Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1879)
- Date
- 1879-01-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XX. Jahrgang. Erste Seilage zu Ar. 3 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Lengsfelder, Rabbiner in Reichenau bei Wildenschwerdt (Böhmen). I. Heft. Selbstverlag. Die jüdische Predigtliteratur hat durch das vorliegende Werk jene Bereicherung erfahren, die sicherlich jeden Leser mit derselben Befriedigung erfüllen wird, die sie uns bereitet hat. — Dem erschienenen ersten Heft, welches 11 Predigten enthält — zu novn nav, jnn roB», hd» % rnff ”n, m: ta, rftttf (über das Kaddischgebet), msy wo» (die Betheiligung an der Abgeordnetenwahl), Leichenreden rc. — sollen Predigten für alle Fest- und Sabbattage und auch Gelegenheitsreden in den folgenden Heften folgen. — Der Verfasser hat das Werk dem Andenken seiner Eltern gewidmet, und dieser kindlichen Pietät Genüge zu leisten, ist der einzige Zweck der Veröffentlichung. Es wäre jedoch zu hoffen, daß das Buch eine recht weite Verbreitung fände, so daß außer dem Zweck, den der Vers, im Auge hatte, auch noch derjenige erreicht würde, daß die Gedanken des Verf. und ihre sinnige Darstellung eine allgemeine Würdigung erfahren. Außer dem gedankenreichen Inhalt der hier gebotenen Predigten und der überall angemessenen Sprache ist es besonders die Form der Darstellung, welche der Verf. gewählt hat, über welche wir hier noch eine Bemerkung folgen lassen möchten. Diese Form entspricht nämlich nicht den gewöhnlichen rhetorischen Regeln, sondern ist ungezwungen wie ihr Inhalt. Die gewöhnliche Form der jüdischen Predigten ist den christlichen entlehnt, wie dies der Nestor der jüdischen Kanzelberedsamkeit R. Salomon Pleßner in der Vorrede zu seinen Predigten auch für die seinigen einräumt. Als es sich vor ca, 50 Jahren darum handelte, Predigten auch in der jüdischen Gemeinde einzuführen, lag es nahe, die Vorgefundene Form zu benutzen, und sie auf die jüdischen Predigten zu übertragen. Ob dieselbe sich nun für eine Vortragsweise eignet, die nicht nur erbauen, sondern in erster Reihe belehren will, ist eine Frage, über die man streiten kann, die aber bereits vielfach ihre practische Erledigung gefunden. Viele jüdische Kanzelredner sind heute zu der Ueberzeugung gelangt, daß das ängstliche Festhalten an der äußeren Form , der Lebendigkeit, Eindringlichkeit und somit der; Wirkung des Vortrags nicht unerheblichen Eintrag thut. Die einheitliche Durchführung eines Themars verlangt noch nicht eine schablonenmäßige Eintheilung und Zustutzung des Stoffes, wie sie in vielen Fällen die gewöhnliche Form der Predigten erfordert. Gerade das Zwanglose, ja geradezu Abrupte, wirkt in einem Bortrag mit einer Macht, die den? nach sorgfältigster Disposition gearbeiteten Predigten vielfach abgeht. Das Einfache, Ungekünstelte einer Predigt läßt sich leichter als der unmittelbare, warme Ausdruck eines überzeugungstreuen - Redners erkennen, als eine formvollendete, künstlich zusammengestellte Homilie. j Dieser Erfahrung tragen viele Prediger seit mehreren Jahren Rechnung, aber es ist uns nicht bekannt, daß bereits solche Predigten, wie die vorliegenden, in der Absicht veröffentlicht wurden, die Kritik herauszufordern, um festzustellen, „ob eine ungezwungene Exegese nicht ausgleicht, was vor dem Richterstuhle der Kritik vielleicht keine Nachsicht findet". Die Gediegenheit der vorliegenden Predigten! wird sicherlich dazu beitragen, daß diese Frage eine! immer allgemeiner werdende Bejahung erfahre. E. Zeitungsnachrichten Af Eorrefpondenzen. Deutschland. Aus Baden» Ich habe Ihnen, geehrter Herr Redacteur, jüngst auf meiner Geschäftsreise , von Kippenheim aus, über einen Verlust berietet, den die Gemeinde Schw.ieheim durch den Tod des sel. Weil erlitten und zu meinem Bedauern wegen Mangelhafter Information einige Ungenauigkeiten, die ich heute zu berichtigen mich beeile, mitgetheilt. Zunächst habe ich hervorzuheben vergessen, daß