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Der Israelit · 1879-01-15 · Heft 3 (15.1.1879) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 3 (15.1.1879)
Date
1879-01-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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59 auch an ihren Schulen Weihnachtsferien zn halten. Damit es aber durchaus nicht den Anschein habe, als feiere man etwa das Chanukafest, wurde dort bis zum 4. Chanukatage, also dem Tage vor Weihnachten unterrichtet, wahrend die andern städtischen und königlichen Schulen bereits seit dem 20. d. M. geschlossen sind. Etwas mehr Charakteristisches gibt es wohl nicht als diese Handlungsweise, mit welcher man hier in Berlin, in der unverantwortlichsten Weise den Zerstörunzskrieg gegen jüdisches Gesetz und Leben führt. Oesterr. - Ungarische Monarchie. Wien. Im großen Lehrsaale der Talmud- Tbora-Vereinsschule (1. isr. Armenschule) 2. Malzgasse 16, wurde das Chanukafest in erhebender Weise gefeiert. Nach Anzünden der Lichter into» nirten 200 Schüler das Maccabäer - Lied in der uralten Melodie und nach der Ansprache des Direktors über die geschichtliche Bedeutung des Festes wurden sämmtliche Schüler mit Bekleidungsstücken reichlich beschenkt, und diejenigen Schüler, welche den warmen Mittagstisch entbehren, mit Speisemarken der isr. Volksküche betheilt. Feuilleton. JaKoöine. Ein Lebensbild. Von Iriedrich Uott HL „Verzeihen Sie meine H eftigkeit", sprach Kohn, endlich den Blick zu Boden senkend; „aber die Sache betrifft ein Geschaftsgeheimniß, das durchaus kein Interesse für Sie hat." „Lassen Sie mich's dennoch lesen", flehte Grünfeld „um Gottes Barmherzigkeit willen, Herr Kohn lassen Sie mich's lesen! — Wenn's auch ein Geschäftsgeheimnis ist — es kommt nicht über meine Lippen — das schwöre ich Ihnen!" „Es interessirt Sie nicht," wiederholte Kohn, ohne den angstvoll bittenden Blicken des Andern zu begegnen. Doch Grünfeld ließ nicht nach und Kohn sah endlich ein, daß Schweigen in diesem Falle noch grausamer sein könne als Reden. „Nun, wenn Sie denn durchaus darauf bestehen — aber bedenken Sie — wie oft trägt man Visitenkarten von Anderen im Portefeuille — und wäre es geradezu Unsinn, von Karten, die man bei Jemandem findet, auf die Jndenliiät der Person 'schließen zu wollen." „Geben Sie — geben Sie —" flammette der junge Mann, indem er hastig nach dem Papiere griff, das Kohn mit sichtlichem Widerstreben und noch immer zögernd ihm bot- Doch er war nicht sogleich im Stande, den Sinn der Zeilen, auf die er nun hernieder blickte, zu entziffern. Die Buchstaben drehten sich vor seinen Augen und es währte mehrere Minuten, bevor er diesen Schwindelansall überwunden. Endlich las er: „Israelitische Leiche geländet, Visitenkarten im Portefeuille, Jakob Grünfeld. Bitte zur Reconoscirung der Leiche herzukommen. Müller, Bürgermeister." Ein dumpfer Weheruf entfuhr Grünfelds Lippen; er wäre zu Boden gestürzt, hätte Kohn ihn nicht gehalten. „Um Gotteswillen, Grünfeld, fassen Sie sich, bedenken Sie, es ist ja noch gar nicht erwiesen — es kann — es muß ein Jrrthum sein. — Das heißt, es hat ja noch Keiner die Vermuthung ausgesprochen. — daß es Ihr Bruder ist — wer weiß, wie viele Menschen Karten von ihm im Portefeuille haben." Doch Grünfeld achtete nicht auf diese wohlgemeinten Trostesworte. „Woher ist die Depesche?" stieß er endlich hervor. „Au's C... einer Dampfschiffsstation, ungefähr vier Stunden von hier." „Aber die Bahn geht auch dorthin — wann geht der nächste Zug?" „Morgen Früh um vier. Um acht Uhr geht ein zweiter; ich aber werde den ersten Zug benutzen und Ihnen gleich von C.... aus tele* graphiren." Grünfeld schüttelte den Kopf. „Ich begleite Sie." „Um so besser, denn um so früher werden Sie sich hoffentlich von der Grundlosigkeit Ihrer Befürchtung überzeugen." Kohn ließ den Freund keinen Moment von seiner Seite und mit aller ihm zu Gebote stehender Ueberredungskunst suchte er ihm Hoffnung einzuflößen , die er selbst nicht theilte. Denn auch der Umstand, daß die Depesche von dem ihm persönlich ganz unbekannten Bürgermeister in C.... an ihn gerichtet war, bestärkte ihn in seiner Befürchtung. Er erinnerte sich nämlich, an dem Tage vor Grünfelds Verschwinden hatte er ein Schreiben an ihn gerichtet, das der Empfänger vermuthlich in sein Portefeuille gelegt, wo es dann wohl nebst den bereits erwähnten Karten gefunden sein

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