Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1879)
- Date
- 1879-01-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Rashi 1× ep/1002670
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74 Die Mutter hatte das Kästchen dort niedergesetzt, wo das Schilf am Ufer des Stromes anfängt zu wachsen. Die Gefahr war nun eine doppelte: erstlich, daß vorüberg hende Aegypter das Kästchen vollends in den Strom warfen oder daß das j auffteigende Wasser des Nyls es hinwegschwemmen j würde. Da kam das Wasser des Stromes und! hob das Kästchen, schwemmte es aber nicht hinab, sondern ließ es mitten im Schilfe hängen bleiben; di-sen wunderbaren Vorgang sah die Königstochter und das veranlaßte sie, das Kästchen sich holen zu lassen und das weinende Kind zu retten. — Es war also der Strom, der den Moscheh beschützt hatte, genau so, wie Raschi es darlegt. — Freilich nicht der Strom als solcher, denn der ist ja kein vernunftbegabtes Wesen; es war vielmehr eine Fügung Gottes. der sich des Stromes als Mittel bediente; trotzdem will aber Gott nicht, daß Moscheh irgendwie des Undankes geziehen werden könnte; seine Hand soll den Strom nicht strafen, weil dieser ihn einst beschützt hatte. So sehr will Gott den Undank gemieden wissen. Denn wer des Undanks fähig ist, wer das empfangene Gute mit Bösem erwidern kann, ist auch jedes andern Verbrechens fähig; die Quelle jeder Tugend. die echte Liebe zu Gott und zu den Menschen ist in ihm erloschen. Er bezahlt Liebe mit Hrß, die Wohlihat mit Uebelthat, das Gute mit Bösem. Er verlacht die heiligste Pflicht der Menschheit. Er kann es gelassen sehen, wie selbst Thiere ihn beschämen, die mit Treue ihren Wohlthäte'.n folgen. Niemals soll der Mensch empfangene Wohltbaten vergessen, aber noch weniger das Gute mit Bösem vergelten. Die Tugend der Dankbarkeit löst sich durch Gewöhnung lebendig erhalten und zum Bedürfniß machen. Zu diesem Zwecke aber muß der Mensch verbannen den geheimen Stolz, der alles sich selbst zu danken haben will; die Selbstsucht, die nichts als sich selbst kennen und befördern will; die Eitelkeit, die das empfangene Gute nicht als Wohlthat, sondern als pflichtmäßiaes Opfer ansieht; die falsche Scham, welche in dem öffentlichen dankbaren Geständnisse ihrer Schuldverpflichtung Entehrung findet; das Streben nach jener falschen Unabhängigkeit , welcher die Dankbarkeitsbezeugungen lästig findet, nur Rechte haben will und allen Andern Pflichten auflegen möchte. Alle Völker, alle Religionen verabscheuen den Undank; aber keine so sehr wie die heilige Religion Israels, die sogar den Schein des Undanks auf das Strengste vermieden wissen will, die nicht duldet, daß Moscheh den Fluß schlage, da Menschen meinen könnten, daß er ihm Dankbarkeit schulde. Zeitirugsnacbrichten und Correspondenzen. Deutschland. Moinz Im Annoncentheil finden unsere geschätzten Leser die Anzeige von der in zweiter Auflage erschienenen Wandkarte von Palästina von Markusz Löwy in Preßburg. Diese Karte liegt uns vor. Dieselbe enthält wesentliche Verbesserungen; mehrere Nachbarländer, Städte und ,• lüjje sammt Beschreibung sind hinzugefügt worden. Sie ist in vielen vsterr.ung. und deutschen Schulen eingeführt und entspricht vollständig ihrem Zwecke. Im Uebrigen verweisen wir auf unser diesbezügliches Referat im vorigen Jahrgang. Wir können diese Wandkarte auf's Angelegentlichste empfehlen. Aus dessen. Auf Ersuchen einiger Gemeindemir-ilieder aus Gudensberg erklärte sich Herr Rabbiner Dr. Ehrmann aus Cassel anfangs Januar bereit, zu Ehren des verstorbenen Rabbiners Wetzlar y'p'W'; einen iron am 12. Januar in der Gudensderger Synagoge adzuhalten. Die Leute gingen von der Idee aus, daß nur ein solcher Mann den iDon würdig halten könnte, welcher in dem Sinne spricht, in welchem der Verblichene P i gelebt hat. Es wurde dies den Gemeinden der Kreise Fritzlar und Melsungen, welche zum Rabbinat desselben gehörten, mitgetheilt, mit dem Ersuchen, Laß sie sich in der Gudensberger Synagoge eiufinden sollten. Am 11. Januar erhielt einer der Gudensberger Gemeindeältesten vom Vorsteheramt der Israeliten in Cassel folgendes Schreiben: ' Nr. HO. I. V. A. Pr. Herr Landrabbiner Dr. Adler wird zum Andenken an den verstorbenen Kreisrabbiner Wetzlar nächsten Sonntag dcn 12. d. M. Nachmittags einen Trauergottesdienst (-!£Dn) abhalten und das Unterzeichnete Vorsteheramt bei dieser Feier wvthunlich sich vertreten lassen. Wir setzen Sie zur schleunigen Benachrichtigung sämmtlich-er Gemeindcmitglieder mit dem Anfügen hiervon in Kenntniß, daß zur Abhaltung eines "lEDn in der dortigen Synagoge nur Herr Landrabbiner Dr. Adler berechtigt ist. Cassel, den 10 Januar 1879. Vorsteheramt der Israeliten: Budwig. vdt. Berger. An den Gemeindeältesten Hrn. Najel in Gudensberg.