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Der Israelit · 1879-01-22 · Heft 4 (22.1.1879) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 4 (22.1.1879)
Date
1879-01-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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79 Frau Rabinowitsch ein ganzes Convolut von Briefen bei, die ihr Vater noch bis an sein spätes Alter an sie gerichtet hat und welche, in hebräi- Lettern geschrieben, die väterlichste Zärtlichkeit athmen, dabei freilich auch den Verewigten in dem wunderlichen Lichte eines Börsenmannes erscheinen lassen, der in jeder seiner glücklichen Operationen eine gnädige Fügung des Himmels erblickt und mitten in seinen intimsten Herzensergüssen nach dem Courszettel schielt. So schreibt er z. B.: Ja wohl, meine Tochter, ich habe in Deiner schönen Seele gelesen: Du bist mein Kind. Du hast Worte zu mir gesprochen, die nie aus meinem Gedächtniß schwinden werden. Der Herr segne Dich! Gestern habe ich an der Börse wieder einen sehr glücklichen Tag gehabt. Gott wird mich nickt verlassen. Bitte zu Gott für mich?, wie ich für Dich zu ihm bitte. Ich bleibe in Ewigkeit Dein Dich liebender Vater . . . Und ein anderes Mal: Meine liebe, einzige, vielgeliebte Tochter, Du hast mir viele schlaflose Nächte gemacht; aus der Schrift Deines Briefes ersehe ich, daß Du noch leidend bist. Ich will doch hoffen, daß Du Deinen alten Vater nicht allein lassen wirst. Gott sei Dank, meine Geschäfte sich seit Kurzem gebessert. Im nächsten Monat hoffe ich mit Gottes Hilfe mit den Lombarden und den Autrichiens fertig zu sein. Wenu ich nicht Alles wieder gewinne, werde ich doch nur einen Theit verlieren. Es ist aber auch möglich, daß ich Alles rette und sogar noch Einiges dazu . . . Das Gericht hatte im Mai 1877 eine Enquete über verschiedene Thatsachen angeordnet, welche die legitime Geburt der Frau Rabinowitsch beweisen sollen; diese Erhebungen sind nicht nur in den russischen Städten Slusk, Rogau-Chewo, Hohileff, Minsk, Bobruiik, sondern auch in Frankfurt a. M , Paris und Versailles gepflogen worden und haben daher viel Zeit in Anspruch genommen. Gestern begannen die Plaidoyers und die Entscheidung erster Instanz dürfte demnächst gefällt werben. Feuilleton. Aabbi Ioselmann von Aosheim. Eine historische Erzählung. XXVII. Die Geistlichkeit, und namentlich die Dominicaner-Mönche, zu allen Zeiten und an allen Orten die grimmigsten Feinde der Juden, sahen es sehr ungern, daß ein Jude bei der christlichen Bevölkerung so hoch in Ansehen stand. Schon war in der Dominicaner.Kirche, doch ohne Erfolg, dagegen gepredigt worden. In seiner Zelle faß Pater Valentinus, der Prior der Dominicaner, und sann darüber nach, was er wohl gegen diesen Juden, der vielleicht gar in den Geruch der Heiligkeit kommen könne, zu unternehmen vermöchte. Da öffnete sich die Thüre, und ein kleiner, häßlicher Mann mit rothen Haaren trat herein. „Ehrwürdiger Vater", sagte er, dem Prior dieHand küssend, „der hochwürdigste Herr Arnold von Tongern in Cöln entbietet Euch durch mich seine respektvollen Grüße.' „„Ihr seid . . . „Euer Hochwürden unterthänigfter Knecht Johannes Pfefferkorn." „„Ah, Ihr seid der berühmte Pfefferkorn, der gelahrte ehemalige Rabbiner, dem in so wunderbarer Weise die Erleuchtung gekommen und der jetzt so eifrig arbeitet im Weinberge des Herrn! O, wie freue ich mich, daß Ihr gerade jetzt hierhergekommen seid, da ein Jude Namens Joselin von Rvsheim uns hier so vielen Verdruß bereitet. Setzt Euch, Bruder Johannes „Gerade wegen dieses Juden", sagte der Apostat , fick auf den angewiesenen Stuhl niederlassend, bin ich hierhergesandt worden Ich war schon in Nosheim und erfuhr daselbst, daß der Unselige sich gegenwärtig hier aushalte. Dieser Joselin ist es, der meine feinangelegten und mit unsäglicher Mühe zur Ausführung gebrachten Pläne gegen die lästerlichen Bücher der Juden zu Nichte gemacht bat. Wären die Bücher verbrannt worden, so hätten die Juden allen Rückhalt verloren; ihr Trotz und ihre Hartnäckigkeit wären allmählich gebrochen worden, und binnen kurzer Zeit wären sie alle in den Schooß der allein selig machenden Kirche geeilt. Jetzt aber hat ihre Hartnäckigkeit nur noch neue Nahrung gewonnen. In diesem Joselin sehen sie ihren Hort und Beschützer; daher vermeinen die hochwürdigen Väter vom Orden des heiligen Dominicas zu Cöln, die durch den gottverdammten Sünder Johann Reuchlrn um der Juden willen so viel zu leiden haben, daß vor Allem in diesem Joselin der Kopf der Schlange zertreten werden müsse, jener Schlange, welche schon den Adam verführt und die Erbsünde in die Welt gebracht hat." „„Ich bin ganz einverstanden mit meinen gelahrten Brüdern in Cöln. Aber, wie kann man's anfangen, dem gottlosen Juden beizukommen? Er ist zum Kaiserlichen Befehlshaber ernannt. Mit Gewalt ist nichts gegen ihn auszurichten, und ließe man ihn heimlich aus dem Wege schaffen . . „Nein, hochwürdiger Vater, das geht nicht;

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