „n" (so ist der Artikel der „N. Z." signirt), für das Waisenhaus in Eßlingen Propaganda machen zu wollen? Nun, das ist in der That gar nichtseine Absicht; es (das Ennchen) will lediglich seinem Aerger darüber Luft machen, daß es in Württemberg noch orthodoxe Gemeinden gibt, welche dazu beitragen wollen, daß unsere armen, unglücklichen Brüder im Lande unserer Väter nicht Hungers sterben — und zu diesem Zwecke schmäht es (das Ennchen) jene Armen in ganz entsetzlicher Weise. „Das verworfenste Gesindel, welche (sic!) je die Sonne beschienen hat" — solche Ausdrücke schleudert in Bezug auf unsere Brüder in Palästina der Verleumder in die Welt — „verkommene Individuen , die sich dem Müssiggange ergeben und sich im tiefsten Koth des Lasters und der Gemeinheit wälzen." Wir brauchen solche Expectorationen nicht zu widerlegen; Jedermann weiß, daß das Lüge und Verleumdung ist. Wir wollen hier nur wiederholt auf das treffliche Buch von Dr. Neu mann, gegenwärtig in Hamburg, verweisen: „Das heilige Land und seine Bewohner", aus dem wir im Jahre 77 mannigfache Auszüge gebracht. Jedermann, der sich für das Land unserer Väter und dessen gegenwärtige Bewohner interessirt, sollte sich dies treffliche Buch anschaffen. Dr. Neumann war viele Jahre Arzt am Rothschild'schen Hospital in Jerusalem und kennt Land und Leute genau. Sein Buch zeigt genugsam, daß er auf der Höhe der Wissenschaft und Bildung steht. Dieser Mann stellt den isr. Bewohnern von Palästina das glänzendste Zeugniß aus; er rühmt nicht nur ihre gottergebene Frömmigkeit, ihr großes talmudisches Wissen, sondern namentlich ihren Fleiß, ihre Arbeitsamkeit, ihre Geschicklichkeit in allen Handwerken, ihre beispiellose Genügsamkeit. Herr Dr Neumann erörtert zugleich die Ursachen, warum die Armuth dort so groß ist und von Zeit zu Zeit Hungersnoth und Krankheiten dort ausbrechen; es sind das theils klimatische, theils politische Ursachen. Jenes Land, wo einst Milch und Honig floß, wird wieder zu seiner ehemaligen Blüthe gelangen; für jetzt sind die Zustände dort sehr) sehr traurig. Vielleicht * Anmerk, der Red.: Wenn es wirklich wahr sein sollte, daß, wie der beregte Artikel behauptet, von orthodoxer Seite wenig für das Waisenhaus gespendet wird, so muß das in den Verhältnissen der Anstalt seinen Grund haben, die vielleicht den religiösen Anforderungen nicht ganz ensprechen. werden diese Verhältnisse bald durch den Einfluß, den England auf das osmanische Reich üben wird, gebessert werden. Was nun das „n" der „Neuen Zeitung" betrifft, so wollen wir ihm (einem Württembergschen Rabbinerlein) doch sagen, daß ein Schreinerlehrling in Jerusalem mehr vom Talmud weiß, als es. Das „n" sagt nämlich ganz unverfroren, der Talmud stelle den Grundsatz auf: „Die Armen deines Landes gehen denjenigen anderer Länder vor". Das sagt der Talmud gar snicht; es heißt vielmehr: „Die Armen deiner Stadt gehen denjenigen einer andern Stadt vor." Und gleich fährt der Talmud, oder vielmehr der Sifre fort: p« 'Otcn’i pNb nsnn ’jcyp „Die Armen Palästinas verdienen mehr Berücksichtigung als die anderer Länder (selbst des eigenen Landes). — Aber bei allen diesen Vorschriften handelt es sich nur um die 7!2'ip, um die Berücksichtigung unter gleichen Verhältnissen; wenn es aber gilt, Leben zu erhalten, vom Hungertode zu retten, da hören alle Rücksichten auf, da muß zur Lebensrettung geschritten werden, gleichviel, weß' Landes Kind der in Gefahr sich Befindende auch sein mag. (Vergleiche Responsen des Rabbi Moscheh Sofer zu Joreh Deah, Resp.233 u. 234). Nun, hier handelt es sich um Lebensrettung, um Rettung der Bewohner des heiligen Landes vom Hungertode — wer möchte da wohl mit seiner Gabe säumen? Und in der That dd cnpnp heilig ist Israel! Kaum hatten wir sin Nr. 2 d. I. den Nothruf aus Palästina ertönen lassen, als uns auch sofort von allen Seiten die Gaben reichlichst zuflossen und, G. s. D-, noch immerwährend zufließen, so daß wir nächster Tage wieder eine ziemlich bedeutende Summe an das Central-Comite zu Amsterdam abgehen lassen werden. Die Erfahrung hat gelehrt, daß, jemehr die Bösen gegen unsere bedauernswerthen Glaubensgenossen im heiligen Lande wüthen, desto reichlicher die Gaben fließen. Es -ruht sichtbarlich der Segen Gottes auf diesen Sammlungen. Es kann ja auch gar nicht anders sein. Wer noch ein jüdisches Herz hat, muß dieser so hart bedrängten Brüder und Schwestern in Liebe gedenken. Was zieht sie denn nachdem heiligen Lande? Es gibt dort weder Theater noch Concerte, weder Circus noch Maskenbälle. Es gibt dort nur ein Leben voller Entbehrungen, Hunger und Kummer. Oder ist es, wie das liebliche' „n" behauptet, die Aussicht auf die Chalukah, die Almosenvertheilung, welche die Leute veranlaßt, im heiligen Lande zu wohnen? Die Summe aller vom Auslande (Deutschland, Oesterreich, Holland, Frankreich, England, Rußland, Amerika rc.) kommenden Spenden beträgt ungefähr 200,000 Mark