Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1879)
- Date
- 1879-01-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447797-2447802--15755-2471716- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
75 ES ist unnöthig. einen Commentar beizufügen, eS kann solchen sich ein Jeder selbst machen. Um etwaigen Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen wurde der iedti von Herrn Dr. Ehrmann statt in der Synagoge in dem RathhauSsaal gehalten. Derselbe entl-digte sich seiner Aufgabe in glänzender Weise. Er entrollte an der Hand geistreich erklärter Bibelstellen und Midraschim ein schönes, klares Bild von dem Leben und Wirken des Hingeschiedenen 2"i. So hob er besonders hervor, indem er den Ems auf nnsnsn yhp rwy 7*0’ 22 0712 L'02'0 17IN pW 7IV1P HON ~p anführte, daß es eine große Kunst sei, nur großen Männern eigen, die Friedenstrompete zum Versammeln und Ei.igen des Volkes, und die Kriegstrompete, wenn es gegen den Feind geht, so zu hantiren, daß ein Jedes an seinem Platze sei. Rabbi Mordechai Wetzlar 2"? habe es verstanden. Er, der auf der einen Seite, der gute, edle, milde und liebenswürdige Mann war, war auf der andern Seite, wo es galt, das jüdische Gesetz vor seinen Zerstörern zu bewahren, der zu energischstem Kampfe bereite Streiter. Der Redner bemerkte am Schlüsse seiner mit der größten Äusmerkiamkeit und tiefer Rührung angehörten Rede, daß das Andenken von Rabbi Mordechai Wetzlar b“\ nicht besser gefeiert werden könne, als wenn ein Jeder sich vorntmml, nur Etwas von dessen vielen, vorzüglichen Eigenschaften sich anzueignen, ein Jeder nach seiner Kraft. Es könne nicht Jeder ein großer po2, ein großer pns re. sein. Es sei aber ern Jeder verpflichtet, das ihm in seinem Kreise Mögliche auszuüben. O'OL'I 12b J'2’2' 12221 O'pOO.1 1.1X1 .121071 17!X. Außer vielen Fremden, welche zum 120.1 nach Gudens-- berg reisten, waren auch ein Sohn und ein Enkel des Verewigten 2"t aus Frankfurt a. M. dorthin gereist. Aus Westphalen. Die Amtsblätter der Kaiser!. Regierungen Westphalens pudliciren nachstehende Bekanntmachung des P.ovinzial-Schulcol» legiums zu Münster: „Die Wittwe des R. Rosenheim zu Cleve hat der Marks-Haindors'scken Stiftung Hierselbst ein Legat von 300 M. hinterlassen, was hiermit dankend zur Anzeige gebracht wird." — Der schon längere Jahre projectirt gewesene Bau einer, den Verhältnissen der Gemeinde entsprechenden neuen Synagoge zu Münster kommt endlich zur Ausführung; es wird an derselben unablässig gearbeitet und kommt dieselbe auf einem großen und schönen Platze an der Promenade zu stehen. Was man mit der alten dicht an die Wohnung des sel. Oberrabbiners Sutro angrenzenden alten Synagoge auf der Löhrftraße zu thun beabsichtigt, wissen wtr nicht. Wie wir hören, beabsichtigt man, in die neue bis zum Frühjahre fertig dastehenden Synagoge eine Orgel und andere moj dernen Firlefanz eiuzuführen. Es ist diesem Gerüchte schon deshalb Glauben zu schenken, weil I man schon vor mehreren Jahren in der alten Sy-! nagoge verschiedene unerlaubte Neuerungen, wie I z. B. das Beginnen des öffentl. Gottesdienstes mit dem 1LXL7 712-Gebete u. dgl. den Anfang dazu gemacht hat. So lange der Oberrabb. Sutro 2"s"i am Leben war, wurde der Gottesdienst in echt jüdischer altherkömmlicher Weise abgehalten und suchte derselbe durch seinen Einfluß das Eindringen von unerlaubten Neuerungen zu verhüten. Jetzt, wo Westphalen immer noch eines Rabbiners und solcher Männer. die p?2 qhö*j; sind, ermangelt , sind derartige betrübende Erscheinungen nichts Seltenes und deshalb nicht auffallend; denn 71 ipj>' rrjn ityn 22 Mx. Gebe Gott, daß es hier bald bester werde. daß die O'xi' endlich einmal zur Besinnung kämen und zur Lösung dieser in Rede stehenden Frage die Initiative ergreifen möchten. Die Erstarkung und Kräftigung unserer heiligen in dieser Provinz so sehr gesunkenen Religion, das Wohl der ihnen von Gott geschenkten Kinder stellt an alle Diejenigen, die es mit dem wahren Judenthum und seiner Interessen aufrichtig meinen, die unabweisbare Pflicht, sich zu ermannen, fest und einmürhig zusammen zu hatten und zur Lösung dieser höchst dringlichen Frage die geeranctuen Mittel zu ergreifen. Möge unser ausrichtig gemeinter Wunsch 7ixi-.ii 711111 pn2 recht bald in Erfüllung gegen und der Allmächtige dazu seineu gnädiglichen Beistand verleihen! Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Fürstentvalde Vor fünf Jahren hat Herr Marens Reich, ein erfahrener, mit Begeisterung seinem Berufe hingegebener Taubstummenlehrer, durch Beihülfe einiger edlen Menschenfreunde eine Erziehungsstätte für arme isr. tallbstumme Knaben tu Fürstenwalde errichtet, mit 4 Kindern beginnend. Die Gewinnung einer sittlich-religiösen Gesinnung und die Erziehung zur sittlichen Branchbarkeit ist das Ziel, welches das Institut sich gesteckt hat Die Zöglinge erhalten daher mit Ausnahme des Gesangs in 32 Lehrstunden wöchentlich in denselben Gegenständen Unterricht, wie hörende Kinder in den Volksschulen. Während nun seit jener Zeit dort 15 Knaben mit überraschendem Erfolge unterrichtet worden, ist das Vorhandensein dieser wohlthätigen Anstalt selbst in dem eine Stunde entfernten Berlin nur Wenigen bekannt, geschweige im übrigen Deutschland. Und doch ist das Bedürfuiß dafür in hohem Grade vorhanden; denn d ieses Gebrechen an Gehör und Sprache ist gerade unter den Juden unverhältnißmäßig stark verbreitet. Nach statistischen Nachweisen vom Jahr 1873 kommt schon auf 675 Juden in Deutfchlund 1 Taubstummer, während bei den Protestanten erst auf 2175 und bei den Katholiken erst auf 3179 sich dieses Berhältniß ergibt; d. h. die Zahl der jüdischen Taubstummen ist viermal