Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1879)
- Date
- 1879-01-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2447797-2447802--15756-2471717- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
76 so groß als unter uuseten christlichen Mitbürgern. Außer in Oesterreich gibt es dermalen keine andere Taubstummen-Anstalt für jüdische Kinder in ganz Deutsch, land, während die 79 vorhandenen staatlichen und communalen Anstalten kaum ausreichen, um den dritten Theil der überhaupt vorhandenen taubstummen Kinder aufzunehmen. Dazu kommt noch, daß wenn ein jüdischer Taubstummer wirklich in eine der vorhandenen Anstalten ausgenommen würde, er nicht vermeiden kann, in der christlichen Religion unterrichtet zu werden, wie überhaupt naturgemäß in solchen Anstalten die ganze Erziehung streng confessionell gehalten ist. Dies hat zur Folge, daß jüdische Eltern, denen darau liegt, ihre taubstummen Kinder dem angestammten Glauben erhalten zu s hen, sie einer solchen Anstalt nicht anvertrauen wollen und wie thatsächlich der Fall ist, Hunderte ohne allen Unterricht heranwachsen, sich zur > .ual und den Gemeinden zur Last, wähtend sie unter anderen Veehältnissen nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft geworden wären. Das Reich'sche Institut hat in seinem bisher allerdings bescheidenen Umfang durch wohlthätige Beiträge und eigene Einnahme von Pensionären eine gesunde segensreiche Existenz gehabt. Da aber eine Vergrößerung desselben gegenüber dem so großen Bedücfniß dringend geboten, so würde eine dem entsprechende Beischaffung weiterer Einnahmen diesem zur Seite gehen müssen Der Ausschuß des deutsch-israelitefchrn Gemeindebundcs fordert daher in einem Circular auf, einerseits diejenigen Eltern von taubstnmmen Kindern, die im Stande find, die mäßige» Pensionskosten (Mark 750) selbst zu zahlen, auf das Institut aufmerksam zu machen, anderseits in obigem Sinne für solche Kinder, deren Angehärige solchen Beitrag nicht ganz oder thcilweise aufbtingcn können, die Mildthätigkeit Anderer, namentlich der betreffenden Gemeinde anzurufen, wie z. B. die Leipziger Gemeinde für ein Kind dermalen 600 Mark zahlt, auch auf Erlangung von Legaten aus Hiutcrlasseuschaften reicher Glaubensgenossen hinzuwirken. sowie das Mitgefühl von Taubstummen, welche in glücklichen Verhältnissen leben, für ihre Leidensgenossen wach zu rufen. Die Absicht ist, von Ostern ab in dem Institut auch eiue Abtheilung für Mädchen cinzurichten, eine geeignete Kraft steht hierfür in Aussicht, auch die für die erste Einrichtung nöthige Capitaleinlage von ca. 1000 Mark ist von edeldenkender, dem Institut bisher schon hilfebereit nahestehender Hand zugesagt, unter der Bedingung, daß vorher die Anmeldunr von mindestens 4 Mädchen und deren Pensionsbeitrrg von mindestens je 600 Mark p. anno gesichert sei. Der Vorsitzende des Gemeindebundes, Herr Jacob Nacho d in Leipzig, hat durch persönliche Einsicht in die Einrichtungen und Leistungen des Instituts, in welchem der Haushalt streng rituell geführt wird, die Ueberzeugung von dessen segensreichem Wirten gewonnen und wird von demselben, wie von den Herren Geh. Regierungsrath S e e g e r t, (Geoeralinspector des Taubstummenwesens in Preußen), Geh. Commerzienrath Herz, Rabbiner Dr. Hildesheimer, Director Dr. Jutrosinsky, Rorsteher Jul. I. Meyer, Geh. Sanitätsrath Dr. Oe st re ich, sämmtlich in Berlin, auf Befragen gern eingehende Auskunft ertheilt werden Oesterr. - Ungarische Monarchie. Wien. Von den acht in Folge ihrer Tapferkeit in dem Occuptionskriege decorirten Artilleristen sind 2 Juden, Kanonier Fischer (Jude) hat während des Bombardements von Serajewa, nachdem mehrere Mann verwundet waren, drei Geschütze zu gleicher Zeit bedient, und Vormeister Gutstein hat durch mehrere wohlgezielte Schüsse der Artillerie, als sie auf allen Seiten bei Sarojewo von Jnsurgentenhausen beschossen wurde, die Actionsfreiheit wiedergegeben und die Türken zersprengt. Auch beim Regimente Sachsen-Meiningen befanden sich unter den decorirten Soldaten zwei Juden: Offiziersstellenvertreter Kohn und Führer Sigmund Löwy. Sonntag, den 1 d. M., fand in der großen Infanterie-Kaserne zu Bihac die Bertheilung von 5 J Medaillen an die Tapferstell des Regiments Airoldi statt. Die Bertheilung hätte in in feierlichen Weise vor sich gehen sollen ooch das abscheuliche bosnische Wetter (es regnet und schneit ununterbrochen) vereitelte dies. Generalmajor Zach pries vor der Mannschaft in einer schwungvollen Rede die Tapferkeit des Regimentes, welches in drei Schlachten mit Bravour kämpfte „Jeder Einzelne" — so sprach er unter Anderem — , verdiente die Tapferkeits-Medaille. Das Regiment wird sich zweifellos geehrt fühlen, die Tapfersten der Armee zu besitzen." Zur Erklärung dieser Worte des Generals diene Folgendes: Die große goldene Tapserkeitsmedaille wurde dem Cadet-Offiziers-Stellvertreter Gustav Morgenstern l einem Pester Israeliten) eigenhändig vom General an die Brust geheftet; außerdem erhielt Morgenstern eine große silberne Gedenkmünze. Den tapfersten Soldaten der Armee besitzt demnach das Regiment Airoldi Derselbe zeichnete sich besonders in dem Gefechte am 7. September aus, als die 12. Compagnie als rechte Flankendeckung unter Leitung des Hauptmanns Peter Sanjkovics und des genannten Cadeten bis au die Unna vordrang und sich, während die übrigen Compagnien sich zürückzogen, ganz allein über zwei Stunden hielt, den ganzen Rückzug deckend. Beide wurden übrigens verwundet. Die Anzahl der decorirten jüdischen Soldaten ist unververhältnißmäßig groß. Man sicht hieraus, daß die Tüchtigkeit der jüdischen Racc auch von Militärbehörden anerkannt wird, und sich in offener Schlacht ebenso bewährt, wie in den Werken des Friedens. Was werden sie nun sagen, die den Judenhaß professionsmäßig betreiben und aus der großen Zahl geadelter, decorirter oder durch Wahlen in die hervorragensten Körperschaften ausgezeichneter Juden