Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1879)
- Date
- 1879-01-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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82 Mahnung oder Festsetzung deS Zahlungstermines. Wer hat nun den Schaden zu ersetzen, nachdem Alles zerstört uud ruinirt ist? Unsere Cultusgemeinde, aus kaum 30 Familien bestehend, erhält aus eigenen Mitteln eine öffentliche Schule, welche hier die einzige ist, in welcher die Unterrichtssprache die ungarische ist. Nur mit außerordentlichen Anstrengungen ist es ihr möglich, diese Schule zu erhalten und ihren Cultus zu bestreiten, ohne daß sie bis jetzt von irgendwo eine Subvention erhalten hätte, oder Jemanden zur Last gefallen wäre. Noch härter war es, dieses Schulgebäude und diesen Tempel zu erbauen und einzurichten — und jetzt kommt irgend ein Steuer- Pascha, reißt alles Niet- und Nagelfeste auseinander, ruinirt selbst die Wände und den Boden, verursacht der Gemeinde einen bedeutenden Schaden, ruft die Entrüstung der hiesigen Einwohner aller Cvnfessionen hervor. Und zu welchem Zwecke? Um dem Staatsschätze vielleicht ein, zwei Gulden einzubringen; denn wenn diese Tempeleinrichtung, als ein altes Gerümpel, im Licitationswege verschleudert wird, verbleibt nach Abzug der Executions - und Transferirungs-Kosten schwerlich ein höherer Ertrag. Bulgarien. Aus Bulgarien. In der dritten und höchsten Gruppe der bulgarischen Kammer-Deputirten haben nur Bischöfe und andere hohe Geistliche Sitz. In dem Verzeichniß dieser Personen befindet sich der Oberrabbiner von Sophia. E n g l a n d. Laudon. Einen großen und schmerzlichen Verlust hat die hiesige jüdische und speciell die spanisch-portugiesische Gemeinde erlitten. Dr.Binjamin Artom, Oberrabbiner der letztgenannten Gemeinde, ist nach einem Unwohlsein von nur wenigen Stunden im Alter von nur 46 Jahren am 11. Tebeth plötzlich in Brighton gestorben, nachdem er noch Tags zuvor ganz ausgefastet. Die Nachricht von seinem Tode hat dahier in allen jüdischen Kreisen den tiefsten Eindruck hervorgerufen; denn Dr. Artom hatte sich dut'ch seine echte und aufrichtige Frömmigkeit, seine große Gelehrsamkeit in jüdischen und profanen Wissenschaften, durch sein großartiges Rednertalent und durch die von ihm erstrebte und erreicht? Förderung desJugendunterria res die ungetheiltc Liebe und höchste Achtung. nicht nur seiner Gemeiridcmitglieder erworben, sondern er wurde auch von den ajmkenasischen Gemeinden hochgeschätzt und geehrt. Die allgemeine Trauer, die hier herrscht, ist aus den Kundgebungen, die seitens des Oberrabbiners vr. Adler, des General-NatheS der United - Synagogue und des Rathes der Anglo-Jewish-Association alsbald erfolgten, deutlich zu erkennen. Die Leiche wurde von Brighton hierher gebracht und Dienstag den 7. Januar unter außerordentlich großer Betheiligung der hiesigen Juden und Vertreter aller Synagogen und jüdischer Vereine auf dem Friedhofe der portugiesischen Gemeinde beerdigt. Heber hundert Trauerwagen folgten dem Sorge. Die Herren Prediger A. L. Green D. P iza und l)r. Herman A d ler hielten Trauer- Reden. Geboren in Asti in Italien, war 1)r. Benjamin Artom zuerst in seiner Vaterstadt Rabbiner, von wo aus er nach Neapel berufen wurde. Daselbst organisirte er die jüdische Gemeinde, die vorher ganz klein und unbedeutend gewesen. 1366 wurde er von der portugiesischen Gemeinde in London zum Oberrabdiner erwählt, woselbst er segensreich bis zu seinem Tode wirkte. Durch seine Frau, Heurietta Hakaba David geb. Ezekiel, war er mit der weltberühmten Familie Sassoon in London und Bombay verwandt; er starb kinderlos. iV'sWn. Feuilleton. Iakoliine. E i n L e b e n s b i l d. Bon Friedrich Mott. IV. Sobald er sein eigenes ärmliches Heim erreicht hatte, schrieb er seiner Schwägerin, daß er, ihrem Wunsche entsprechend, einen Brief nach H.... gesendet, bat sie unbesorgt zu sein und nur an ihre Genesung zu denken und versprach, sobald es seine Geschäfte erlauben würden, sich wieoer persönlich von ihrem Befinden zu überzeugen. Bertha erholte sich in der That rascher als ihre Freunde es zu hoffen gewagt. Die Hoffnung, sobald sie genügend gekräftigt, dem fernen Gatten zuzucilen, schien ihre Genesung zu beschleunigen, und auch ihr Kind gedieh. Mit glühendem Verlangen sahnte sie sich zwar nach Nachricht von dem Entflohenen, doch Anlaß zur Beunruhigung erblickte sie nicht: ihr Schwager hatte es ihr doch vorausgej^gt, daß sie Wochenlang werde warten müssen.