Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1879)
- Date
- 1879-01-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XX. Jahrgang. Erste Seilage zu ttr. 4 -es Israelit. ^eilttngsnachricbten Sf Cvrrefpondenzen. Deutschland. Berlin. In der Stadt Greiffenberg in Pommern sind die jüd. Studirenden von dem Genüsse städtischer Stipendien ausgeschlossen. Deswegen hat sich der Vorstand der dortigen Synagogengemeinde veschwerdeführend an das Abgeordnetenhaus gewandt und um Abänderung des betreffenden Regulativs gebeten. Die Petition ist der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen worden. Diese hat denn auch mit den städtischen Behörden von Greiffenberg verhagelt, aber dieselben haben es abgelehnt, einen Antrag auf entsprechende Aenderung des Regulativs zu stellen Unter diesen Umstäden hat der Petition keine Folge gegeben werden können. Colberg. Dem fünften Jahresbericht über die Verwaltung des jüd. Kurhospitals im Sool- und Seebade Colberg im Jahre 1878 entnehmen wir: Vom 16. Juni bis zum 15. September ihrer Bestimmung übergeben, hat sie an 1001 Verpflegungstagen 33 unbemittelten Patienten (14 Männern, 19 Frauen) zum Behufe einer Sool - und Seebadekur unentgeltlich Obdach, Verpflegung und ärztliche Behandlung geboten. Von ihnen waren 18 Personen aus Berlin, 6 aus Pommern (darunter kein Colberger), je 3 aus der Provinz Posen und Preußen, und je 1 aus der Provinz Schlesien, dem Königr. Sachsen und der freien Reichsstadt Hamburg Es wurden in der Anstalt 603 Soolbäder verabreicht und in den städtischen Anstalten 240 Seebäder genommen, wofür von den städtischen Behörden menschenfreundlich Freikarten zur Verfügung gestellt wurden. Entlassen wurden: 12 Patienten als „geheilt", 20 als „gebessert" und 1 als „voraussichtlich gebessert". Wiederum also hat eine nicht unansehnliche Anzahl von Armen und Kranken der Anstalt das kostbarste Gut: Leben und Gesundheit, Linderung und verjüngte Kraft zu danken. Die Einnahmen der Anstalt betrugen 8916 Mark 66 Pf., — die Ausgaben 3689 Mark 61 Pf. — Fast die Hälfte der Einnahme^ bestand aus laufenden Jahresbeiträgen, die wohlwollende Gönner und Freunde, sowohl Gemeinden und Vereine als Privatpersonen, der Anstalt zuwendeten. Beim Jahresschlüsse zählten wir 215 Mitglieder mit einem Jahresbeiträge von 1772 Mark. Gegen das Vorjahr ist die Anzahl der Mitglieder um 19, die Summe der Jahresbeiträge um 149 Mark 50 Pf. i gestiegen. Dresden, 2. Jan. Sie haben in Nr. 45 v. I. die Auszeichnung unseres Synagogenvorste- ' Hers H. I. Mendel Cohn von Seiten des deutschen Kaisers erwähnt. Dieser wahre m.-p hat vom H. Oberrabb. Chacham Baschi Abraham Aschkenasi in Jerusalem die wohlverdiente mio erhalten. H Julius M. Cohn ist für die Nothleidenden Palästinas hier sehr thätig und sendet öfters aus Eigenem Unterstützung nach Jerusalem. Leipzig. Der Cassenbericht für 1678 der deutsch-israel. Darlehns - Casse für Frauen und Jungfrauen weist eine Einnahme von 3400 Mk. und eine Ausgabe von 3249 Mk., und einen Fond von 45,632 Mk. auf. Darlehen wurden gewährt: an 6 Frauen 902 Mk., an 2 Wittwen 350 Mk., an 10 Mädchen 1997 Mk. Von den Darlehns- Empfängerinnen sind: 7 aus Sachsen, 4 aus Anhalt, 2 aus Mecklenburg, 1 aus Frankfurt a. M., 1 aus Westpreußen, 2 aus Pommern, 1 aus Thüringen. Oefterreichisch-Ungarische Monarchie. Molleirr (Ungarn). Die hiesige jüdische Cultusgemeinde besitzt eine Realität, aus einem Schulgebäude mit einem Wohnzimmer für den Lehrer und einem Tempelgebäude im Hofraume bestehend. Gestern kam ein Steuerexecutor mit Wagen in den Tempelhof, öffnete den Tempel, ließ sämmtliche Tempeleinrichtungen, als: Sitze, Betpulte rc., die theils auf dem Boden, theils an den Wänden befestigt waren, losreißen, die Leuchter und Lustres von den Wänden reißen und vom Plafonde loslösen und Alles, theils noch gestern Nachmittags, theils heute in's Gemeindehaus überführen. In den Betpulten befanden sich auch Gebetmäntel , Gebetbücher rc., die ebenfalls mitgeschleppt wurden — und dies alles wegen einer angeblichen Steuerschuld auf die genannte Realität, und zwar ohne vorhergegangene schriftliche